
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und Klinikbetreiber Helios konnten sich am vergangenen Mittwochabend auf ein Ergebnis verständigen. Die rund 21 000 nicht-ärztlichen Beschäftigten der 34 Kliniken im Geltungsbereich des Helios-Konzerntarifvertrags erhalten demnach insgesamt 3,8 Prozent mehr Lohn in 24 Monaten sowie eine Corona-Prämie und im laufenden Jahr einen Corona-Entlastungstag. In den kommenden vier Wochen werden die Verdi-Mitglieder bei Helios über die Annahme des Tarifergebnisses abstimmen.
Bereits seit Anfang des Jahres rangen die Gewerkschaft und der Klinikbetreiber um einen neuen Konzerntarifvertrag. Zum Auftakt der Tarifverhandlungen am 19. Januar 2021 legte die Klinikgruppe kein Angebot vor. Das Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde vom 25. Februar lehnte die Gewerkschaft ab. Vor der dritten Runde am vergangenen Mittwoch spitzte sich der Konflikt zu. Während Beschäftige mit Protestaktionen Druck machten, kritisierte Helios die Darstellung der Verhandlungen seitens Verdi. Der Konzerntarifvertrag umfasst 34 Kliniken des Unternehmens mit 21 000 Mitarbeitenden im nichtärztlichen Dienst.
In den vergangenen Tagen fanden an einer Reihe von Helios-Standorten Proteste statt. Anlass war laut Verdi vor allem die Kündigung der Regelung zur tariflichen Pflegezulage durch Helios. Der Klinikbetreiber sieht darin keinen Grund zur Empörung. In einer Stellungnahme von Anfang März erklärte er, dass es sich bei der „Kündigung von Bestandteilen der Tarifverträge“ um ein übliches Vorgehen handle. Auch Verdi habe die Entgelttabellen zum 31. Dezember 2020 gekündigt. Zudem wolle der Klinikkonzern die Pflegezulage nicht streichen, sondern neu verhandeln.
Streit über Umverteilung von Zulagen
Nach Angaben von Helios sehe das Angebot zur Neufassung der Pflegezulage zum 1. Januar 2022 eine unveränderte Zahlung für Pflegebeschäftigte auf den Stationen in Höhe von 300 Euro, 200 beziehungsweise 100 Euro vor. Pflegekräfte im Funktionsdienst und im Herzkatheterlabor sollten künftig jeweils eine Pflegezulage in Höhe von 150 Euro erhalten. Auch für Operationstechnische Assistenten (OTA) und Anästhesietechnische Assistenten (ATA) sei eine monatliche tarifliche Zulage in Höhe von 150 Euro vorgesehen.
„Durch das Absenken der Pflegezulage für die Pflegekräfte im Funktionsdienst und die künftige Berücksichtigung der OTAs, ATAs sowie der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Herzkatheterlabor mit einer Zulage von 150 Euro erreichen wir insgesamt eine gerechtere Verteilung der Zulage,“ erläutert Corinna Glenz, Helios Geschäftsführerin Personal. Dagegen befürchtet die Gewerkschaft Verdi, dass die Zahlung durch dieses Vorgehen Pflegekräften bei Neueinstellung oder Vertragsänderung vorenthalten werden könnte.
Reallohnverlust vs. sehr gutes Entgeltniveau
Ein weiterer Streitpunkt waren die Entgeltsteigerungen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das in der zweiten Tarifverhandlungsrunde vorgelegte Angebot auch in dieser Hinsicht als mager. Bei den Verhandlungen zum Konzerntarifvertrag biete Helios nach fünf Nullmonaten Steigerungen von lediglich 1,0 Prozent im Juni 2021 und weiteren 1,4 Prozent im 1. Juni 2022, für Auszubildende jeweils plus 25 Euro im Monat. Dies entsprach laut Verdi einem Reallohnverlust. Die Gewerkschaft forderte Entgelterhöhungen von 5,5 Prozent mit einer sozialen Komponente bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und eine monatliche Erhöhung der Ausbildungsentgelte um 70 Euro.
Helios hielt dagegen, dass das Entgeltniveau im Konzerntarifvertrag bereits sehr gut sei: In den letzten zwei Jahren habe der Klinikbetreiber die Entgelttabellen für alle Beschäftigten insgesamt um 6,5 Prozent angehoben, 2020 um insgesamt 3,5 Prozent. Damit seien die Beschäftigten 2021 mit einem sehr guten Gehaltsniveau in das neue Kalenderjahr gestartet. Das unterbreitete Angebot berücksichtige das Entgeltniveau der Beschäftigten und bietet gleichzeitig eine Weiterentwicklung der Entgelte über die Laufzeit von zwei Jahren, insgesamt um 2,4 Prozent.





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