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PatientensicherheitNiedersachsen macht Stationsapotheker an Kliniken zur Pflicht

Werden viele verschiedene Medikamente eingenommen, können gefährliche Wechselwirkungen oder auch Fehler auftreten. Niedersächsische Krankenhäuser müssen deshalb ab diesem Jahr Stationsapotheker zur Verfügung stehen, um für mehr Patientensicherheit zu sorgen.

Tabletten
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Als erstes Bundesland hat Niedersachsen Stationsapotheker in den Kliniken zur Pflicht gemacht. Die Arzneimittel-Experten stehen Ärzten und Pflegepersonal beratend zur Seite, teilte die Apothekerkammer Niedersachsen mit. Fehler im Medikationsplan sollen so vermieden werden. Im Herbst 2018 hatte der niedersächsische Landtag ein neues Krankenhausgesetz beschlossen und darin unter anderem die verpflichtende Einführung der Stationsapotheker spätestens im Jahr 2022 festgelegt.

Auslöser war eine Serie von Patientenmorden in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Der ehemalige Pfleger Niels Högel  wurde im Juni 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen 85 Morden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zischen 2000 und 2005 hatte er seine Opfer an den beiden Kliniken mit Medikamenten zu Tode gespritzt. Dies fiel auf, da wenn Högel im Dienst war, der Verbrauch bestimmter Medikamente steig. Die Verabreichung erfolgte ohne medizinische Indikation.

Einsatz-Umfang und -ort in Händen der Kliniken

Voraussetzung für den Einsatz als Stationsapothekerin oder Stationsapotheker sei die abgeschlossene oder begonnene, mindestens dreijährige Weiterbildung im Fachgebiet Klinische Pharmazie, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Inzwischen hätten landesweit 212 Apothekerinnen und Apotheker diese abgeschlossen, 114 seien noch in der Weiterbildung. Die Krankenhausträger bestimmten selbst, in welchem Umfang und auf welchen Stationen die Expertinnen und Experten tätig werden.

Die Stärkung der Patientensicherheit sei ein begrüßenswertes Ziel, teilte die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) mit. Allerdings sei der Gesetzgeber mit der verpflichtenden Einführung der Stationsapotheker über dieses Ziel hinausgeschossen. Die Kosten blieben allein an den Kliniken hängen, kritisierte die NKG.

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