Georg Thieme Verlag KG

Forschungsprojekt iFootIntelligenter Verband lässt Diabetiker hoffen

Eine häufige und schwere Folgeerkrankung von Diabetes mellitus ist das diabetische Fußsyndrom (DFS). Im Rahmen des Forschungsprojektes iFoot wird eine Softwarelösung entwickelt, durch die DFS-Patienten besser versorgt werden sollen.

Forschungsprojekt iFoot
Hochschule Niederrhein

Smarter Verband, smarte Uhr und das Projektteam um Professor Dr. Hubert Otten (2.v. links).

Diabetes mellitus ist eine der weltweit wichtigsten, nichtübertragbaren Krankheiten und stellt eine ernste Public-Health-Herausforderung dar. In Deutschland leben aktuell etwa acht Millionen Menschen mit Diabetes und jährlich erkranken hier mehr als 500 000 Erwachsene neu an dieser Krankheit. Hochrechnungen besagen, dass bis zum Jahr 2040 zwölf Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt sein werden. Aufgrund eines Anstiegs der Lebenserwartung bei Vorliegen eines Diabetes mellitus in den letzten Jahren werden diabetesassoziierte gesundheitliche Einschränkungen zukünftig weiter zunehmen.

Eine der häufigen und schweren Folgeerkrankungen ist hierbei das diabetische Fußsyndrom (DFS), welches einen Sammelbegriff für verschiedene pathologische Veränderungen am Fuß von Menschen mit Diabetes mellitus darstellt. In Deutschland entwickeln jährlich circa 250 000 Menschen eine Form des diabetischen Fußsyndroms.

Im schlimmsten Fall droht Patienten die Amputation

Das DFS stellt eine lebenslange Komplikation des Diabetes mellitus dar, welche die Betroffenen durch Therapieerfordernisse und durch Amputationen in ihrer Mobilität einschränkt. Nach dem erstmaligen Auftreten leiden Patienten lebenslang unter DFS – mit inaktiven und aktiven Phasen. In der Phase des inaktiven DFS besteht eine erhöhte Verletzlichkeit, die zu typischen Hautschäden wie Schwielenhämatomen oder Geschwüren (Ulzera) führt. Wenn die inaktive Phase des DFS über einen längeren Zeitraum nicht erkannt wird oder Patientinnen und Patienten Schutzmaßnahmen nicht einhalten können, geht die inaktive Phase über in eine aktive Phase des DFS mit Dekompensationsfolgen wie einem oberflächennahen Ulkus oder einem tiefen Ulkus. Ferner kann es zur Ausbildung eines aktiven Charcot-Fußes kommen. Bei diesem Krankheitsbild werden Knochen in den Fußgelenken so angegriffen und zerstört, dass sich teilweise erhebliche Fußfehlstellungen ausbilden. Ein aktives DFS benötigt eine lange Zeit, bis eine verletzungsfreie Belastung wieder möglich ist und in eine inaktive Phase übergeht.

Komplikationen, die bei der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms auftreten, sind der hauptsächliche Grund für die Einweisung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus in ein Krankenhaus. Die verzögerte oder ineffektive Behandlung des DFS kann im schlimmsten Fall zum Verlust der Extremitäten führen. Das DFS stellt die häufigste Ursache für Ober- beziehungsweise Unterschenkelamputationen dar. So lassen sich in Deutschland jährlich circa 50 000 Amputationen (davon rund 13 000 Amputationen oberhalb der Knöchel, sogenannte Majoramputationen) auf das DFS zurückführen.

Diese Komplikationen sind verbunden mit langen Krankenhausaufenthalten, Rehabilitation, intensiver Pflege mit langwieriger häuslicher Betreuung und Inanspruchnahme von sozialen Dienstleistungen. Die Kosten der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms belaufen sich aufgrund der langen Behandlungsdauer (durchschnittlich sechs Monate) und eines hohen Rezidivrisikos bundesweit auf rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr und sind daher von hoher Bedeutung für das Gesundheitswesen.

Patienten bemerken Schädigungen an den Füßen nicht

Im Rahmen des Förderprogrammes „Wachstum und Beschäftigung 2014 - 2020“ („EFRE“) fördert das Land Nordrhein-Westfalen das Forschungsprojekts „iFoot–Verbesserung der einrichtungsübergreifenden Versorgung des diabetischen Fußsyndroms durch eHealth.“ Die Forscher entwickeln eine technologische Gesamtlösung, welche die Versorgung von Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom verbessern soll. Das große Problem bei diesen Patienten ist, dass durch die Schädigungen der Nerven und Blutgefäße die Patienten Schmerzen an den Füßen nicht bemerken. Druckstellen und offene Wunden bleiben oft unbemerkt und verheilen dann nicht mehr. Klar ist, dass sich eine Vielzahl von DFS bezogener Amputationen durch konsequente Vorsorge verhindern lassen.

Das Kernstück der iFoot-Gesamtlösung stellt die in einem Verband integrierte Sensorik dar, welche die Betroffenen und deren Betreuungspersonen in Echtzeit über den Status ihrer Wunde am Fuß informiert. Es werden dabei durch eine Sensoreinheit Daten zu Druck, Temperatur und Feuchtigkeit gemessen. Die flexible Sensoreinheit wird vorzugsweise in der medialen Wölbung des Fußes und in der Nähe der Wunde positioniert, um die relevanten Daten an der richtigen Stelle zu erheben. Mit Hilfe einer handelsüblichen Smartwatch und über eine speziell zu diesem Zweck entwickelte Smartwatch-Applikation werden die genannten Messwerte, ergänzt um die Schrittzahl, in eine cloudbasierte-Softwarelösung übertragen.

Um die Betroffenen mit DFS aktiv in ihren Behandlungsverlauf mit einzubeziehen, werden individuelle und optimal auf den jeweiligen Patienten eingestellte Grenzwerte festgelegt. Werden diese Grenzwerte überschritten, wird dies den Patientinnen und Patienten sowohl durch eine Nachricht als auch durch ein akustisches Signal mitgeteilt. Auch der behandelnde Arzt erhält durch eine E-Mail einen Hinweis dazu, dass die Grenzwerte eines Patienten überschritten wurden und kann im Bedarfsfall umgehend mit ihm in Kontakt treten.

Über die iFoot-Cloudsoftware können die Messwerte in grafisch aufbereiteter Form abgerufen werden. Da es sich bei dieser Softwarelösung um eine Kommunikations- und Dokumentationslösung für das diabetische Fußsyndrom handelt, stehen dort im Weiteren alle Daten in standardisierter Form zum Behandlungsverlauf dem behandelnden Personal zur Verfügung.

Erste Pilotstudie zeigt positive Ergebnisse

Derzeit erfolgt im Rahmen des Projekts die Durchführung einer Pilotstudie. Erste Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass insbesondere der Hinweis an den Patienten bei Überbelastung der Wundregion und die Übertragung der Live-Daten mit Rückmeldung der Therapeuten an den Patienten einen besonders positiven Einfluss auf die Wundheilung der Betroffenen haben können. Mit iFoot wird ein optimierter Ansatz für die medizinisch- pflegerische Versorgung des DFS implementiert, welcher die individuellen Bedürfnisse bei der Behandlung berücksichtigt und den Patientinnen und Patienten eine aktive Rolle im Heilungsverlauf ermöglicht.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!