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Digital-FörderprogrammNudging für den digitalen Wandel

Nicht nur der demografische Wandel stellt unser Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Auch der Strukturwandel, welcher mit „Industrie 4.0“ einhergehen wird, erfordert Anpassungen an der Finanzierungslogik des Bismarckschen Sozialversicherungssystems.

Sergey Nivens

Symbolfoto

Der demografische Wandel wird schon sehr bald drastische Folgen haben: Der große „Rentenansturm“ ist im Laufe der 2020er-Jahre zu erwarten und damit auch eine wachsende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig droht auf dem Arbeitsmarkt eine weitere Verknappung an Gesundheitsfachkräften und infolgedessen auch der Leistungen für Patienten. Zentrale Aufgabe wird es daher sein, mit weniger Fachkräften mehr hilfsbedürftige Menschen zu versorgen, ohne dass die Arbeitsbelastung dieser Fachkräfte so sehr steigt, dass sie am Ende das Interesse am Gesundheitswesen verlieren und in anderen Branchen attraktivere Tätigkeiten suchen. Der Fokus muss daher unbedingt auf arbeitssparendem technischen Fortschritt liegen.

Dabei ist die unternehmerische Gestaltungsfreiheit ein zentrales Element, um medizinischen und besonders technologischen Innovationen Zugang zum Gesundheitswesen zu ermöglichen. Die anstehenden gewaltigen Herausforderungen im Gesundheitswesen werden nämlich nicht allein dadurch gemeistert werden können, dass die Ablauf- und Aufbauorganisation der einzelnen Leistungserbringer immer weiter optimiert werden. Vielmehr werden dazu auch völlig neue, effizienzsteigernde Innovationen nötig sein, beispielsweise die Digitalisierung der Medizin, Telemedizin, künstliche Intelligenz oder auch Robotik. Da sie Zeit bis zur Marktreife brauchen, gilt es, die Digitalisierung im Gesundheitswesen frühzeitig voranzutreiben.

Deutschland braucht eine Digitalisierungsstrategie

Auch in Deutschland braucht es für das Gesundheitswesen eine breit angelegte Digitalisierungsstrategie. Im Bereich der Krankenhausversorgung ist dafür ausreichend Investitionskapital erforderlich, das jedoch aufgrund der bestehenden Investitionsförderlücke nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Zum Teil schließen die Krankenhäuser die jährliche Investitionslücke aus eigener Kraft und versuchen, Investitionen im Bereich der Digitalisierung selbst zu finanzieren. Jedoch gelingt es den Kliniken nicht, die Förderlücke gänzlich zu schließen, sodass es zu einem schleichenden Substanzabbau und zu einem zu geringen Engagement bei der Digitalisierung kommt.

Vor diesem Hintergrund hat das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit ein Gutachten zu „Stand und Weiterentwicklung der Investitionsförderung im Krankenhausbereich“ erstellt, das Ende 2017 veröffentlicht wurde. Es enthält verschiedene Vorschläge, wie die Förderlücke behoben werden kann. Dabei erfolgte auch ein internationaler Vergleich zur Investitionsfinanzierung von Krankenhäusern. Ein Fokus wurde auf die Möglichkeiten der Finanzierung des digitalen Wandels der deutschen Krankenhäuser gelegt.

Die Autoren schlagen einen „Digital Boost“ vor. Dieser sieht vor, Investitionen in die Digitalisierung gezielt durch ein zeitlich befristetes Investitionsprogramm von acht Jahren zu fördern. Ziel dessen ist, eine zeitgemäße IT-Infrastruktur und elektronische Vernetzung der Krankenhäuser zu erreichen, wie sie in manch anderen Ländern bereits existiert. Vorbild ist dabei unter anderem Dänemark, das vorsieht, dass 20 Prozent der Investitionen in neue Krankenhausstrukturen für IT und Logistik zur Verfügung gestellt werden. Bezogen auf den jährlichen Investitionsbedarf von 5,4 Milliarden Euro für Deutschland wären dies etwa 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. 

8,6 Milliarden Euro an zusätzlichen Fördermitteln

Dem Vorschlag des „Digital Boost“ folgend, würde der Bund 720 Millionen jährlich beitragen, ergänzt um eine Ko-Finanzierung der Länder von 50 Prozent auf die Bundesmittel, das heißt 360 Millionen Euro. Die Mittel sollten nur für den Ausbau der digitalen Infrastruktur der Plankrankenhäuser bereitgestellt werden. Dabei ist Voraussetzung, dass die Länder ihr bisheriges Fördermittelvolumen nicht absenken. Bei einem Förderzeitraum von beispielsweise acht Jahren ergäben sich insgesamt 8,6 Milliarden Euro zusätzliche Fördermittel. Von Seiten der Krankenhäuser in Deutschland wurde das notwendige Fördervolumen für IT-Investitionen auf rund 11 Milliarden Euro über den Zeitraum der nächsten sieben Jahre geschätzt.

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