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VernetzungRadiologische Bilddaten ohne Umwege – so funktioniert Sax‑PACS

Das Netzwerk Sax-PACS zeigt, wie Kliniken und Praxen radiologische Bilddaten schnell, sicher und digital austauschen – medienbruchfrei und mit weniger Doppeluntersuchungen für Patienten. Das sächsische System soll bundesweit ausgerollt werden.

Zwei Ärzte schauen auf Monitore mit Röntgenbildern
Gorodenkoff/stock.adobe.com
Symbolfoto

Der digitale Reifegrad deutscher Kliniken hat sich laut der zweiten Erhebung des Digitalradars Krankenhaus von 2021 zu 2024 um 27 Prozent verbessert. Trotzdem lahmt die digitale Transformation noch an vielen Stellen. Das zeigt sich etwa beim Informationsaustausch zwischen verschiedenen Fachbereichen und Institutionen. So versenden ganze 97 Prozent der Klinikbeschäftigten und 80 Prozent des Krankenkassenpersonals Informationen und Anträge im Rahmen des Entlassmanagements nach wie vor per Fax. Für eine optimale Patientenversorgung ist eine digitale und möglichst medienbruchfreie Verfügbarkeit medizinischer Informationen indes unerlässlich.

Seit Oktober 2025 sind Ärzte und Krankenhäuser verpflichtet, die elektronische Patientenakte (ePA) zu nutzen. Sie müssen dort Diagnosen, Behandlungen und Medikationen hinterlegen und damit zentral zugänglich machen. Die Daten werden auf sicheren Servern innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) gespeichert. Der klinik- und praxisübergreifende Datenaustausch findet über die entsprechenden Konnektor-Anschlüsse zur TI statt, wobei die elektronische Gesundheitskarte als Zugangsschlüssel dient. 

Das Problem dabei ist, dass aktuell Dokumente nur bis zu einer bestimmten Größe in die ePA eingestellt werden können. Dies ist für hochauflösende Bilder, etwa aus Untersuchungen wie CT, MRT und digitalem Röntgen, nicht ausreichend. Denn solche Bilddaten sind oft riesig, während die ePA ursprünglich eher für kleinere Textdokumente gedacht war. Oft wird deshalb ein PDF mit einem QR-Code in der ePA hinterlegt, der zu den eigentlichen, großen Bilddateien (DICOM-Daten) führt, die wiederum im PACS der jeweiligen Krankenhäuser gespeichert sind. 

Gerade Radiologen benötigen neben den Vorbefunden allerdings jene Bilddaten, um damit etwa bereits erfolgte Diagnosestellung nachzuvollziehen, Zweitbefundungen durchzuführen oder zu ermitteln, welche Veränderungen im Zeitverlauf entstanden sind. 

Das Problem der Bilddatenübermittlung 

„Die meisten Institutionen haben jedoch Schwierigkeiten damit, QR-Codes zu nutzen, weil die Individualität der darin enthaltenen Informationen so groß ist und so viel Manpower bindet, dass dies den praktischen Einsatz quasi unmöglich macht“, erläutert Dr. Klaus Hamm, niedergelassener Facharzt für Radiologie in Chemnitz. Auch die Bildübermittlung mit KIM, dem sicheren E-Mail-Dienst der TI, reicht hier oft nicht aus. Denn das Kommunikationssystem kann Mail-Anhänge nur bis zu 500 Megabyte versenden. „Wenn Sie eine Mammografie-Untersuchung übertragen wollen oder ein Feinschnitt-CT, etwa im Rahmen des Lungenkrebsscreenings, ist das bereits nicht mehr möglich“, so Hamm. 

Zudem ist auch diese Methode sowohl für Absender als auch für Empfänger mit erheblichem Aufwand verbunden. Zunächst müssen die entsprechenden Bilder im PACS gesucht, komprimiert, in E-Mail-Anhänge eingefügt und an die jeweilige radiologische Facharztpraxis versendet werden. Treffen sie dort ein, besteht die Gefahr, dass der Mail-Account des Empfängers blockiert wird. „Sie können dann zunächst nicht mehr weiterarbeiten, weil der Mail-Account voll ist“, moniert Hamm. Dann müssen die darin enthaltenen Bilder in einen Zwischenspeicher gelegt, dort entpackt und anschließend in das praxiseigene PACS übertragen werden, um mit ihnen arbeiten zu können. 

Derzeit führen Verzögerungen beim Austausch von Bilddaten oft zu unnötigen Doppeluntersuchungen und Kosten.

