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MedibusMobile Praxis versorgt Ukraine-Flüchtlinge in Berlin

Ein Projekt von Ärzt*innen und Medizinstudierenden will dazu beitragen, die momentanen Engpässe in der medizinischen Versorgung zu schließen. Geflüchtete können in Berlin in einer mobilen Arztpraxis – dem Medibus – behandelt werden.

Arzt mit Handschuhe
Lenetsnikolai/stock.adobe.com

Symbolfoto

Ab sofort fährt ein ähnlich wie eine Arztpraxis augestatteter Bus zwei Mal in der Woche zu Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften sowie bei Bedarf an andere Orte in Berlin. Mit dem Ziel, Ukraine-Flüchtlingen Hilfe zu leisten haben sich Ärzte der Welt, Medizinstudierende des Vereins U-Aid und medibushelps.org von Cisco und der Deutschen Bahn zusammengeschlossen. Zusätzlich wird das Projekt von der Initiative Charité für geflüchtete Frauen: Women for Women unterstützt.

Im Medibus behandelt und berät das Team, darunter ehrenamtliche Ärzt*innen und Medizinstudierende, geflüchtete Patient*innen kostenlos und auf Wunsch anonym. Neben der medizinischen Behandlung vermitteln die Mitarbeitenden Erstorientierung, Informationen zu Gesundheitsthemen und unterstützen die Patient*innen dabei, Zugang zum regulären Gesundheitssystem zu erhalten. Der Bus ist digital vernetzt und bei Bedarf kann das Team medizinisch geschulte Videodolmetscher*innen für zahlreiche Sprachen dazuschalten.

Unbürokratische Versorgung ermöglicht

Die medizinische Versorgung von vor dem Krieg aus der Ukraine geflohener Menschen ist theoretisch geregelt – sie erhalten den Aufenthaltsstatus gemäß § 24 Aufenthaltsgesetz und haben seit dem 1. Juni 2022 Anspruch auf ärztliche Gesundheitsleistungen gemäß SGB II und XII. Beim zuständigen Sozialamt des Bezirks können sie eine elektronische Gesundheitskarte sowie einen vorübergehenden Schein zur Behandlung in einer Arztpraxis beantragten. Und auch ohne Termin beim Sozialamt sollen Patient*innen dank eines Abkommens der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin unbürokratisch ärztlich versorgt werden.

Überlastete Aufnahmestrukturen als Hindernis

In der Praxis kommt es allerdings aus unterschiedlichen Gründen zu Lücken in der medizinischen Versorgung. Zu den Ursachen gehören Überlastung der Aufnahmestrukturen und Ämter, Wartezeiten für Termine und Dokumentenausstellung, fehlende Information und Orientierung im deutschen Rechts- und Gesundheitssystem, generelle Engpässe in der fachärztlichen Versorgung von Frauen und Kindern sowie Sprachbarrieren. Zudem führt die aktuelle Mehrbelastung des Gesundheits- und Asylsystems dazu, dass Geflüchtete aus anderen Ländern schlechter versorgt sind als zuvor.

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