Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Dr. Sidra Khan-Gökkaya

Für eine vorurteilsfreie Arbeits- und Unternehmenskultur setzt sich die Integrations- und Anti-Rassismus-Beauftragte des UKE, Dr. Sidra Khan-Gökkaya, ein. Bei ausländischen Fachkräften sind ihr eine nachhaltige und strukturelle Integration noch zu wenig im Fokus.

Dr. Sidra Khan-Gökkaya
UKE/Composed by Thieme

Dr. Sidra Khan-Gökkaya, Beauftragte für Migration, Integration und Anti-Rassismus im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Mein Arbeitstag ist sehr abwechslungsreich, weil meine Zielgruppen sehr unterschiedlich sind: Mitarbeitende, Studierende, Patientinnen und Patienten; Menschen aus dem Ausland, Menschen mit und ohne (familiärer) Migrationsgeschichte, die alle ganz individuelle Anliegen mitbringen. Im Alltag berate und unterstütze ich meist einzelne Mitarbeitende, Teams und Führungskräfte zu interkulturellen und rassismuskritischen Anliegen. Ich gehe aber auch proaktiv auf die einzelnen Bereiche zu und stelle z.B. in Form von Vorträgen Wissen zur Verfügung. Dabei gehe ich auch in den Austausch mit den Teams und frage nach, was für sie rund um die Themen Migration, Integration und Anti-Rassismus (v.a. im Kontext Arbeitsplatz) relevant ist, um sie gezielt unterstützen und in der Kompetenzentwicklung zu begleiten. Darüber hinaus bin ich viel in Arbeitsgruppen aktiv und bringe dort eine migrationswissenschaftliche und rassismuskritische Perspektive ein. Derzeit erhalte ich viele Anfragen von zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, die großes Interesse an meiner Arbeit haben – daher gehören die Vernetzung und der Austausch ebenso zu meinen alltäglichen Aufgaben. So ergibt sich ein sehr vielfältiges Aufgabenportfolio.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Als Integrations- und Anti-Rassismusbeauftragte ist es mein Ziel, eine gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen zu erreichen und eine vorurteilsfreie Arbeits- und Unternehmenskultur zu fördern. Für diese Werte stehe ich auch persönlich und setze mich, wo auch immer ich Vorurteilen begegne, ob im privaten Umfeld, im öffentlichen Raum oder am Arbeitsplatz, für Offenheit, Vielfalt und Respekt ein.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Wir sprechen zurecht viel vom Fachkräftemangel und der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte. Wir sprechen aber noch viel zu wenig darüber, wie ihre Integration strukturell und nachhaltig gut gelingen kann. Das fängt damit an, sich zu fragen, was brauchen beide, die zugewanderten und nicht-zugewanderten Mitarbeitenden, damit sie sich mit der veränderten Situation wohlfühlen können und die Zusammenarbeit gut gelingt. Auf einer zweiten Ebene muss es aber auch um das Team gehen: mit welchen Ressourcen muss das Team ausgestattet sein, damit die Einarbeitung gewährleistet ist, welche Einarbeitungskonzepte gibt es und wie können Herausforderungen im Team konstruktiv angegangen werden? Letztlich geht es auch darum, welche Unterstützungsstrukturen eine Einrichtung hat, um Mitarbeitenden, Teams und Führungskräften das hierfür notwendige Wissen an die Hand zu geben und sie in der Umsetzung zu begleiten. Ich denke, dass diese Themen sehr relevant für die Gesundheitsbranche sind, daher sollten wir uns noch stärker mit den dafür notwendigen Ressourcen und vor allem strukturellen Lösungen beschäftigen.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Ich habe großen Respekt davor, wie viele Berufsgruppen in einem Krankenhaus zusammenarbeiten. Ich sehe das als eine große Bereicherung und würde mir wünschen, dass wir den Blickwinkel sogar erweitern und auch aktuellere Ansätze, z.B. aus der Migrationsforschung oder der Ungleichheitsforschung mit hinzu ziehen, um z.B. Patientinnen und Patienten in ihrer Lebensrealität zu verstehen, die Behandlung darauf anpassen zu können und so die Versorgungsqualität zu verbessern.

Haben Sie ein Vorbild?

Wenn ich an Vorbilder denke, denke ich vor allem an Menschen, die trotz aller Herausforderungen jeden Tag Beeindruckendes leisten, sich gegen Ungerechtigkeiten einsetzen und Barrieren durchbrechen. Ich bin sehr froh im letzten Jahr im Rahmen meiner Tätigkeit viele solcher Kolleginnen und Kollegen im UKE kennengelernt zu haben. Einige von ihnen sind engagiert in der Integration von zugewanderten Fachkräften. Dabei nehmen sie eine ressourcenorientierte Perspektive ein und entwickeln gemeinsam Lösungen, die für alle Beteiligten zielführend sind. Und egal, wie stressig es im Alltag ist, sie zeigen Haltung und setzen sich für eine gleichberechtigte Behandlung von Mitarbeitenden sowie Patientinnen und Patienten ein. Das bewundere ich sehr und es stimmt mich optimistisch, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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