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Nach Brand in Uniklinik BochumWarum Sprinkleranlagen Pflicht sein müssten

Es ist ein Horrorszenario: ein Brand wie in der Bochumer Uniklinik, bei dem zwei Menschen starben. Experten diskutieren jetzt über den Brandschutz in Krankenhäusern und fordern eine Pflicht für Sprinkleranlagen in allen Patientenzimmern. Risikoingenieur Thomas Nöckel bezieht in kma klar Position.

Risikomanager stehen vor einer schweren Aufgabe. Sie sollen die Entstehung von großen Schäden vermeiden, Gefahrenquellen schon frühzeitig erkennen, die Patienten über Sicherheitsmaßnahmen informieren und die Einhaltung aller Maßnahmen überwachen. Deshalb kämpfen sie an vielen Fronten: Hochwertige medizinische Untersuchungseinrichtungen in Spezialabteilungen sorgen für hohe Wertekonzentrationen, beispielsweise in der Röntgenabteilung. Neben dem Wiederbeschaffungswert muss auch bedacht werden, dass hochtechnisiertes Spezialgerät in der Regel Lieferzeiten von mehreren Monaten hat.

 

Patientenschützer fordern Sprinkler in allen Zimmern

 

Die medizinischen Geräte erfordern zudem besondere Umgebungsbedingungen mit individueller Klimatechnik. Weiterhin bestehen die Verkleidungen der hochwertigen Diagnosetechnik meist aus Kunststoff. Bei einem Brand würde dieser dazu beitragen, dass sich das Feuer schnell ausbreitet. Außerdem entwickeln sich durch brennenden Kunststoff große Mengen korrosiver Rauchgase, die sich über weite Bereiche des Krankenhauses ausbreiten und Rauchschäden verursachen.

 

Reputation ist in Gefahr

Hohe Brandlasten, bei deren Verbrennung viel Energie frei wird, finden Risikomanager auch in Zentrallagern, Bettenzentralen und Archiven. Hinzu kommen brennbare Flüssigkeiten, die zur Befeuerung von Notstromdieselaggregaten und Kesselanlagen benötigt werden, sowie brennbare Flüssigkeiten in Apotheken und in kleineren Mengen auf den Stationen. Auch brennbare Gase und verflüssigter Sauerstoff werden im Krankenhaus gelagert.

Kommt es nach einem Feuer wegen des teilweise mehrere Jahre dauernden Wiederaufbaus zu längeren Betriebsunterbrechungen, ist der daraus resultierende Reputationsverlust schwer zu kompensieren. Zudem besteht die Gefahr, dass medizinisches Fachpersonal an andere Krankenhäuser abwandert und das Ansehen des Krankenhauses nachhaltig Schaden nimmt.

All das möglichst zu verhindern, wird dadurch erschwert, dass in Deutschland der bauliche, das heißt der konstruktive Brandschutz mit festgelegten und feuerbeständig erbauten Brandabschnitten vorrangige Bedeutung hat. Im Brandfall soll das Feuer dadurch auf einen bestimmten Bereich begrenzt werden, und die Feuerwehr soll verhindern, dass es auf andere Gebäudeteile übergreift. Innerhalb der Brandabschnitte finden sich jedoch häufig große Teile mit brennbarer Konstruktion, wie brennbare Dachisolierung oder brennbare Zwischendecken und Wandverkleidungen aus Holz. Sie würden zu einer raschen Feuerausbreitung beitragen.

 

Sprinkler begrenzen das Feuer

Die Installation einer zusätzlichen Brandmeldeanlage mit Branddetektoren und direkter Verbindung zur Feuerwehr gehört in den meisten Krankenhäuser inzwischen zum Standard und wird häufig auch behördlich gefordert. Es wird daher davon ausgegangen, dass ein Brand rasch erkannt und die Feuerwehr umgehend alarmiert wird. Doch was passiert, wenn sie nicht innerhalb der geplanten kurzen Zeit eintrifft?

Für diesen Fall bieten sich automatische Brandlöschanlagen, vorrangig automatische Sprinkleranlagen, an. Neben der schnellen Detektion im Brandfall bietet eine Sprinkleranlage den Vorteil, dass ein Feuer direkt in der Entstehungsphase und am Entstehungsort kontrolliert wird. Die Ausbreitung wird dadurch sofort verhindert, und nur ein kleiner Bereich wird beschädigt.

Ein Feuer in einem Patientenzimmer mit Sprinkleranlage beispielsweise bleibt auf dieses eine Zimmer begrenzt, und der Raum kann nach einigen Tagen wieder genutzt werden. Bei einem ungesprinklerten Zimmer dagegen muss davon ausgegangen werden, dass sich das Feuer in den Flur und zumindest einige angrenzende Zimmer ausbreitet. Zusätzlich droht ein beträchtlicher Rauchschaden, der weitere Stationen beschädigen wird. Mehrwöchige Sanierungsmaßnahmen sind die Folgen.

 

Fragwürdiges Verhalten der Behörden

Der häufig befürchtete Wasserschaden durch eine Sprinkleranlage ist im Vergleich zu Wasserschäden infolge von Löschmaßnahmen der Feuerwehr sehr gering. Rund 80 Prozent aller Krankenhausbrände werden mit ein bis vier auslösenden Sprinklerköpfen erfolgreich kontrolliert oder gelöscht. Das bedeutet, dass ein entstehendes Feuer auf eine Fläche von zehn bis 40 Quadratmeter begrenzt wurde.

