
Im St. Remigius Krankenhaus Opladen in Leverkusen hat es während der Hitze-Tage Ende Juni von Freitag (26.6.) bis Montag (29.6.) zwölf Todesfälle gegeben. Das bestätigte das Krankenhaus. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Köln nun ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet: Es soll geprüft werden, ob und wie viele der zwölf Todesfälle mit der Hitze zusammenhängen und ob es ein Fremdverschulden gibt, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Ermittlungen gegen bestimmte Personen gebe es derzeit noch nicht. Aktuell werde noch geklärt, in wie vielen der zwölf Fälle der zuständige Arzt eine unnatürliche Todesursache angegeben habe. Nur dann sei die Staatsanwaltschaft für die Ermittlungen zuständig, teilte der Sprecher mit.
Diese Zahl ist für ein Akutkrankenhaus mit unserem Leistungsspektrum nicht überdurchschnittlich hoch.
Zwar bestätigte das Krankenhaus auf Anfrage die Anzahl an Toten in diesem Zeitraum, eine Sprecherin betonte aber: „Diese Zahl ist für ein Akutkrankenhaus mit unserem Leistungsspektrum nicht überdurchschnittlich hoch. Einer unserer Schwerpunkte ist die Behandlung von besonders betagten Menschen, die oft mit multiplen und morbiden Erkrankungen zu uns kommen.“
Die verstorbenen Patienten hätten demnach ein Durchschnittsalter von 86 Jahren gehabt, viele seien sogar über 90 Jahre alt. „Wir stehen in engem Austausch mit den Behörden, die sich die Fälle genauer ansehen“, teilte die Sprecherin mit.
SPD stellt Antrag auf Sondersitzung
Die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag hat wegen der Berichte über die Hitzetoten einen Antrag auf eine Sondersitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales gestellt. Es solle unter anderem geklärt werden, wie die Landesregierung sicherstellt, dass sich eine solche Krisensituation nicht wiederholt.
„Die Menschen erwarten zu Recht eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle in Leverkusen und klare Antworten darauf, wie sich solche tragischen Ereignisse künftig verhindern lassen“, sagte Thorsten Klute, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Angesichts der angekündigten erneuten Hitzewelle reicht es laut Klute nicht aus, auf laufende Prüfungen und Ermittlungen zu verweisen: „Die Landesregierung muss jetzt konkret darlegen, welche Schutzmaßnahmen sie für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ergriffen hat.“
Hitzetote nicht leicht zu erfassen
Die Extremtemperaturen der vergangenen Wochen haben nach Einschätzungen verschiedener Experten auch in Nordrhein-Westfalen zu mehr Todesfällen geführt. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Uwe Janssens, der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).
Genaue Zahlen zu sogenannten Hitzetoten lassen sich nur schwer erfassen. „Dass die hohen Temperaturen Einfluss nehmen, ist unstrittig – aber in welchem Umfang ist oft unklar“, betonte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln, Alexander Lechleuthner. „Das sind keine Laborbedingungen.“
Vor allem bei Menschen, die bereits durch Faktoren wie ein hohes Alter oder Erkrankungen vorbelastet waren, lasse sich ein direkter oder indirekter Zusammenhang zwischen Todesfällen und der Hitze deshalb oft nicht eindeutig nachweisen. Auch in Todesbescheinigungen werde letztlich nicht die Hitze als Ursache des Versterbens angegeben, meinte auch Janssens. Durch den Klimawandel werde Hitze als Risikofaktor weiter zunehmen. „Wir haben mit hoher Sicherheit mehr hitzeassoziierte Todesfälle als Verkehrstote.“







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