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KIS-Markt 2026Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Noch sind die Auftragsbücher gut gefüllt, doch viele Kliniken halten sich bei KIS-Ausschreibungen zurück – und prüfen, welches System das Zeug für die Zukunft hat. Klar ist: Das klassische Stand-Alone-KIS wird zum Auslaufmodell.

KIS-Markt 2026
Thieme

Die Geschäfte für Softwarehersteller und IT-Dienstleister im Gesundheitswesen brummen weiterhin, immer noch eilen manche KIS-Anbieter von Rekordjahr zu Rekordjahr. Gleichzeitig beobachten die IT-Hersteller aber eine wachsende Marktzurückhaltung. Die KHZG-Projekte sind überwiegend abgearbeitet – und die IS-H-Alternativen der Hersteller finden ebenfalls zunehmend ihren Weg in den Realbetrieb. 

Allerdings sind aus Sicht der Hersteller viele Krankenhäuser intensiv damit beschäftigt, sich IT-mäßig grundsätzlich ganz neu aufzustellen. Vielerorts sorgt der Druck, das KIS wechseln zu müssen und gleichfertig zukunftsfit für digitale Transformation und KI-Revolution zu werden, zu grundsätzlichen Überlegungen, wie die eigene digitale Zukunft aussehen sollte. 

Das klassische KIS hat ausgedient, webbasierte und cloudfähige Systeme stehen dagegen immer höher im Kurs. Experten rechnen noch in diesem Jahr mit einer Welle von Ausschreibungen. Gute Aussichten für alle Anbieter, die technologisch an der Spitze vorweg marschieren. Zumal auch der Druck aus Übersee zunimmt. Mit der KIS-Vergabe der Charité an das US-System Epic erscheint ein neues Schwergewicht auf dem deutschen Markt:

AMC

Bereits seit 2004 ist der Hamburger Hersteller AMC Holding mit seinem webbasierten KIS Clinixx am Markt vertreten. Das vergangene Jahr war für AMC nach eigenen Angaben wirtschaftlich das bislang erfolgreichste Jahr. Sieben weitere Kliniken konnte das Unternehmen als Kunden gewinnen, in allen dieser Kliniken sind die Systeme bereits im Livebetrieb. Diese Schnelligkeit und Flexibilität würden die AMC-Kunden „ungemein schätzen“, heißt es seitens des Unternehmens. Im Januar 2026 stiegen vier weitere Kliniken auf das KIS der Hamburger um. Stand Februar 2026 betreut der Anbieter mehr als 70 Kliniken in Deutschland. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert AMC ein Umsatzwachstum von 25 Prozent. 

Für AMC-Geschäftsführer Jörg Reichardt verändert die Ablösung etablierter KIS-Lösungen den Markt nachhaltig. „Krankenhäuser suchen heute nicht mehr nur eine funktionale Softwarelösung, sondern eine Plattform, die durch Interoperabilität und Cloudfähigkeit und zukünftige Investitionssicherheit bietet.“

Avelios Medical

Avelios Medical ist noch immer ein Newcomer in der KIS-Branche, auch wenn das Münchner Unternehmen inzwischen sechs Jahre am Markt agiert. Die Firma entstand ursprünglich 2020 aus einem KI-Forschungsprojekt am LMU Klinikum München. Das junge Unternehmen ging mit einem anderen Systemansatz an den Start. Es setzt auf flexible, skalierbare Architekturen und einen modularen Aufbau. Krankenhäuser können so ihr altes KIS entweder in einem Schritt ablösen oder einzelne Module schrittweise ausrollen. Zudem ist Künstliche Intelligenz ein zentraler Bestandteil des KIS, weshalb alle Daten in strukturierter Form erfasst werden müssen.

Für viele Häuser geht es längst nicht mehr um eine reine Systemmigration, sondern um die grundsätzliche Neuaufstellung ihrer IT-Landschaft.

