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Krankheits- und isolationsbedingte AusfälleHeftige Debatte um Einsatz von positiv getestetem Klinikpersonal

Wegen der momentan teils dramatischen Personalausfälle lassen einige Kliniken auch Mitarbeitende mit positivem Corona-Test an ihre Arbeitsplätze. Nach der Uniklinik Frankfurt gilt das jetzt auch für den Gießener Standort des Uniklinikums Gießen und Marburg. Für den Marburger Bund ist das schlicht „unverantwortlich“.

Universitätsklinikum Gießen und Marburg
UKGM

Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Zum wiederholten Mal in der Pandemie lasse „die Wertschätzung des Personals in den Krankenhäusern zu wünschen übrig“, klagt Dr. Jörg Focke, Vorsitzender des Bezirksverbands Gießen des Marburger Bundes (MB). In der Vergangenheit sei eine solche Ausnahmeregelung nur über eine entsprechende Sondergenehmigung des zuständigen Gesundheitsamtes möglich gewesen. „Nun wird die Bürde der Entscheidung auf den einzelnen Mitarbeiter abgewälzt“, kritisiert Focke. Beschäftigte des Universitätsklinikums Marburg und Gießen (UKGM), die positiv auf das Virus getestet wurden, sich aber selbst für arbeitsfähig erklären, dürfen demnach freiwillig arbeiten. Sie müssten durchgängig eine FFP2-Maske tragen und müssten in patientenfernen Bereichen eingesetzt sein.

„Wie sollen sie angemessen Pause machen und etwas essen und trinken?“, fragt Focke und ergänzt: „Wer glaubt, dass zusätzliche Quarantäne-Pausenräume geschaffen werden?“ Der MB Hessen warnt deshalb „vor der großen Gefahr, dass Mitarbeitende so Kolleginnen und Kollegen anstecken und der Personalnotstand damit noch verschärft wird“. Die Regelung sei auch gegenüber den Patienten unverantwortlich. Sie müssten sich darauf verlassen können, nicht durch akut infiziertes Personal behandelt zu werden.

Kritik an Landesregierung

Neben den Klinikleitungen richtet sich die Kritik des MB Hessen vor allem an die hessische Landesregierung, die dieses Vorgehen durch den „Erlass zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung in den hessischen Krankenhäusern bei quarantäne-/ bzw. isolationsbedingtem Personalausfall“ überhaupt erst ermögliche. Dieser Erlass erlaube es, Personal, dass positiv auf Covid19 getestet wurde, sich aber für arbeitsfähig erklärt, einzusetzen. Gleichzeitig lege die aktuelle Coronabasisschutzmaßnahmenverordnung (CoBaSchuV §4 Abs 3) vom 19. Juli diesen Jahres fest, dass Beschäftigte in Krankenhäusern frühestens fünf Tage nach einem Infektionsnachweis mindestens einen negativen Antigenschnelltest vorlegen müssten, bevor sie wieder arbeiten.

Der Betriebsrat des UKGM und die Gewerkschaft Verdi hätten mit Bestürzung auf die Entscheidung reagiert, schreibt die „Gießener Allgemeine“. In der Belegschaft gebe es eine „massive Unruhe“, zitiert das Blatt den Betriebsratsvorsitzenden Marcel Iwanyk. Manche Mitarbeiter würden demnach überlegen, nicht zur Arbeit zu kommen, wenn sie wüssten, dass sie mit positiven Kollegen eingeteilt seien. Verdi-Sekretär Fabian Dzewas-Rehm wird vom Hessischen Rundfunk mit den Worten zitiert: „Der Versuch des Arbeitgebers, Corona positive Kollegen einzusetzen, macht mich fassungslos.“

Auch das Uniklinikum Frankfurt, so der MB, hatte Mitte Juli die Beschäftigung von Corona-infizierten, aber arbeitsfähigen Mitarbeitenden erlaubt. Nach einer Welle der Empörung hat die Geschäftsführung dort wieder zurückgerudert. Mitarbeitende müssten nun nach einer Infizierung einen negativen Antigen-Schnelltest, aber keinen PCR-Test vorlegen. Zudem müssen sie seit mindestens zwei Tagen symptomfrei sein.

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