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Nach Brand in Uniklinik Bochum"Klinikbetreiber reagieren halbherzig"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat nach dem Großbrand in der Bochumer Uniklinik gefordert, dass Sprinkleranlagen in allen Patientenzimmern Pflicht werden. Vorstand Eugen Brysch wirft Klinikbetreibern Halbherzigkeit vor.

"Es wird Zeit, dass den 2.000 Krankenhäusern und 13.000 Pflegeheimen selbstständige Löschanlagen gesetzlich vorgeschrieben werden", sagt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Jährlich brenne es in deutschen Krankenhäusern rund 40 Mal, Behinderten- und Pflegeeinrichtungen seien noch häufiger betroffen. "Dabei sind Tote und Verletzte zu beklagen. Oft bleiben Traumata bei den Patienten, Bewohnern, Mitarbeitern und Rettungskräften zurück", sagt Brysch: "Doch Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber reagieren ebenso halbherzig wie die Politik in den Ländern."

Sprinkleranlagen bekämpfen Entstehungsbrände frühzeitig, da sie auf Wärme oder Rauch reagieren. Sie seien heute in der Lage, "sowohl Hilfsbedürftige und Mitarbeiter zu schützen als auch die Sachschäden deutlich einzugrenzen", sagt Brysch: "Es ist absurd, dass Sachwerte in Großlagern besser geschützt sind als Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen." Dort seien die meisten Bewohner nicht in der Lage, sich selbst zu retten. Ebenso könnten schlafende Menschen den Brandrauch nicht riechen. Die Gefahr werde spät erkannt und so könnten Rettungsmaßnahmen nur mit einer Zeitverzögerung eingeleitet werden. "Da hilft es auch nicht, wenn die Rettungskräfte in der vorgegebenen Zeit vor Ort waren", kritisiert Brysch.

 

Ermittler gehen von Selbstmord aus

Die Schwerverletzten des Brandes sind mittlerweile alle außer Lebensgefahr, teilte der ärztliche Direktor Thomas Schildhauer mit. Insgesamt hatten neun Menschen schwerste Rauchvergiftungen erlitten. Bei der Suche nach der Brandursache spricht laut Polizei vieles dafür, dass eine 69 Jahre alte Patientin in ihrem Zimmer im sechsten Stock das Feuer gelegt hat, um sich umzubringen. Offiziell haben Polizei und Staatsanwaltschaft das aber noch nicht bestätigt. Die Frau sowie ein Patient im Nebenzimmer waren in den Flammen gestorben.

Das Bettenhaus mit 194 Betten, in dem das Feuer ausgebrochen war, bleibt weiter für den Klinikbetrieb gesperrt. Das stark zerstörte Dach werde abgedeckt, sagte ein Klinik-Sprecher. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere Millionen Euro. Das Universitätsklinikum Bergmannsheil mit rund 650 Betten ist eines der größten Krankenhäuser im Ruhrgebiet.

Das Feuer hatte sich am frühen Freitagmorgen in Windeseile auf die beiden darüberliegenden Etagen und das Dachgeschoss ausgebreitet. Wegen der enormen Hitze schmolzen Fenster und Möbel. Obwohl die Feuerwehr über die Brandmeldeanlage alarmiert wurde und schnell vor Ort war, hatten die Flammen schon stark um sich gegriffen. Erst gegen Mitternacht war der Einsatz abgeschlossen. Unklar blieb zunächst, warum der Brand sich so schnell ausbreiten konnte. Das Gebäude ist nach Angaben der Feuerwehr nicht einsturzgefährdet.

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