Nach einem Pilotprojekt am LMU Klinikum zählt das junge IT-Unternehmen inzwischen 15 Kunden mit insgesamt mehr als 70 Krankenhäusern. Darunter sind laut dem Unternehmen fünf Universitätskliniken sowie eine große Klinikkette. Bei zwölf dieser Kunden komme ein KIS als umfassende klinische Kernlösung zum Einsatz. Zu den Kunden von Avelios zählen unter anderem die private Klinikkette Sana und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Um die Projekte umsetzen zu können, hat das Unternehmen die Mitarbeitendenzahl 2025 fast verdoppelt und beschäftigt nun knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter .

Dennoch berichten Bracheninsider – auch aus den beteiligten Projekten – kma von Umsetzungsproblemen, was seitens von Avelios stets zurückgewiesen wird. „Wir haben Projekte, innerhalb derer wir an anspruchsvollen Uniklinika mit hoher struktureller Komplexität innerhalb von rund einem Jahr über alle klinischen Abteilungen produktiv unsere Software eingeführt haben. Damit sind wir sehr zufrieden“, teilt die Firma mit. Auch in anderen Großprojekten verfolge man das Ziel, eine vollständige KIS-Ablösung innerhalb von rund 18 bis 24 Monaten umzusetzen. „Wir kommen sehr gut voran.“ Konkrete Zahlen zum Umsatz nennt die KIS-Schmiede nicht, es habe ein „sehr starkes Umsatzwachstum“ im vergangenen Geschäftsjahr gegeben.

Ein Coup gelang Avelios im Februar. Zu diesem Zeitpunkt stieg der deutsche IT-Konzern SAP mit einem strategischen Investment in unbekannter Höhe bei Avelios ein. Für Avelios schafft das enorme Vorteile im Mark. Parallel zu den gut laufenden Geschäften im deutschen Markt will das Münchener Unternehmen nun auch international expandieren. Man befinde sich derzeit unter anderem in Österreich, Spanien und der Schweiz in konkreten Gesprächen mit ersten Kunden. 

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Compugroup Medical 

Compugroup Medical (CGM) zählt seit der 2020 erfolgten Übernahme der Cerner KIS-Lösungen Medico, Soarian Integrated Care und Selene (Spanien) zu den großen Playern im deutschen Markt. Aktuelle Zahlen zum Stand der installierten Systeme in Deutschland veröffentlicht CGM nicht, allerdings hält das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 20 Prozent des deutschen KIS-Marktes. Der Anbieter mit Hauptsitz in Koblenz erwirtschaftete 2025 einen Gesamtumsatz von 1,21 Milliarden Euro, nach 1,15 Milliarden im Jahr zuvor. An Standorten in 19 Ländern und beschäftigt CGM mehr als 8700 Mitarbeitende. Der Umsatz im Segment Krankenhausinformationssysteme stieg 2025 laut CGM um zehn Prozent auf 353 Millionen Euro. Damit hat sich das Krankenhausgeschäft (HIS-Segment) zum „Wachstumstreiber“ entwickelt. Dennoch lief nicht alles nach Plan: Bei der Ausschreibung der Berliner Charité für ein neues KIS zog der Koblenzer Konzern nach kma-Informationen gegenüber dem US-Hersteller Epic den Kürzeren. 

Nach Plan verlief hingegen im vergangenen Jahr der Einstieg des Private Equity Unternehmens CVC Capital Partners. Das Luxemburger Finanzunternehmen zählt zu den zehn größten Private Equity Unternehmen der Welt und verwaltet aktuell nach eigenen Angaben Vermögensanlagen in Höhe von 205 Milliarden Euro. Die CGM-Gründerfamilie Gotthardt holte sich die finanzkräftigen Investoren ins Boot, um mehr in cloudbasierte Softwareprodukte und datengetriebene KI-Technologie investieren zu können. Am 24. Juni 2025 schloss CGM das sogenannte Delistingverfahren ab und nahm das bis dahin im TecDax gelistete Unternehmen von der Frankfurter Wertpapierbörse. Nach Abschluss des Verfahrens behält die Gründerfamilie weiterhin eine Mehrheit von 50,12 Prozent der Anteile, weitere 27,78 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte hält nun CVC. 

