
Innerhalb weniger Wochen hat der Software-Anbieter Meierhofer drei Kooperationen für KI-Funktionen in seinem Krankenhausinformationssystem M-KIS bekannt gegeben. Statt eigener KI-Entwicklung scheinen die Münchner auf spezialisierte Drittanbieter aus dem deutschsprachigen Raum zu setzen und positionieren das KIS als Integrationsplattform. Die Module von Averbis (Freiburg), Tiplu (Hamburg/Berlin) und Thieme (Stuttgart) decken unterschiedliche Aufgaben ab wie Dokumentation, klinische Entscheidungsunterstützung und Fachwissen. Sie sind aber alle auf einen gemeinsamen Punkt ausgerichtet: KI-Funktionen sollen ohne Systemwechsel direkt im Workflow nutzbar sein.
Averbis: Dokumentation, Arztbriefe, Anamnese
Mit Averbis integriert Meierhofer drei Module in das KIS: Medical Summary bündelt Patientendaten chronologisch und beantwortet Fragen zu Diagnosen, Laborwerten oder Allergien per natürlicher Sprache, jeweils mit Quellverweis. Die KI-gestützte Arztbriefschreibung formuliert Epikrise und Verlauf auf Basis vorliegender Dokumentation vor; laut Averbis-Geschäftsführer Patrick Oestringer reduziere das den Zeitaufwand für Arztbriefe um bis zu 50 Prozent. Medical Dialog transkribiert Arzt-Patienten-Gespräche in Echtzeit und übergibt strukturierte Zusammenfassungen an M-KIS.
Tiplu: Verdachtsdiagnosen und Risikoprädiktion
Die auf der DMEA 2026 verkündete Partnerschaft mit Tiplu bringt das Clinical Decision Support System (CDSS) „Maia“ in das KIS. Maia ist als Medizinprodukt der Klasse IIa zertifiziert, kombiniert regelbasierte Verfahren mit Machine-Learning-Modellen und liefert Hinweise auf bislang nicht gestellte Verdachtsdiagnosen sowie Risikoprädiktionen für Sepsis, Sturz oder schwere Hypoglykämie.
Die Trainingsbasis: nach Tiplu-Angaben über zehn Millionen anonymisierte Patientenakten aus rund 130 Partnerkliniken. Aktuell ist Maia per Direktaufruf aus M-KIS erreichbar; eine tiefere FHIR-basierte Integration ist angekündigt, ein konkreter Zeitplan steht noch aus.
Thieme: Verlagsinhalte über Chatbot abfragbar
Mit Thieme AI zieht eine vierte Komponente in M-KIS ein – allerdings nicht über ein eigenes Modul, sondern über den bestehenden Chatbot M-KIS Assist. Anwender können dort fachliche Fragen etwa zu Differenzialdiagnosen oder Arzneimitteln stellen; die Antworten basieren ausschließlich auf qualitätsgesichertem Thieme Content und sind mit Quellenangaben versehen. Ein Klick führt in das Wissensportal eRef – allerdings nur, sofern die jeweilige Klinik eine entsprechende Lizenz besitzt. Thieme und Meierhofer kooperieren seit Jahren; die KI-Anbindung ist die jüngste Ausbaustufe.
Die drei Module überlappen funktional an einigen Stellen – etwa bei der Frage, woher ein Arzt Antworten zu einem Patienten bezieht (eigene Akte via Averbis, Wissensbasis via Thieme, Risikobewertung via Tiplu). Wie sich die Lösungen in der Praxis abgrenzen, in welcher Reihenfolge sie ausgerollt werden und welche Lizenzmodelle für Kliniken gelten, hat Meierhofer bislang nicht im Detail kommuniziert. Die strategische Botschaft scheint dennoch eindeutig: M-KIS wird in Richtung modularer KI-Plattform entwickelt, bei der Meierhofer selbst die Rolle des Integrators übernimmt.







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