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Verdi und VivantesEinigung auf Eckpunkte für Entlastungstarifvertrag

Nachdem es vergangene Woche einen Durchbruch zwischen Verdi und Charité gab, zieht nun auch Vivantes nach. Beide Parteien einigten sich am 12. Oktober 2021 auf ein Eckpunktepapier für einen Entlastungstarifvertrag der Pflegebeschäftigten.

Einigung
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Symbolfoto

Durchbruch im Tarifstreit zwischen Verdi und dem landeseigenen Vivantes Klinikkonzern: Beide Seiten haben sich am 12. Oktober 2021 auf Eckpunkte für einen Entlastungstarifvertrag der Pflegebeschäftigten geeinigt, wie der Klinikkonzern und die Gewerkschaft mitteilten. Der endgültige Tarifvertrag soll bis Ende November ausgearbeitet werden und zum 1. Januar 2022 in Kraft treten. Der Streik der Pflegebeschäftigten werde damit beendet, teilte Verdi mit.

Wichtiger Erfolg für Verdi

Zum Durchbruch im Tarifstreit sagte Verdi-Verhandlungsführerin Heike von Gradolewski-Ballin: „Mit der Einigung auf die Eckpunkte sind wir unserem Ziel, eine nachhaltige Entlastung der Vivantes-Beschäftigten zu schaffen, einen großen Schritt nähergekommen.“ Die Einigung werde dazu beitragen, die Gesundheitsberufe attraktiver und die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherer zu machen.

"Die heutige Einigung bei Vivantes ist ein weiterer wichtiger Erfolg unserer Tarifbewegung für mehr Personal und Entlastung an deutschen Krankenhäusern", sagte Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Mit dem heutigen Ergebnis gebe es jetzt republikweit an 18 Großkrankenhäusern solche Vereinbarungen.

Vivantes-Freizeitpunkte als Belastungsausgleich

Unter anderem hätten sich beide Seiten auf konkrete Bestzungsregeln für bettenführende Stationen geeinigt. Mit der Einigung wird u.a. festgelegt, welchen Belastungsausgleich Beschäftigte erhalten, wenn sie in von der Unterschreitung der festgelegten Besetzungsregelungen betroffen waren. Dafür werden so genannte Vivantes-Freizeitpunkte vergeben: Einen Punkt bekommt beispielsweise eine Pflegefachkraft, wenn sie eine Schicht lang in Unterbesetzung arbeiten musste. Im Jahr 2022 erhalten Beschäftigte für je neun Vivantes-Freizeitpunkte eine Freischicht oder einen Entgeltausgleich von 150 Euro; im Jahr 2023 genügen dafür je sieben Vivantes-Freizeitpunkte, und im Jahr 2024 je fünf Vivantes-Freizeitpunkte.

Zudem legt der Tarifvertrag einen deutlichen Schwerpunkt auf die Förderung der Ausbildung. Neben konkreten Verbesserungen der praktischen Ausbildungsqualität, regelt Vivantes nun auch tarifvertraglich die Ausstattung aller Auszubildenden mit Notebooks zur schulischen und privaten Nutzung, die nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung übernommen werden können. Zudem erhalten alle Auszubildenden bereits im 2. Ausbildungsjahr ein konkretes Übernahmeangebot und Informationen zu den beruflichen Perspektiven im Unternehmen.

Streik bei Vivantes-Töchtern geht weiter

Der Streik bei den Tochter-Gesellschaften von Vivantes geht allerdings weiter. Hier kämpft die Gewerkschaft für eine Angleichung der Tarife an den öffentlichen Dienst. Dazu sollen die Tarifverhandlungen am Donnerstag wieder aufgenommen werden. Vermitteln soll der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Für Mittwoch, 13.10.2021, 10 Uhr, kündigte Verdi eine Kundgebung vor dem Roten Rathaus in Berlin an, zu der die Gewerkschaft mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Dabei soll nach den Worten von Verdi-Fachbereichsleiterin Gesundheit Meike Jäger an die Politik appelliert werden, sich für einen schnellen Tarifabschluss einzusetzen. Die Demonstranten wollen anschließend bis zur Zionskirche in Prenzlauer Berg ziehen.

Im Tarifstreit bei den landeseigenen Kliniken Vivantes und Charité hatte Verdi vor rund einem Monat zu unbefristeten Streiks aufgerufen. Vergangene Woche einigte sich die Gewerkschaft bereits mit der Charité auf ein Eckpunktepapier und beendete dort den Arbeitskampf zunächst.

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