
Der Aufsichtsrat des Zollernalb Klinikums hat Dr. Markus Benicke zum künftigen Vorsitzenden Geschäftsführer gewählt. Er tritt zum 1. Oktober 2026 die Nachfolge von Dr. Gerhard Hinger an, der nach über neun Jahren an der Spitze in den Ruhestand geht. Benicke übernimmt das kommunale Haus in einer anspruchsvollen Phase: parallel zu einem 380-Millionen-Euro-Neubau, einer Standortfusion und einem strukturellen Defizit.
Benicke (Jahrgang 1976) ist seit Februar 2025 Ärztlicher Direktor der München Klinik. Davor verantwortete er Führungsfunktionen bei den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in München sowie innerhalb der Schön Klinik Gruppe. Mehrere Jahre war er außerdem als Projektleiter im Gesundheitswesen bei der Boston Consulting Group tätig. Seine Karriere begann er als Arzt mit Facharztausbildung in Hand-, Plastischer und Rekonstruktiver Chirurgie, ergänzt durch einen MBA in Gesundheitsökonomie.
Für die Übergabe ist eine strukturierte Einarbeitungsphase im Sommer 2026 vorgesehen. Kaufmännischer Geschäftsführer Manfred Heinzler bleibt im Amt und soll gemeinsam mit Benicke Kontinuität sichern.
Neubau und finanzielle Lage
Wenn Benicke am 1. Oktober antritt, steht er auf einer aktiven Baustelle. Auf dem Areal Firstäcker bei Balingen-Dürrwangen wurden bereits im Dezember 2025 vorbereitende Ausgleichsmaßnahmen begonnen, im Frühherbst 2026 folgen Erdarbeiten und Rohbau. Bis 2030 soll das Zentralklinikum die heutigen Standorte Balingen und Albstadt ersetzen. Die Gesamtinvestition liegt aktuell bei 380 Millionen Euro, rund 28 Millionen mehr als noch Anfang 2024 kalkuliert.
Das baden-württembergische Sozialministerium hat das Projekt zuletzt mit einer zweiten Planungsrate über 9,5 Millionen Euro unterstützt. Zusammen mit der ersten Rate aus 2023 summieren sich die bisherigen Landesmittel somit auf 15,5 Millionen Euro. Die entscheidende Förderzusage für die Bausumme steht jedoch weiterhin aus. Eine Entscheidung wird für 2026 erwartet und damit voraussichtlich in Benickes erste Amtsphase fallen. Angespart sind bislang 23 Millionen Euro Eigenmittel, die verbleibende Finanzierungslücke muss über Kredite des Landkreises geschlossen werden.
Parallel zum Großprojekt erbt Benicke ein wirtschaftlich angespanntes Haus. Laut Jahresbericht 2024 schloss das Klinikum mit einem Jahresfehlbetrag von 13,58 Millionen Euro ab (2023: 13,78 Millionen Euro), der jeweils vom Landkreis ausgeglichen wurde. Bei Erlösen aus Krankenhausleistungen von 101,8 Millionen Euro standen allein 92,1 Millionen Euro Personalaufwand gegenüber.





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