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Deutschland-PremiereErste Uniprofessur für Behindertenmedizin vergeben

Mit Dr. Tanja Sappok wurde an der Universität Bielefeld deutschlandweit erstmalig eine Universitätsprofessorin für Behindertenmedizin berufen. Ab Januar 2023 wird die zudem Direktorin der neuen Uniklinik für Inklusive Medizin am Krankenhaus Mara in Bethel.

Berufung von Professorin Tanja Sappok
Manuel Bünemann

Prof. Tanja Sappok (Mitte) erhielt von Prof. Dr. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld (2.v.l.) die Berufungsurkunde.

In Bielefeld wurde die W3-Professur „Medizin für Menschen mit Behinderung, Schwerpunkt, psychische Gesundheit“ besetzt. Universitätsprofessorin Dr. med. Tanja Sappok erhielt ihre Berufungsurkunde vom Rektor der Universität Bielefeld erhalten.Anfang 2023 übernimmt sie zudem als Direktorin die neue Universitätsklinik für Inklusive Medizin am Krankenhaus Mara in Bethel. Hier können Mediziner*innen in Ausbildung von Beginn an im Rahmen der Behandlung mit kognitiv beeinträchtigen oder Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung in Kontakt treten – ein Novum in der deutschen Kliniklandschaft.

Professorin Tanja Sappok (52) wechselt vom Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin ans Krankenhaus Mara nach Bielefeld-Bethel. Im KEH war die Fachärztin für Neurologie, Nervenheilkunde und Psychiatrie und Psychotherapie Chefärztin des Behandlungszentrums für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen. In dieser Funktion richtete sie 2021 als Präsidentin des Europäischen Kongresses zu psychischer Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung einen internationalen Wissenschaftskongress mit großer Bedeutung für die Verbesserung der Diagnostik und Behandlung dieser Patientengruppe aus. Als Privatdozentin lehrte die gebürtige Heidelbergerin an der Berliner Charité.

Universitätsklinik für Inklusive Medizin

„Medizin für Menschen mit Behinderungen ist bisher kein regulärer Bestandteil des Medizinstudiums an deutschen Universitäten. Im Modellstudiengang an der neuen Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld wird die Thematik erstmals mit Studienbeginn in die Lehre integriert“, erklärt Professorin Sappok. Behindertenmedizin stelle weltweit ein Randgebiet der Medizin dar und stehe wenig im Fokus der universitären Forschung. Dabei sei eine spezialisierte medizinische Ausrichtung hier besonders wichtig: „Menschen mit einer kognitiven oder schweren Mehrfachbehinderung sind häufig krank: Nahezu jeder hat mindestens eine weitere körperliche Erkrankung und etwa jeder Dritte leidet an einer psychischen Krankheit.“

Geplant sei, das Zentrum für Behindertenmedizin im Krankenhaus Mara zu einer Universitätsklinik für Inklusive Medizin weiterzuentwickeln. Das bisherige internistische und chirurgische Versorgungsangebot wird im Rahmen dessen um ein psychiatrisches Behandlungsangebot ergänzt.

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