Technisch liegt derzeit im KIS-Bereich der Fokus von CGM darauf, dass eigene Produkt CGM Clinical noch stärker auf durchgängige, abteilungsübergreifende Prozesse auszurichten – von der medizinischen Dokumentation über Pflege und Entscheidungsunterstützung bis hin zu Abrechnung und Kodierung. Gleichzeitig setzten die Koblenzer regulatorische Themen wie ISiK, die Integration der ePA und die Anbindung an die Telematikinfrastruktur um. 

Dedalus 

Dedalus konnte seine Marktposition weiter ausbauen. Seit der Übernahme sämtlicher Healthcare IT-Aktivitäten von Agfa im April 2020 ist das italienische Unternehmen mit Hauptsitz in Mailand der Branchenprimus im deutschen KIS-Markt – und wächst weiter. „Wir hatten 2025 ein Spitzenjahr und einen sehr hohen Auftragseingang “, schwärmt Winfried Post, Dedalus Managing Director für den DACH-Bereich, im Gespräch mit kma. So stieg der Umsatz in der gesamten DACH-Region auf rund 460 Millionen Euro, in Deutschland stieg der Umsatz um 11 Prozent auf 420 Millionen Euro. 

Wir hatten 2025 ein Spitzenjahr und einen sehr hohen Auftragseingang.

Nicht nur der Umsatz nimmt zu, sondern auch die Zahl der deutschen Krankenhäuser, die das Dedalus-KIS Orbis einsetzen. 2025 arbeiteten laut Post 850 Einrichtungen mit Orbis, nach 821 im Jahr zuvor. DACH-weit arbeiten laut der Softwareschmiede insgesamt inzwischen 900 Einrichtungen mit dem KIS. Zu der guten Entwicklung trägt Orbis U bei, die neue webbasierte und cloudfähige KIS-Plattform. Das Unternehmen konzentriert sich immer stärker auf Zukunftsthemen wie den Einsatz von KI oder bei Cloudlösungen, wo Dedalus mit Amazon Web Services (AWS) zusammenarbeitet. Bei Pacs schon längst etabliert, bringt Dedalus nun auch die ersten rein webbasierten KIS an den Start. Derzeit wird im St. Willibrord Spital im nordrhein-westfälischen Emmerich noch an der Umsetzung des ersten webbasierten KIS gearbeitet, Betriebsstart soll nach Angaben des Spitals der 1. April sein. 

Doch nicht alles verlief 2025 nach Plan für das Health IT-Unternehmen. So bestimmten viele Monate lang die juristischen Auseinandersetzungen mit der Berliner Charité die Schlagzeilen. Hintergrund war das Ausschreibungsverfahren der Charité für ein neues KIS, wo sich der italienische IT-Anbieter durch die Form der Ausschreibung massiv gegenüber dem später siegreichen US-Hersteller Epic benachteiligt fühlte. Doch weder die Vergabekammer in Berlin noch das Berliner Kammergericht wollten der Argumentation des Unternehmens folgen und wiesen Dedalus ab. Letztlich warf das Berliner Uniklinikum den Branchenprimus im vergangenen September wegen eines Formfehlers aus dem Verfahren. 

Die Schlappe soll nach kma-Informationen für Verstimmungen beim Mehrheitseigner Ardian geführt haben. Das französische Private Equity-Unternehmen zählt zu den größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, engagiert sich seit 2016 bei Dedalus und hält seit 2023 92 Prozent der Anteile. Immer wieder geisterten in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen angeblichen Verkauf von Dedalus durch Ardian durch die Wirtschaftspresse, zuletzt zum Jahresbeginn 2025. Derzeit ist es ruhig, obwohl zehn Jahre Engagement für eine Private Equity Gesellschaft ein ungewöhnlich langer Zeitraum sind.

