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RWI-StudieWeniger Aufenthalte durch Krankenhausschließungen

Eine Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigt auf, welche Effekte Krankenhausschließungen auf die Bevölkerung in der Umgebung haben. Zentrale Erkenntnis: Die Rate der Krankenhausaufenthalte sinkt.

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Symbolfoto

Die Auswirkungen der Schließung von18 Kliniken in Deutschland in den Jahren zwischen 20215 und 2018 hat das RWI analysiert. Hieraus geht hervor, dass sich nicht nur die Anfahrtszeit zum nächst gelegenen Krankenhaus für die Patienten und Patientinnen steigt, sondern sich auch die Rate der Klinikaufenthalte verringerte. Sieben der Krankenhäuser waren dabei vor ihrer Aufgabe in öffentlicher Trägerschaft und neun in privater gemeinnütziger Hand. Bei den zwei weiteren handelte es sich um private, gewinnorientierte Häuser.

Fahrzeiten steigen

Durch die Aufgabe der Kliniken verlängerte sich für rund 700 000 Menschen in Deutschland die Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus. Im Durchschnitt dauerte die Fahrt mit dem Auto etwa sieben Minuten länger. Rund drei Viertel der Betroffenen benötigte nach der Schließung weniger als zehn Minuten länger zum nächsten Krankenhaus. Für rund zehn Prozent der von einer Krankenhausschließung betroffenen Bevölkerung erhöhte sich die Fahrzeit dagegen um mehr als 20 Minuten und fast 17 500 Personen brauchen laut Studie über 30 Minuten zum nächsten Krankenhaus.

RWI-Gesundheitsökonomin Anne Mensen: „Angesichts des Personalmangels im Gesundheitswesen und der alternden Bevölkerung ist die Zusammenlegung von Kliniken in vielen Fällen eine wichtige Maßnahme, um die Effizienz zu erhöhen und eine personelle Mindestbesetzung zu gewährleisten. Zudem kann die Schließung kleiner Kliniken zu einer besseren Behandlungsqualität führen, da die Patientinnen und Patienten stattdessen in Kliniken mit stärker spezialisiertem Personal behandelt werden können“. Sie betont, dass laut Gesetz ein Versorgungsrisiko bestehe, wenn nach einer möglichen Schließung eines Krankenhauses mehr als 5000 Menschen mehr als 30 Minuten brauchen, um das nächstgelegene Krankenhaus zu erreichen. In diesem Fall erhalte das Krankenhaus finanzielle Leistungen zum Ausgleich des strukturell bedingte Defizits.

Einwohner*innen, die direkt von der Schließung betroffen sind, weil sich die Fahrtzeit zum nächsten Krankenhaus verlängert, würden im ersten und zweiten Jahr nach der Schließung mit 2,1 Prozent bzw. 3,2 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit ins Krankenhaus eingeliefert als Einwohner in Kontrollregionen. Gerade bei älteren Einwohner*innen seien die Ergebnisse signifikant.

Kapazitätenkonzentration führt zu reduzierter Aufenthaltsdauer

Die Schließungen reduzierten zudem die Krankenhausaufenthalte in der betroffenen Bevölkerung. Bei Personen, für die sich die Fahrtzeit zum nächsten Krankenhaus verlängerte, sank die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Jahr nach der Schließung mindestens einmal in einem Krankenhaus behandelt wurden von knapp 15 Prozent um gut 0,3 Prozentpunkte im Vergleich zu nicht betroffenen Personen. Im zweiten Jahr nach der Schließung sank die Wahrscheinlichkeit um knapp 0,5 Prozentpunkte. Das entspricht einer Reduktion um gut zwei bzw. drei Prozent.

Die Daten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob die wegfallenden Krankenhausaufenthalte auch dringende Fälle betreffen. In diesem Fall könnten die Schließungen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko in der betroffenen Bevölkerung bedeuten. Sollten die wegfallenden Krankenhausaufenthalte hauptsächlich Patientinnen und Patienten mit leichten Erkrankungen betreffen, die stattdessen ambulant behandelt werden können, würde dies für eine effizientere Gesundheitsversorgung mit tendenziell besserer Versorgungsqualität infolge der Schließungen sprechen.

Damit auch für ältere und weniger mobile Menschen eine angemessene Versorgung gewährleistet ist, müssten Krankenhausschließungen jedoch sorgfältig geplant werden und mit Konzepten zur Ausweitung der ambulanten Versorgung einhergehen, so Mensen.

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