„Die CD ist zurzeit der einzige praktikable Weg, wenn zwischen den Partnern kein DICOM-Knoten vorhanden ist oder nur eine Webcode-Lösung zur Verfügung steht, die ebenfalls einen Medienbruch bedeutet. Im Zeitalter der Digitalisierung darf das nicht sein“, betont Prof. Dieter Fedders, Chefarzt für diagnostische und interventionelle Radiologie am Klinikum Chemnitz. Immerhin bestehe so die Gefahr, dass Ärzte jene Bilder zur Behandlung nicht mehr sichten, sondern sich auf Befundberichte verlassen oder zu ihrer Überprüfung eine erneute Untersuchung durchführen müssen. Diesen Umstand unterstreicht auch die Deutsche Röntgengesellschaft: „Derzeit führen Verzögerungen beim Austausch von Bilddaten oft zu unnötigen Doppeluntersuchungen, Kosten und zusätzlicher Strahlenexposition.“ 

Netzwerk statt Zentralarchiv

Um die Bilddatenkommunikation möglichst reibungslos und schnell zu gestalten, ließe sich, wie etwa in Österreich, ein zentrales Bildarchiv für sämtliche DICOM-Bilddaten schaffen, dessen Zugriff über die ePA erfolgt. Eine solche Zentralisierung lässt sich allerdings nur mit großem personellem und finanziellem Aufwand betreiben. Statt der derart doppelt redundanten Vorhaltung hat der Radiologe Klaus Hamm, kooptiertes Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Deutschen Radiologen (BDR), zum Thema Bilddatenaustausch eine einfachere Lösung erdacht, im Auftrag des BDR initiiert und vorangetrieben: Eine direkte, schnelle und medienbruchfreie Austauschmöglichkeit zwischen den einzelnen PACS aller radiologischer Leistungserbringern im stationären und ambulanten Sektor, die sowohl intersektoral als auch intrasektoral funktioniert. 

Sax-PACS

Über das Netzwerk Sax-PACS können radiologische Bilddaten – etwa aus CT, MRT und digitalem Röntgen – sicher und schnell zwischen medizinischen Einrichtungen ausgetauscht werden. PACS steht für Picture Archiving and Communication System, Sax für Sachsen, wo das Netzwerk entwickelt und erprobt wurde. Das Universitätsklinikum Dresden war neben dem Klinikum Chemnitz maßgeblich daran beteiligt, das System nutzbar für große Krankenhäuser und Maximalversorger zu machen. Neben Praxen und Kliniken kann es auch in telemedizinischen und kooperativen radiologischen Versorgungsmodellen eingesetzt werden. Das nichtkommerzielle System ist mit der bestehenden digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen kompatibel. Die erste Umsetzung erfolgt in Sachsen unter der Federführung von Dr. Hamm. Das Vorhaben wird nach den Richtlinien von eHealthSax gefördert und mit Steuermitteln des Freistaates Sachsen finanziert. Der nächste Schritt ist die Ausweitung von Sax‑PACS auf bundesdeutsche Ebene.

Unter Federführung von Dr. Hamm, Prof. Fedders und dem Klinikum Chemnitz als Maximalversorger wurde das Netzwerk „Sax-PACS“ geschaffen, das unabhängig von der jeweils eingesetzten Hard- und Software in der Lage ist, DICOM-Bilddaten direkt über die Funktion „DICOM send“ in die IT-Systeme des anfragenden Leistungserbringers zu übermitteln. Die Umsetzung des Projekts, das vom Freistaat Sachsen mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert wurde, erfolgte durch das Unternehmen Qualitäts-Ring-Radiologie, deren Alleingesellschafter der BDR ist. 

Austausch per Web-Oberfläche 

Die technische Voraussetzung für die Teilnahme ist zunächst eine standardisierte Schnittstelle in das digitale Gesundheitsnetzwerk der TI. Den Zugang zu Sax-PACS liefert eine spezielle Software, mit der sich jeder Teilnehmer einloggen kann und die Information zum einzelnen Empfangs- und Sendeknoten bekannt gibt. Das Netzwerk selbst ist eine Web-Oberfläche, deren zentraler Server in einem Rechenzentrum in Bremen steht. So lässt sich die Anwendung von jedem PC-Arbeitsplatz aufrufen. 

Der Übermittlungsvorgang ist denkbar einfach: Will etwa ein Krankenhaus Bilder an eine radiologische Praxis senden, sind dazu nur wenige Klicks nötig. „Dazu wählen Sie in der Struktur Ihres hauseigenen PACS die Bilder und Studien aus, die Sie übersenden wollen – das ist der erste Klick. Dann wechseln Sie in ein Fenster, in dem sämtliche Teilnehmer im Sax- PACS-Netzwerk aufgelistet sind, und wählen dort den Empfänger aus. Und mit dem dritten Klick drücken Sie auf den Sende-Button“, führt Hamm aus. 

