Georg Thieme Verlag KG

Klimamanagement am UKEDas Machbare im Vergleich mit der Kernaufgabe sehen

Frank Dzukowski ist Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimamanagement am UKE. Im Interview erzählt er über laufende sowie geplante Projekte und erklärt, warum man Großgeräte im Klinikum nicht einfach zum Stromsparen ausschalten kann.

Frank Dzukowski
UKE

Frank Dzukowski, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimamanagement am UKE.

 

Dr. Bike im UKE
UKE

Die Fahrradwerkstatt Dr. Bike auf dem UKE-Campus.

Im Oktober 2020 wurde die Stabsstelle Nachhaltigkeit/Klimamanagement am UKE ins Leben gerufen. Wie grün ist das UKE im Jahr 2021?

Wir befinden uns schon sehr lange auf einem „grünen Pfad“. Das Thema Nachhaltigkeit ist besonders in den Strukturen unterhalb des UKE-Vorstands sehr schlank und direkt vernetzt, was uns beweglich auf diesem Pfad bleiben lässt. Alle maßgeblichen Entscheider*innen sind schon länger mit dem Thema betraut, so dass wir bei neuen Projekten und Prozessen grundsätzlich die Nachhaltigkeit im Blick haben. Als früherer Geschäftsführer der technischen Servicegesellschaften habe ich den Vorteil eine gute Grundlage zu besitzen, um die grüne Prägung des UKE voranzubringen. Das hat mir auch zur jetzigen Position als Leiter der Stabsstelle verholfen. Ein weiterer Vorteil: ich kann nun meine ganze Zeit und Aufmerksamkeit den Projekten widmen und tue dies nicht mehr „nur“ nebenher.

Rückblick auf zwölf Monate Stabsstelle Nachhaltigkeit am UKE – Welche Projekte haben Sie konkret umgesetzt?

Wir haben am UKE in den vorausgegangenen Jahren mit einer Art grünen Orientierung gearbeitet. Eine ausführliche Nachhaltigkeitsstrategie gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unser erstes maßgebliches Projekt war also, in Zusammenarbeit mit dem Vorstand und den Führungskräften eine konkrete Strategie aufzusetzen. Ebenso haben wir erstmalig einen Nachhaltigkeitsbericht auf Basis der Struktur des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) erstellt sowie den „Carbon Foot Print“ des UKE berechnet und weitere Kennzahlen, die wir als Ausgangsdaten benötigen, um aktiv zu werden.

Als erste greifbare Handlung kann man die Umstellung auf Ökostrom im September 2021 nennen, ein signifikanter Schritt für unser großes Haus.

Das UKE hatte 2020 einen CO2-Ausstoß von etwas über 60 000 Tonnen, wie liegen Sie im Vergleich zu anderen Kliniken?

Universitätskliniken liegen im Vergleich zu Kliniken ohne Lehr- und Forschungsbetrieb immer signifikant oberhalb der durchschnittlichen Verbrauchswerte einer normalen Klinik. Die Ausstattung an den Unikliniken, zum Beispiel IT-Ausstattung oder medizinische Großgeräte wie Kernspintomografen, die sehr energielastig sind, ist einfach in einem deutlich größeren Umfang vorhanden. Und auch Forschungsgebäude bedeuten einen erhöhten Aufwand. Die Logistik auf einem großen Campus ist äußerst komplex und aufwändig, was ebenfalls zu deutlich höheren Verbräuchen führt. Am UKE gibt es zum Beispiel ein automatisches Transportsystem, welches sehr effizient ist, aber natürlich auch eine höhere Energiebelastung bedeutet als andernorts.

Die größte Emissionsquelle am UKE ist mit rund 24 Prozent die Anfahrt der Mitarbeitenden und das, obwohl schon jetzt über 30 Prozent mit dem Fahrrad zum Klinikum fahren. Welche Maßnahmen sind hier konkret zur weiteren Senkung angedacht?

