
Für zwei große Krankenhäuser in Potsdam hat die Krankenhausreform Abteilungsschließungen zur Folge: Ab August wollen sich das kommunale Klinikum Ernst von Bergmann (EvB) und das St. Josefs-Krankenhaus der Alexianer jeweils von zwei Bereichen trennen und die entsprechenden Leistungen nicht mehr parallel anbieten.
Im EvB geht es um die Orthopädie und die Gefäßchirurgie. Diese werde das Klinikum künftig nicht mehr vorhalten, wie es in einer Mitteilung ankündigt. Es seien zwölf ärztliche Stellen betroffen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Sofern es keine „alternativen Einsatzmöglichkeiten“ gebe, komme es zu Entlassungen. Als Grund für die Streichung wird eine Neuausrichtung wegen der bundesweiten Krankenhausreform genannt. „Nicht jedes spezialisierte medizinische Angebot kann künftig dauerhaft an jedem Krankenhausstandort vorgehalten werden“, erklärte das Haus.
Als kommunaler Schwerpunktversorger müsse das EvB die medizinischen Angebote so aufstellen, „dass sie langfristig den Anforderungen der Krankenhausreform entsprechen“, sagt Tomislav Gmajnic, der Sprecher der EvB-Geschäftsführung. Die Entscheidung, orthopädische und gefäßchirurgische Leistungen am Klinikum künftig nicht weiter bereitzuhalten, sei „ausdrücklich keine Bewertung der Arbeit der Teams“.
St. Josefs will Neurologie und Geburtshilfe schließen
Auch das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus Potsdam reagiert auf Vorgaben der Krankenhausreform. Die Klinik kündigte an, sich zum 1. August aus den Bereichen Neurologie sowie Frauenheilkunde und Geburtshilfe zurückzuziehen. Die Patienten der Geburtsklinik will künftig das EvB übernehmen.
„Die neuen gesetzlichen Anforderungen führen dazu, dass medizinische Leistungen künftig stärker konzentriert werden müssen, um die vorgegebenen Qualitätskriterien dauerhaft erfüllen zu können“, sagt Alexianer-Regionalgeschäftsführer Alexander Mommert. Rund 50 Beschäftigte sind davon nach Angaben eines Sprechers betroffen. Für Ärzte und Hebammen – sie machten etwa zwei Drittel der Betroffenen aus – gebe es derzeit keine Perspektive für eine weitere Beschäftigung. Für Pflege- und Funktionspersonal würden Möglichkeiten in Partnerkliniken ausgelotet.
Das St. Josefs-Krankenhaus und die Oberlinklinik in Potsdam, die, wie berichtet, ab dem 1. Januar 2027 mehrheitlich zu den Alexianern gehört, wollen sich unter anderem auf Chirurgie, Innere Medizin, Gefäßmedizin und Orthopädie konzentrieren und diese Leistungen weiter ausbauen, so Mommert. Zum Verbund der Alexianer in Potsdam gehört außerdem das Evangelisches Zentrum für Altersmedizin.
Online-Petition
Die angekündigte Schließung der Geburtstation am Alexianer St. Josefs-Krankenhaus hat seit der Bekanntgabe am 6. Juli Enttäuschung und Protest ausgelöst. Eine Online-Petition kam bis zum Nachmittag des 7. Juli auf fast 7000 Unterstützer-Unterschriften. „Statt der Schließung brauchen wir Lösungen. Unzählige Hebammen und Ärzte stehen vor dem Aus“, hieß es in dem Aufruf zur Rettung der Geburtstation.
Folgen der Krankenhausreform
Die Entscheidungen der beiden Häuser sind nicht die ersten im Zuge der Krankenhausreform in Brandenburg. Das Krankenhaus in Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin soll Anfang 2027 schließen. Nach bisherigen Plänen soll die Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen und Krankheiten des Magen-Darm-Trakts in die Klinik Pritzwalk (Prignitz) verlagert werden, die Rettungswache soll bleiben. Zudem hat die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow (Landkreis Teltow-Fläming) angekündigt, Ende Juli zu schließen.







Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen