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Experten-GutachtenKooperation zwischen Greifswald und Rostock verstärken

Das Gutachten zur Zukunft der Universitätsmedizinen Greifswald und Rostock wurde nun von den Experten vorgestellt.  Eine verstärkte Kooperation zwischen den Häusern sowie den entsprechenden Regionen wird empfohlen.

Plan
Gajus/stock.adobe.com

Symbolfoto

Das am 1. Juni 2022 vorgestellte Gutachten zu den Universitätsmedizinen Greifswald und Rostock empfiehlt eine verstärkte Kooperation zwischen den Häusern sowie den entsprechenden Regionen. Laut Prof. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité und Leiter der Expertengruppe, empfehle die Kommission, wie bereits berichtet, dem Land eine stärkere Konzentration von komplexen Behandlungen.

Dies sei einer der Wege, um in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern dauerhaft hochqualitative Versorgung anbieten zu können. Beispielhaft nannte Kroemer ein gemeinsames Rechenzentrum. Die Aufforderung der Kommission, einzelne Arbeitsbereiche der beiden Universitätsmedizinen enger zu­sam­­menzuführen, müsse sehr sensibel geprüft werden.

Rostock

Die Expertise geht sowohl auf Empfehlungen für übergeordnete Probleme – wie die Gründung einer Pflegeakademie, um dem Fachkräftemangel zu begegnen – ein, als auch auf standortspezifische Missstände. Kroemer zeigte sich besonders betroffen vom baulichen Zustand der inneren Medizin am Uniklinikum in Rostock, es drohen aus Sicht der Gutachter Einschränkungen des medizinischen Angebots.

Greifswald

Die Universitätsmedizin Greifswald begrüßt die Stellungnahme der Gutachterkommission „Universitätsmedizin M-V 2030“. So fiel vor allem das Fehlen einer eigenen Herzchirurgie ins Auge, es sei die einzige Uniklinik in Deutschland ohne diese Möglichkeiten. Während eine enge Kooperation mit dem privat getragenen Klinikum Karlsburg für Herz- und Stoffwechselerkrankungen vorgeschlagen wird, hält die Kommission in Rostock sogar eine Fusion mit dem städtischen Klinikum Südstadt für sinnvoll. Die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten „Helm­holtz-Institut für One Health“ (HIOH) im Bereich der Infektionsforschung sei ein Schritt in die geforderte Richtung.

Der Vorstandsvorsitzendedes UMG Prof. Uwe Reuter wertet die Analyse der Gesundheitsversorgung als klares Bekenntnis zu den beiden Universitätsmedizinen. Es beinhalte wertvolle und weitreichende Hinweise zu ihrer Weiterentwicklung. Er teilt die Einschätzung der Gutachterkommission, dass die Folgen des demografi­schen Wandels eine zentrale Herausforderung für das Gesundheitssystem sind. Die Unimedizin Greifswald verfügt über einen der wenigen Lehrstühle für Geriatrie. So werden Studierende bereits während ihrer Aus­bildung an dieses immer wichtiger werdende Aufgabenfeld herangeführt.

Beiden Häusern würde ine zentrale Rolle bei der Planung und Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in Mecklenburg-Vor­­pommern zugeschrieben, welches sich nach Ansicht der Kommission in einem tiefgrei­fen­den Wandel befinde.

Verstärkung aller vier Säulen

Alles in allem empfiehlt die Kommission, alle vier Säulen einer Universitätsmedizin zu ver­stärken, also Krankenversorgung, Forschung, Lehre und die bereits genannte regionale Versorgung. So soll die Forschung weiter strukturiert ausgebaut werden. Zwar hat die UMG die Zahl der Drittmittelprojekte in den vergangenen Jahren gestei­gert, wie Prof. Reuter betont, doch sei die Aufforderung, mehr und größe­re Förderprojekte einzuwerben, insbesondere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Europäischen Union.

Zusätzlich müsse man über komplett neue Strukturen nachdenken, innovative Koope­ra­tions­for­men finden und vielfach die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie den Krankenhäusern ganz neu denken. Die Telemedizin werde beispielsweise erheblich an Be­deutung ge­winnen, was nicht nur eine technische Entwicklung sei, sondern den Arbeitsalltag im Gesundheits­system von Grund auf verändere.

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