Wir beschäftigen uns schon länger mit diesem Thema, deshalb ist der Anteil derer, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, bereits bei 30 Prozent. Eine Maßnahme ist zum Beispiel die Unterstützung der Mitarbeitenden mit einem jährlichen Zuschuss für unsere eigene Fahrradwerkstatt mit dem Namen Dr. Bike auf dem Campus. Aktuell sind wir aber auch in der Endphase der Etablierung eines Fahrrad-Leasing-Modells, so dass zukünftig kostenintensive E-Bikes, die den Umstieg vom PKW erleichtern, für viele attraktiv werden. Das soll vor allem die Mitarbeitenden ansprechen, die Anfahrtsstrecken über 10 Kilometer haben.

Kommen Sie selbst mit dem Fahrrad zur Arbeit?

Gerne würde ich als Vorbild dafür werben, aber ich wohne nicht im direkten Stadtgebiet. Mein Fahrtweg beträgt einfach rund 30 Kilometer, so dass ich mein Fahrrad leider nur in der Freizeit nutzen kann.

Was muss sich in den Köpfen ändern, um die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Die aktuelle Diskussion um den Klimawandel und die Reduzierung der Emissionen muss soweit in die Köpfe der Menschen, dass nicht nur im privaten Leben, sondern auch am Arbeitsplatz ganz automatisch darauf geachtet wird. Diejenigen, die bei ihrer Energierechnung zu Hause merken, dass es einen spürbaren Einfluss hat, wie man beleuchtet oder wie man mit Ressourcen im Allgemeinen umgeht, sollten damit nicht außerhalb ihrer vier Wände aufhören. Auch im Arbeitsumfeld können sie schon durch kleine Veränderungen etwas für den Umweltschutz tun.

Wir versuchen unsere Mitarbeitenden hinsichtlich des sorgsamen Umgangs mit Ressourcen über Kampagnen zu erreichen und zu sensibilisieren. Wir wollen aufzeigen, an welchen Stellschrauben man recht einfach drehen kann. Aktuell setzen wir das digitale Projekt „Klimaretter – Lebensretter“ auf, das in einem sportlichen Wettbewerb zum CO2-Sparen anregt.

Der zweitgrößte Emissions-Posten ist Strom mit 17,6 Prozent, wie wird sich hier die Umstellung auf Ökostrom ab Oktober 2021 bemerkbar machen?

Aus der Steckdose kommt für alle weiterhin Strom. Die Umstellung auf 100 Prozent zertifizierten Ökostrom soll aber den Mitarbeitenden zeigen, dass der UKE-Vorstand die Senkung des CO2-Fußabdrucks ernst nimmt. Große Maschinen, Lüftungs- und Filteranlagen sowie medizinische Großgeräte werden bei uns weiterhin einen großen Anteil des Verbrauchs ausmachen, zukünftig dann allerdings weniger schädlich.

Ein Universitätsklinikum bietet den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung und Versorgung, weshalb man beim Stromsparen das Machbare im Vergleich mit der Kernaufgabe sehen muss. Einfach Großgeräte für Diagnose und Therapie oder große Anlagen abzuschalten, um Strom zu sparen, wie man das mit manchen Stromverbrauchern zu Hause machen kann, wäre definitiv nicht mit der Kernaufgabe eines Klinikums zu vereinbaren.

Was würden Sie als erstes im UKE hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz ändern/umsetzen, wenn Finanzen keine Rolle spielen?

Ich wäre davon begeistert, wenn wir ohne finanzielles Limit sämtliche technischen Anlagen hinsichtlich Energieeffizienz auf den neuesten Stand bringen könnten. Der Austausch dieser Anlagen ist bei laufendem Betrieb schwierig, da aufgrund der räumlichen Rahmenbedingungen im Altbestand nicht 1:1 gegen neue Technologien ausgewechselt werden kann. Sämtliche Umwandlungs-, Verteil- und Bereitstellungsanlagen zu modernisieren, würde auf meiner Wunschliste somit an oberster Stelle stehen.

Ein zweites Anliegen ist die Verbesserung der Anbindung an den Nahverkehr. Es existiert bereits das Projekt, den UKE-Campus an die U5 anzuschließen (bis ca. 2030/35). Hätte ich also noch einen Wunsch frei, wäre es, diese Haltestelle schon morgen zu eröffnen. 

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!