Meierhofer 

Als letzter Inhabergeführter KIS-Hersteller in Deutschland erwirtschaftete Meierhofer im Jahr 2025 einen Umsatz von 41 Millionen Euro, man schließe „mit einem satten Plus ab“, heißt es seitens der Firma. Das M-KIS von Meierhofer ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei rund 260 Kunden im Einsatz, die Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. 

Der KIS-Markt verändert sich seit Jahren spürbar: weg vom reinen Dokumentationssystem hin zu einer Integrations- und Datenplattform für vernetzte Versorgung. Gleichzeitig müssen Krankenhäuser neue Vorgaben, Interoperabilität und Prozessanpassungen parallel bewältigen. 

Die Münchner haben inzwischen eine vollständige Alternative für IS-H im Portfolio. Das seit 2024 entwickelte Modul M-KIS Abrechnung ist seit Anfang 2026 nach Unternehmensangaben in mehreren Kliniken produktiv im Einsatz und hat IS-H abgelöst – und ergänzt zudem das etablierte Patientenmanagement, das vollständig SAP‑unabhängig und tief in das KIS integriert ist. Auch diese Lösung ist bereits in Kliniken unterschiedlichster Größe produktiv im Einsatz. 

Technologisch hat der mittelständische IT-Anbieter noch viele Pläne – erst kürzlich wurde die Einführung der „Kurve für alle – von A wie Anästhesie bis Z wie ZNA“ bekanntgegeben. Mit der neuen Messwertkurve bringe man hochfrequente Messwerte ins KIS und lege damit den Grundstein für ein intensivfähiges KIS, kündigt das Unternehmen an. Auch die Medikationslösung im eigenen KIS wurde weiterentwickelt, damit „haben wir die Closed Loop Medication im Einsatz.“ Ein weiterer Meilenstein ist die Zusammenarbeit mit dem IT-Anbieter Schwarz Digits, die den Betrieb des Meierhofer-KIS auf der europäischen Cloud-Infrastruktur von StackIT möglich macht. 

Mesalvo 

Mesalvo hat 2025 im dritten Jahr in Folge ein Umsatzwachstum erzielt und dabei im vergangenen Geschäftsjahr laut eigenen Angaben einen „Rekordumsatz und ein positives EBITDA“ erzielt. Treiber für die gute Geschäftsentwicklung waren ein sehr starker Auftragseingang – er stieg um 24 Prozent – sowie der gezielte Ausbau des Produktportfolios. Nach dem Rekordjahr 2024, in dem Mesalvo den Umsatz auf 49,4 Millionen Euro (2023: 43 Millionen Euro) gesteigert hatte, gelang es dem Unternehmen demnach, diesen Wert 2025 noch einmal deutlich zu übertreffen. Genaue Geschäftszahlen für 2025 will Mesalvo im Lauf der ersten Jahreshälfte 2026 vorstellen. 

Im Jahr 2025 konnte der Anbieter insgesamt 48 Großprojekte gewinnen. Zu den bedeutendsten zählt das Unternehmen ein Großprojekt mit Helse Vest IKT in Norwegen, einem der größten öffentlichen Gesundheitsverbünde des Landes mit rund 8000 Betten. Aktuell ist das Mesalvo KIS in rund 150 Krankenhäusern in Deutschland installiert. Das Unternehmen war 2021 durch den Zusammenschluss von i-Solutions Health, Datapec, Meona und E.care hervorgegangen. Im selben Jahr startete die cloudfähige Technologieplattform Mesalvo HealthCentre, die das Unternehmen für den Umstieg von IS-H/i.s.h.med nutzt. Seitdem entwickelt sich Mesalvo HealthCentre kontinuierlich weiter, auch 2026 soll darauf zentral der Fokus liegen. Die Plattform soll es Krankenhäusern ermöglichen, bestehende IT-Systeme sicher und schrittweise mit Mesalvo-Lösungen zu verbinden. 

