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Uniklinik-Streik in NRW„Dass wir streiken, ist reine Notwehr“

Bei einer Pressekonferenz im Streikzelt beim Universitätsklinikum Essen informierte Verdi heute über den Stand der aktuellen Verhandlungen. Man wolle so lange streiken, bis ein Tarifvertrag Entlastung unterschrieben sei.

Warnstreik
karepa/stock.adobe.com

Symbolfoto

Im seit Monaten andauernden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen beklagen die Beschäftigten der sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen eine mangelnde Kooperationsbereitschaft und zermürbende Hinhaltetaktik der Arbeitgeber. „Die Kolleginnen und Kollegen sind entschlossen, so lange zu streiken, bis ein Tarifvertrag Entlastung unterzeichnet ist“, kündigte die zuständige Verdi-Sekretärin im Bezirk Ruhr-West, Katharina Schwabedissen, am Mittwoch (25.05.2022) bei einer Pressekonferenz im Streikzelt am Universitätsklinikum Essen an.

Nach zwei Verhandlungsrunden gebe es zumindest die grundsätzliche Übereinkunft, dass es für die sechs Universitätskliniken in Bonn, Aachen, Köln, Düsseldorf, Essen und Münster einen Tarifvertrag Entlastung geben wird, betonte Verdi. Allerdings seien noch Hindernisse zu überwinden. Es herrschten offenbar sehr unterschiedliche Auffassungen der Parteien darüber, wie die konkrete Ausgestaltung eines Tarifvertrags mit einer verbindlichen Personalbemessung für die einzelnen Bereiche aussehen solle.

„Dass wir streiken, ist reine Notwehr“, sagte eine Intensivpflegerin der Essener Uniklinik. „Niemand von uns streikt gerne. Bisher gab es aber nur leere Versprechungen der Arbeitgeber. Und ohne Streik nimmt uns niemand wahr.“ Schwabedissen betonte: „Die Streiks sind keine Freizeitbeschäftigung. Den Beschäftigten geht es darum, die Patientinnen und Patienten gut versorgen zu können, ohne selbst wegen Überbelastung krank zu werden. Wir erwarten, dass die Arbeitgeber jetzt schnell, fair und ernsthaft verhandeln.“

Streik geht in die vierte Woche

Die Beschäftigten der sechs NRW-Uni-Kliniken sind seit drei Wochen mehr oder minder dauerhaft in einem Erzwingungsstreik für einen Tarifvertrag Entlastung. Sie fordern laut Verdi verbindliche Personalbemessungen für alle Arbeitsbereiche an den Krankenhäusern und einen Belastungsausgleich für unterbesetzte Schichten.

Am 20. Mai fand nach einem abgelaufenen 100-Tage-Ultimatum und 16 Tagen Streik eine erste Verhandlung zwischen der Gewerkschaft und den Vorständen der Unikliniken statt. Einen weiteren Termin gab es am 24. Mai. Den Beschäftigen geht das alles zu langsam. Ein weiteres Treffen war laut einem Verdi-Sprecher noch nicht in Sicht. Für das Ziel der Beschäftigten gibt es auf der Arbeitgeberseite durchaus Verständnis. Allerdings fehlten am Markt weiterhin insbesondere Pflegekräfte, argumentieren sie.

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