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Bilanz mit Millionen-MinusWelche Rolle spielt Sana künftig im GK-Mittelrhein?

Ergebniskorrektur in Koblenz: Nach einem Minus von fast 23 Millionen Euro im Jahr 2019 weist das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein für 2020 einen Fehlbetrag von 4,2 Millionen Euro aus. Politik und Gesellschafter ringen derweil heftig um die Zukunft des Verbunds.

Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein
Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

Für das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (GKM) endete das Geschäftsjahr 2020 mit einem Minus von rund 4,2 Millionen Euro. 2019 hatte der Konzernjahresfehlbetrag noch bei knapp 23 Millionen Euro gelegen. Die deutliche Ergebnisverbesserung erkläre sich im Wesentlichen durch buchhalterische Sondereffekte im Jahr 2019, die sich in dieser Ausprägung nicht jährlich wiederfänden, erklärte das Unternehmen auf Anfrage von kma. Zudem seien „verschiedene Wirtschaftlichkeitspotenziale“ realisiert worden, „welche trotz der massiv belastenden Corona-Pandemie Wirkung zeigten“. Die finanzielle Situation der einzelnen Krankenhäuser werde nicht separat beurteilt, heißt es in Koblenz.

Der Maximalversorger, der konzernweit mehr als 4100 Beschäftigte zählt, ist 2014 aus der Fusion von fünf Krankenhäusern mit zusammen 1323 Betten entstanden. Zum Unternehmen gehören Kliniken in Koblenz (Kemperhof und Evangelischer Stift St. Martin), Mayen (St. Elisabeth), Boppard (Heilig Geist) und Nastätten (Paulinenstift). Im vergangenen Jahr wurden fast 154 495 Patienten versorgt, davon 105 406 ambulant. Neben den Krankenhäusern zählen Reha- (Rehafit) und Senioreneinrichtungen (Seniocura), der ambulante Pflegedienst Stiftmobil sowie das Bildungs- und Forschungsinstitut zum Konzern.

Die Zeichen stehen auf Privatisierung

Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein ist seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten. Mehrfach mussten die Gesellschafter Geld nachschießen, und seit März 2020 ist die Sana Kliniken AG mit dem Management betraut. Stimmrechtlich hat die öffentliche Hand das Sagen im Unternehmen. Der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Koblenz halten zusammen 53 Prozent der Anteile. Weitere Gesellschafter sind vier Stiftungen, bei denen der Rest der Anteile liegt – die Stiftung Evangelisches Stift St. Martin, die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Boppard, die Stiftung Seniorenhaus zum Heiligen Geist Boppard und die Diakoniegemeinschaft Paulinenstift Wiesbaden.

Über die Zukunft des Unternehmens wird auf politischer Ebene heftig diskutiert. Neben einer Privatisierung und der Mehrheitsbeteiligung von Sana ist auch davon die Rede, das Mayener St. Elisabeth-Krankenhaus aus dem Verbund herauszulösen und fortan in kommunaler Trägerschaft zu führen. Schon Anfang Juni berichtete die Gewerkschaft Verdi von Gerüchten, dass eine Übernahme durch Sana absehbar sei. In dem Zusammenhang wurde von einer Deckungslücke von mehr als sieben Millionen Euro gesprochen. Lokale Medien berichteten, für das laufende Jahr werde mit einem Minus von rund 13 Millionen Euro gerechnet. Von Seiten des Klinikums heißt es auf Anfrage von kma, derzeit könne noch keine sichere Prognose getroffen werden, „da diese maßgeblich von den Effekten der Pandemie abhängt“.

Die politischen Diskussionen mögen die GKM-Verantwortlichen nicht kommentieren. Die Gesellschafter hätten die Sana Kliniken AG mit dem Management der fünf Krankenhäuser sowie ihrer verbundenen Unternehmen beauftragt, heißt es in Koblenz. Für das GKM „eine tragfähige und vor allem nachhaltige Lösung zu erarbeiten“, müsse jetzt das Gebot der Stunde sein.

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