Nexus 

Auch bei Nexus läuft das Geschäft weiterhin sehr gut. Im Jahresbericht 2025 vermeldete das Unternehmen (rund 2000 Beschäftigte) einen Anstieg des Umsatzes um 10,4 Prozent auf 288,6 Millionen (2024: 261,5 Millionen Euro). Im KIS-Geschäft konnte Nexus – wie schon im Geschäftsjahr zuvor – erneut viele Kunden hinzugewinnen. „Wir haben viele Neuaufträge umgesetzt und große Projekte für Erweiterungen realisiert“, so CEO Dr. Ingo Behrendt gegenüber kma. Der modulare, interoperable Aufbau des eigenen KIS und die Einbindung „unserer diagnostischen Module findet bei innovativen Häusern großen Anklang. 

Im vergangenen Jahr hat Nexus nach eigenen Angaben elf weitere Krankenhäuser auf Nexus umgestellt, davon allein sieben in Berlin. Aktuell ist das KIS der Firma in 326 deutschen Kliniken installiert. Insgesamt nutzen derzeit mehr als 10.000 Kunden aus 70 Ländern die Produkte der baden-württembergischen IT-Schmiede mit Hauptsitz in Donaueschingen. Im KIS-Bereich ist Nexus vor allem in Krankenhäusern mittlerer Bettengröße (400 bis 800) vertreten. 

Besonders „stolz sind wir auf die Integration unser KI-Komponenten, sowohl in der Abrechnung als auch in den medizinischen Workflows und in der Spracherkennung“, sagt Behrendt. Dazu hat Nexus – neben weiteren Unternehmen – auch den Berliner KI-Spezialisten Medical AI Information & Analytics übernommen. Für das laufende Jahr 2026 liegt der Fokus der Firma zudem auf der breiten Integration von KI-Assistenten nicht nur ins KIS, sondern auch auf weitere Systeme wie das PDMS, bei der klinischen Entscheidungsunterstützung (CDSS) sowie auf der stabilen, sicheren Skalierung im professionellen Rechenzentrumsbetrieb. 

Wie andere Hersteller hat sich Nexus einen strategischen Investor ins Boot geholt, die Firma Project Neptune Bidco, die vom Private Equity Unternehmen TA Associates verwaltet wird. Schon im vergangenen Sommer vermeldete das Unternehmen, dass Neptune Bido rund 95 Prozent des Grundkapitals übernommen habe und einen „Squeeze out“ der verbliebenen Aktionäre anstrebe. Dieses Vorhaben galt als Voraussetzung für das folgende Delisting von Nexus, also den Abschied von der Börse. Im November 2025 wurde der Börsenrückzug abgeschlossen. 

Oracle Health 

Nachdem SAP IS-H die Unterstützung entzogen hat, suchen viele Krankenhäuser auch Ersatz für i.s.h.med. Zusammen mit IS-H bildet es bislang ein vollwertiges KIS. Es gehörte zum Portfolio des großen US-IT-Anbieters Cerner, den Oracle Ende 2021 für die stolze Summe von 28,3 Milliarden US-Dollar übernommen hatte. Das Problem: IS-H ist eine Branchenlösung des deutschen IT-Herstellers SAP – und SAP gilt als harter Konkurrent von Oracle. Beide Firmen setzen inzwischen auf eigene Cloud-Lösungen. Diese Entwicklung und der SAP-Abschied von IS-H zwingt Oracle Health dazu, ein komplett neues und cloudbasiertes KIS zu entwickeln, was nur für den DACH-Markt ein kostspieliges Unterfangen wäre. Deshalb entwickelt das Unternehmen eine Gesundheitsplattform auf Basis der Oracle Cloud Infrastructure (OCI), die mit Hilfe künstlicher Intelligenz klinische Arbeitsabläufe unterstützen und Prozesse automatisieren soll. 