Kliniken haben ein großes Interesse an dem Netzwerk, weil sie nur einen VPN-Knoten betreuen müssen – nämlich den zu Sax-PACS.

Mit dem Sendebefehl wird eine temporäre VPN-Verbindung zwischen Sender und Empfänger aufgebaut, über die die Bilder übertragen werden. Solche Bildübermittlungen lassen sich bislang meist nur über einzelne, proprietäre VPN-Verbindungen realisieren. Sax-PACS hingegen nutzt für die Vernetzung aller Teilnehmer einen zentralen VPN-Knoten. „Wenn Sie 30 VPN-Verbindungen haben, müssen Sie allein dafür einen IT-Experten beauftragen, der diese pflegt. Kliniken haben daher ein großes Interesse an dem Netzwerk, weil sie nur einen VPN-Knoten betreuen müssen – nämlich den zu Sax-PACS. Die Pflege der übrigen 29 VPN-Verbindungen entfällt“, so Fedders. 

Zudem werden die Bilddaten direkt in das PACS der Empfänger übertragen, ohne sie zuvor zwischenspeichern zu müssen. Eine derart medienbruchfreie Übermittlung entlastet Arbeitsprozesse. „Außerdem ist jeder Teilnehmer des Netzwerks mit allen anderen teilnehmenden Gesundheitseinrichtungen verbunden – wie in einem Spinnennetz. Das ist wirklich eine brillante Lösung; ich frage mich, warum noch niemand vorher darauf gekommen ist“, ergänzt Fedders. Den größten Vorteil bietet Sax-PACS allerdings Patienten, denn so werden unnötige Wartezeiten und Doppeluntersuchungen vermieden. Zudem lassen sich so Verlegungen in andere Kliniken und Weiterbehandlungen in Praxen effizienter gestalten. 

Bundesweite Anbindung 

Angesichts dieser Vorteile sind allein in Sachsen bereits 60 Anschlüsse entstanden. Hier sind, neben dem Klinikum Chemnitz, den Universitätsklinika Leipzig und Dresden, dem Städtischen Klinikum Dresden und weiteren Krankenhäusern auch diverse niedergelassene Facharztpraxen Teil des Netzwerks. Selbst ein Teleradiologie-Anbieter und die KV-Sachsen sind dabei. 

Es ist ein wichtiger Schritt hin zu einer zeitgemäßen, digital vernetzten Gesundheitsversorgung.

Sax-PACS spielt auch eine zentrale Rolle für die Gesundheitsregion Südwestsachsen, deren Hauptziel die Sicherstellung einer bedarfsgerechten und wohnortnahen Gesundheitsversorgung ist. „Mit Sax‑PACS wird Vernetzung greifbar: Radiologische Daten fließen sicher, schnell und über Sektorengrenzen hinweg. Das stärkt die Zusammenarbeit, entlastet Ärztinnen und Ärzte und verbessert die Versorgung der Patientinnen und Patienten spürbar. Für die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS) ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer zeitgemäßen, digital vernetzten Gesundheitsversorgung in Sachsen“, erklärt Friedrich München, Geschäftsführer der KGS. 

Das TI-kompatible Netzwerk hat mittlerweile sogar überregional Teilnehmer gefunden, etwa in Bremen und Thüringen. Nächster Schritt ist die Ausweitung von Sax-PACS auf ganz Deutschland. 

Direkte Download-Möglichkeit 

An einer weiteren Ausbaustufe wird in enger Abstimmung mit der Gematik ebenfalls bereits gearbeitet. Sobald es möglich ist, in der ePA medizinische Informationsobjekte (MIO) zu hinterlegen, können DICOM-Daten von sämtlichen Sax-PACS-Teilnehmern auch aktiv angefordert werden – in Form einer direkten Download-Möglichkeit aus dem jeweiligen PACS, die als „DICOM Link Exchange“ im MIO hinterlegt ist. „Wenn der Gesetzgeber es zulässt, kann dieser direkte Bilderabruf über Sax-PACS erfolgen, und zwar rund um die Uhr“, erklärt Hamm. 

Aus Kliniksicht ist das Tumorboard das entscheidende Ziel – dort geht bislang kostbare Zeit mit dem Warten auf sämtliche Bilder und Befunde verloren.

Die intersektorale und interdisziplinäre Zusammenarbeit könnte das erneut deutlich verbessern, etwa in Tumorboards. „Aus unserer Kliniksicht ist das Tumorboard das entscheidende Ziel für Sax-PACS – dort geht bislang kostbare Zeit mit dem Warten auf sämtliche Bilder und Befunde verloren“, so Fedders. Für die Anbindung an das Netzwerk müssen Einrichtungen einmalig 5000 Euro zahlen. Die monatlichen Kosten liegen bei rund 65 Euro.

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