Dass die Behörden in Deutschland keine Installation von automatischen Sprinkleranlagen gerade in Krankenhäusern vorschreiben, ist fragwürdig. In vielen Industriebetrieben und Lagerhäusern dagegen wird ein automatischer Sprinklerschutz gefordert.

Idealerweise wird eine automatische Sprinkleranlage gleich beim Neubau eingeplant. Das ist in anderen Ländern Standard, und inzwischen gibt es auch in Deutschland die ersten Beispiele. Eine vollflächige Installation in einem bestehenden Krankenhaus ist aufwendig, sollte jedoch bei Sanierungsmaßnahmen trotzdem in Betracht gezogen werden. Beispielsweise ist es durchaus möglich, einzelne Stationen nach und nach mit einer Sprinkleranlage zu schützen. Weiterhin müssen immer mehr Krankenhäuser nachträglich mit Brandmeldern ausgerüstet werden. Dabei sollten die Kosten für die Installation einer automatischen Löschanlage zumindest geprüft werden.

Immer mehr Krankenhausbetreiber erkennen die Vorteile und haben begonnen, zumindest wichtige Teilflächen nachträglich mit Sprinklern auszustatten. Dazu zählen vorrangig die Diagnosestationen mit einer hohen Wertekonzentration und einer großen Menge Kunststoff, die Zentral- und Bettenlager, Archive und die Wäscherei.

 

Infrarotbilder zeigen "Hot Spots"

Neben automatischen Brandschutzanlagen spielen organisatorische Maßnahmen zur Schadenminimierung eine große Rolle. Gerade in Krankenhäusern, in denen rund um die Uhr Personal anwesend ist, lassen sich Notfallpläne ohne hohe Kosten einführen. Dies setzt natürlich das Interesse der Krankenhausleitung an der vorbeugenden Schadenverhütung voraus.

In einem Notfallplan sollte schriftlich festgehalten werden, welche Personen in einem Brand- oder anderen Notfall (Hochwasser, Sturm, Hagel) für verschiedene Aufgaben zuständig sind. Zu bedenken sind etwa die Organisation einer Evakuierung, Alarmierung und Einweisung der Feuerwehr und das Verschließen von Brandschutztüren. Aufgrund der Schichtarbeit im Krankenhaus ist es eventuell sinnvoll, die Aufgaben statt an eine Person an bestimmte Positionen zu binden, die rund um die Uhr besetzt sind.

Um Brände gar nicht erst entstehen zu lassen, sollte auch die Zündquellenkontrolle besondere Bedeutung haben. Alle Arten von Heißarbeiten (Schweißen, Trennschleifen, Löten) beispielsweise sollten immer kontrolliert und nur mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden. Da viele Krankenhausbrände durch Fehler an den elektrischen Anlagen ausgelöst werden, sollten diese regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Dazu besonders geeignet ist die Infrarotthermografie, die in der Industrie Standard ist. Dabei werden mit einer Infrarotkamera Fotos von wichtigen elektrischen Anlagen (zum Beispiel Unterverteilungen, Schalt- und Sicherungskästen) gemacht und von Spezialisten ausgewertet. So können „Hot Spots“ identifiziert und deren Ursachen behoben werden, bevor es zu einem Schaden kommt.

 

Gefahr durch Leitungswasser

Darüber hinaus wird mit regelmäßigen, protokollierten, internen Inspektionen dafür gesorgt, dass alle Sicherheitsmaßnahmen zu jeder Zeit aktiv sind. Bei möglichst wöchentlichen Rundgängen sollte unter anderem darauf geachtet werden, dass alle Brandschutztüren funktionsbereit und nicht verkeilt oder verstellt sind, Rauchverbote eingehalten werden und die Feuerlöscher an den dafür vorgesehenen Stellen stehen.

In Krankenhäusern werden außerdem große Mengen Kabel verlegt, deren Lage immer wieder geändert werden muss. Die dabei notwendigen Wand- und Deckendurchbrüche sollten umgehend brandschutztechnisch verschlossen werden. Jedoch finden sich vor Ort häufig unverschlossene Öffnungen. Um die Funktion der Brandabschnitte zu gewährleisten, sollte daher angestrebt werden, ein Instandhaltungsmanagement einzuführen.

Neben den Schäden durch Brände sind Leitungswasserschäden ein häufig unterschätztes Risiko. Selbstverständlich ist es auch hier am effektivsten und günstigsten, möglichen Schäden schon in der Planungs- und Bauphase entgegenzuwirken. Doch auch bei Sanierungsarbeiten kann das Risiko, beispielsweise durch Verlegung von Rohrleitungen, minimiert werden. So sollten Wasserleitungen nicht oberhalb von Diagnoseräumen mit wertvollen Geräten verlaufen, und auch Wäschereien, Toiletten oder Küchen sollten sich dort nicht befinden. Lässt sich das in absehbarer Zeit nicht umsetzen, sollte zumindest eine Schieberliste erstellt werden, in der alle Schieber in den wasserführenden Leitungen verzeichnet sind. Bei einem Leitungsschaden kann im betroffenen Bereich dann schnell das Wasser abgestellt werden.

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