Schon im vergangenen Jahr hatte der US-IT-Riese davon gesprochen, der erfolgreiche Launch der EHR (Electronic Health Rekord, hier: einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte) im US-Markt sei erfolgt, nun werde der Eintritt in den DACH-Markt vorbereitet. Ein Jahr später spricht Oracle erneut davon, dass die EHR die regulatorische Zulassung in den US erhalten habe und derzeit von ambulanten Anbietern übernommen werde. Man arbeite daran, die Integration der Plattform nach spezifischen regionalen Vorgaben des DACH-Marktes „sicherzustellen“. Dazu sei man im Austausch mit Käufern und Partnern. Wenn der konkrete Rollout anstehe, werde man Partner und Öffentlichkeit informieren, teilte das Unternehmen mit. Aufgrund der Verzögerungen hat Oracle Health bisherigen i.s.h.med Kunden zugesichert, den Support für das System bis 2035 zu verlängern. Für die Ablösung von IS-H arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben an einem „klaren Übergangsprozess” (clear transition path) auf die neue OCI-basierte Gesundheitsplattform, die auch Komponenten für die Patientenadministration und Abrechnung anbieten soll. 

Spannend wird allerdings, ob es dazu tatsächlich kommt. In den USA kursieren seit Ende Januar Medienberichte, dass Oracle angeblich notgedrungen über einen Verkauf von Cerner nachdenke. So soll laut der US-Ausgabe des IT-Wirtschaftsmagazins CIO der geplante Ausbau der KI-Infrastruktur mit Rechenzentren die Finanzen des IT-Riesen erheblich belasten. Das Blatt beruft sich auf einen nicht öffentlichen Report der Investmentbank TD Cowen. So hat der texanische IT-Gigant einen Mega-Deal mit dem KI-Anbieter Open AI (ChatGPT) über 300 Milliarden US-Dollar geschlossen, worin sich Oracle auch zum Bau von riesigen Rechenzentren bis 2032 verpflichtet. Zur Umsetzung nimmt Oracle derzeit verstärkt Kredite auf, was Anteilseigner und Schuldner laut TD Cowen offenbar zunehmend nervös mache. Aus diesem Grund würde Oracle nicht nur über den Abbau von mehreren zehntausend Jobs nachdenken, sondern auch über einen Verkauf von Cerner. Oracle selbst hat sich bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe zu den Spekulationen nicht geäußert.

Telekom

Als börsennotiertes Unternehmen gibt die Telekom keine detaillierten Geschäftszahlen für einzelne Bereiche bekannt. So auch nicht für ihre Healthcare-Sparte, die zur Konzerntochter T-Systems gehört. Die Geschäftszahlen 2025 für den Gesamtkonzern hat die Telekom Ende Februar veröffentlicht. Danach stieg der Umsatz von T-Systems 2025 um 2,5 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Das Unternehmen ist in mehr als 300 Krankenhäusern IT-Dienstleister, die Anzahl der installierten firmeneigenen KIS iMedOne in deutschen Krankenhäusern liegt nahezu unverändert bei 260 Systemen. 

Bewegung gibt es allerdings dennoch im Health-IT-Segment der Telekom-Tochter. Die Übernahme des österreichischen IT-Spezialisten Synedra/Akedis innovations ist aus Sicht des Unternehmens „einer der wichtigsten Schritte für die Deutsche Telekom im europäischen Gesundheitsmarkt der letzten Jahre.“ Die beiden Firmen betreuen nun mehr als 260 Kliniken, dabei liefert Synedra eine skalierbare, modulare Plattform, die medizinische Daten wie radiologische Bilddaten, Laborwerte, Genomdaten oder Videos „erfassen, speichern, visualisieren und austauschen“ kann. Ziel sei es, auch mit Hilfe von Synedra und des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz eine souveräne, interoperable, KI-basierte europäische Cloud-Plattform für Kliniken aufzubauen, teilte der Konzern mit.

Veränderungen gibt es auch in der Geschäftsführung der Healthcare-Sparte der Telekom. Als neuer Chief Operation Officer (COO) hat Uwe Heckert das operative Geschäft der Sparte übernommen. Er berichtet an Gottfried Ludewig, der das gesamte Gesundheitsgeschäft der Telekom leitet und zudem das Geschäft mit Kunden der öffentlichen Hand.

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