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MarktstudieKeine Zunahme an Klinik-Bauprojekten zu verzeichnen

Die Anzahl der Bauaktivitäten im Gesundheitswesen stagniert 2021 laut einer aktuellen Marktstudie, während sie im Vorjahr noch leicht gestiegen ist. Gründe sind Klinikzusammenschlüsse und das Verschieben von Planungsentscheidungen.

Baustelle
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Symbolfoto

Im deutschen Gesundheitswesen laufen derzeit insgesamt 1131 Neubau-, Umbau- oder Sanierungsprojekte – das sind gerade einmal 0,53 Prozent weniger als vor einem Jahr (1137): Dies ergibt sich aus der Marktstudie „Krankenhausbauprojekte in der Bundesrepublik Deutschland – 2021 und Folgejahre“ des Informationsdienstleisters Schwab Marketing. Darin werden Bauaktivitäten deutscher Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen erfasst. Der Anstieg von 2019 auf 2020 betrug dagegen 4,5 Prozent.

Dass die Veränderung der Anzahl der Projekte in diesem Jahr allenfalls marginal ausfällt, spiegelt sich laut Geschäftsführer Gerd Schifferdecker auch im Gesamtinvestitionen aller Baumaßnahmen wieder: „Es sind quasi genauso viele wie im Vorjahr, daher gibt es hinsichtlich der Summe des Investitionsvolumens aller hier dargestellten Bauprojekte keine Veränderung.“ Diese schätzt der Marktforscher auf insgesamt 25 Milliarden Euro (inklusive der Kosten für deren Einrichtungen).

Woran liegt es?

Ausschlaggebend dafür sei nach wie vor die steigende Anzahl der Klinikzusammenschlüsse, obwohl man sich angesichts der Krise aus politischen Gründen an einigen Standorten mit der Schließung von kleineren Krankenhäuser zurückgehalten habe: „Insgesamt ist eindeutig ein Fortschreiten der Zentralisierungsbestrebungen feststellbar – und ein Zusammenlegen verschiedener Betriebsstätten“, postuliert Schifferdecker.

Durch Standortschließungen und das Zusammenlegen einzelner Häuser müsse andernorts aufgestockt werden, um der dort gewachsenen Anzahl der Patienten gerecht zu werden. Auch der Zwang, sich stärker zu spezialisieren, spiele hier eine immer größere Rolle. Die jährlich aufgelegte Studie gilt als fast seismografisches Register für Bauaktivitäten im Gesundheitswesen, weil sie neben den laufenden, sowie konkret geplanten Projekten auch solche erfasst, die sich erst im sehr frühen Stadium der Vorplanung befinden. Ergänzend werden auch 201 Kliniken benannt, deren Projekte gerade abgeschlossen wurden.

Nach Schifferdeckers Beobachtungen investieren Kliniken derzeit verstärkt in Sanierungsmaßnahmen – neben Operationssälen insbesondere in eine Erneuerung von Intensivstationen. „Intensivstationen werden nach Möglichkeit aufgestockt oder Abteilungen umgewidmet, um dort Intensivbetten platzieren zu können.“ Außerdem werde immer mehr Geld in die Digitalisierung, Energieeffizienz, Brandschutz-, Gebäude- oder Medizintechnik sowie in psychiatrische, neurologische und geriatrische Abteilungen gesteckt. Auch der Modulbau übernehme einen wachsenden Anteil am Krankenhausbau.

Planungsentscheidungen vertagt

Auffällig sei allerdings, dass nach wie vor viele Planungen geschoben werden. „Viele Planungsentscheidungen wurden aufgrund der anfallenden Corona-Intensivpatienten verschoben. Bisher scheint man die Lage zwar gut im Griff zu haben, aber sollte die Deltavariante hierzulande tatsächlich stark einschlagen, dann ist alles wieder hinfällig. Dann wird es wieder darum gehen, mit der Situation klarzukommen“, so der Experte.

Hinzu komme, dass neben wachsenden Engpässen in Sachen Baumaterialien und dem Fachkräftemangel der Baubranche auch Architekten und Bauplaner zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. „Ingenieur- und Architekturbüros sind derzeit extrem ausgelastet, mittlerweile werden deshalb einzelne Projekte gar nicht erst angefangen, weil sie die Planung nicht hinbekommen. Es gibt wenige Branchen, die derzeit so gut ausgelastet sind wie die Krankenhausbaubranche. Heute werden sogar Planungsbüros verstärkt aufgekauft – nicht etwa wegen der Expertise, sondern weil Konkurrenzunternehmen einfach deren Ingenieur-, Architekten- und Planer-Personal benötigen.“, so der Marktforscher.

Was die Bauaktivitäten der einzelnen Bundesländer betrifft, hat Bayern die Nase vorn, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Das Gesamtvolumen im zweistelligen Milliardenbereich wird laut Schifferdecker weiterhin durch die überdurchschnittlich starke Investitionsfreudigkeit privater Klinikketten getrieben.

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