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Vorstellung des StrategiekonzeptsBekommen Wertachkliniken bald Klinikneubau?

Die Gutachter der Oberender AG plädieren für eine „Zentralisierung der stationären Gesundheitsversorgung“ an den Wertachkliniken und einen Klinikneubau im südlichen Landkreis. So soll der Erhalt gesichert werden.

Plan
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Symbolfoto

Im Landkreis Augsburg haben die mit dem Strategiekonzept für die Zukunft der Wertachkliniken betraute Krankenhausberatung Oberender AG und die Stadtratsgremien aus Schwabmünchen und Bobingen sowie der Augsburger Kreistag über die Gutachten-Ergebnisse beraten. Dieses besagt, dass aufgrund mangelnden Krankenhauspersonals aktuelle Doppelvorhaltungen nicht wie bisher aufrechterhalten werden können. Auch die geringe Größe der Standorte in Bobingen und Schwabmünchen würde die Entwicklung der Wertachkliniken-Krankenhausstruktur beeinträchtigen. 

Es sei daher klar die Errichtung eines Klinikneubaus an einem noch zu findenden Standort im Bereich der B17 zu empfehlen, so die Gutachter. Die Berechnungen legen nahe, dass hier eine zentralisierte stationäre Versorgung ein Krankenhaus mit bis zu 245 Betten sehr gut auslasten würde. Dies würde folgende Vorteile mit sich bringen:

  • Doppelstrukturen auflösen
  • Abläufe und Strukturen optimieren
  • Interdisziplinarität steigern
  • Medizinische Möglichkeiten erweitern
  • Patientensicherheit und -komfort erhöhen
  • Universitäre Maximalversorgung, stationäre Grund- und Regelversorgung und ambulante Medizin besser vernetzen.

Klinikvorstand Martin Gösele zeigt sich hiervon nicht überrascht und sieht akuten Handlungsbedarf angesichts der aktuellen Situation auf dem Gesundheitsmarkt. Eine solche Veränderung sei jedoch nicht über Nacht umgesetzt. Vielmehr geht er von einem Zeithorizont zwischen sieben und zehn Jahren für die Umsetzung des Vorhabens aus.

Wohnortnahe, stationäre Krankenhausversorgung hat Prio 1

Für den Klinikneubau spricht laut Gutachten auch die aktuell günstige Situation, eine umfassende Förderung durch den Freistaat Bayern zu erhalten. Es könnte
demnach mit einer hohen Förderquote gerechnet werden, heißt es. Wirtschaftliche Belange werden jedoch bei der klinischen Versorgung keine vordergründige Rolle spielen, stellt Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller klar: „Unser vorrangiges Ziel ist es, dass im südlichen Landkreis weiterhin eine wohnortnahe, stationäre Krankenhausversorgung besteht, die einem hohen medizinischen Standard gerecht wird“, so Müller. Neben der stationären Versorgung sollten Müller zufolge auch die anderen im Gutachten beschriebenen Chancen wahrgenommen werden: „Dazu gehört, dass wir unser ambulantes Angebot erweitern, Reha- und Therapiemöglichkeiten sowie umfassende Pflegeangebote schaffen. Wir brauchen eine medizinische Pflegeversorgung in einer bettenführenden Einheit und eine erweiterte und für die Zukunft gesicherte Versorgung in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten“, erklärte er.

Auch zur Frage, ob eine der beiden Trägerstädte in Zukunft als alleiniger Standort geeignet wäre, äußerten sich die Gutachter. Ihnen zufolge sei dies nicht der Fall, da sie einerseits zu klein als anderseits auch einer Kernsanierung bedürften. Ebenso bliebe eine erhebliche Erweiterung nicht aus, was mit massiven Einschränkungen in die Infrastruktur bei laufendem Betrieb einhergehen würde. Unter anderem die OP-Abläufe wären extremen Einschränkungen unterworfen und würden Patient*innen wie Mitarbeiter zu große Belastungen aufbürden. Aufgrund negativer Auswirkungen auf das Betriebsergebnis der Wertachkliniken raten die Gutachter deshalb hiervon ab.

Wie geht es weiter?

Die Herausforderungen der kommenden Jahre sind vielfältig:

  • Fachkräftemangel
  • Doppelstrukturen
  • Spezialisierung in großen Zentren
  • Ambulantisierung
  • steigende gesetzliche Anforderungen an klinische Strukturen
  • demographischer Wandel
  • Ansprüche der Arbeitnehmer*innen an Attraktivität des Arbeitsplatzes etc.

Allen Herausforderungen stünden seitens der Wertachkliniken klare Grenzen gegenüber. Doppelstrukturen seien in der aktuellen Konstellation nicht vermeidbar; gleichzeitig wäre es nicht möglich, die Leistungen der Krankenhäuser weiterzuentwickeln, weil diese durch die suboptimale Infrastruktur sowie durch den massiven Personalmangel dauerhaft limitiert seien. Hinzu komme die permanent hohe Dienstbelastung der Mitarbeitenden. Darüber herrschte auch im Verwaltungsrat der Wertachkliniken Einigkeit: „Oberender hat in ihrem Gutachten sehr detailliert analysiert und sehr schlüssig eine klare Empfehlung abgegeben. Der Handlungsbedarf ist unstrittig“, erklärt der Verwaltungsratsvorsitzende und Kreisrat Norbert Krix.

Im Zuge der Empfehlung für einen Klinikneubau schlägt das Oberender-Gutachten auch eine Nachnutzung für die beiden aktuellen Standorte Bobingen und Schwabmünchen vor, welche insbesondere auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte miteinbeziehen soll. Beispielsweise die Etablierung eines Gesundheitszentrums in Schwabmünchen und ein ambulantes Angebot in Bobingen. Alle Verfahrensschritte und weiteren Entscheidungen obliegen nun den Gremien der Trägerstädte sowie dem Augsburger Kreistag. Hier müssen die Weichen für die Umsetzung der Empfehlungen des Strategiekonzepts gestellt werden.

Aufgabe wird es zum Beispiel sein, die Abstimmung mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium zu intensivieren, um alle krankenhausplanerischen Voraussetzungen erfüllen zu können. Ebenso müssen die Bedingungen für eine umfangreiche Investitionsförderung durch die Bayerische Staatsregierung erfüllt werden. Des Weiteren muss ein zukunftsfähiger Standort für einen Klinikneubau gefunden werden. Dieser sollte sowohl für die Mitarbeitenden als auch für Patientinnen und Patienten unkompliziert erreichbar sein und attraktive Rahmenbedingungen für zukünftiges Personal bieten. Für die Nachnutzung der Gebäude in Bobingen und Schwabmünchen müssen sinnvolle Konzepte erarbeitet werden. Der Veränderungsprozess der Kliniken muss für alle Mitarbeitenden sinnvoll aufgesetzt und durchgeführt werden.

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