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AuszeichnungVerleihung des Deutschen Preises für Patientensicherheit 2022

Den ersten Platz beim Deutschen Preis für Patientensicherheit sicherte sich Dr. Sarah Friederike Seiberth des LMU Klinikums München vom Promotionsprogramm Klinische Pharmazie mit dem Projekt „Renal Pharmacist“.

Konzept
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Symbolfoto

Der Deutsche Preis für Patientensicherheit geht in diesem Jahr an gleich vier praxisnahe und zukunftsweisende Konzepte im Gesundheitswesen. Die Verleihung erfolgte im Rahmen der „Nacht der Patientensicherheit“ am Ende des ersten Kongresstags der APS-Jahrestagung.

1. Platz für Dr. Sarah Friederike Seiberth (LMU München)

Mit ihrem Projekt zur Etablierung und Vernetzung der stationären pharmazeutischen Betreuung von niereninsuffizienten Patienten an vier Standorten in Deutschland konnte Dr. Seiberth den ersten Platz abräumen.

Zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) kann ein „Renal Pharmacist“ – ein*e Apotheker*in mit speziellem Fokus auf Patient*innen mit eingeschränkter Nierenfunktion – durch Medikationsanalysen renale arzneimittelbezogene Probleme identifizieren und gemeinsam mit dem Stationsarzt lösen. Dieser Service ist noch keine Regelversorgung in deutschen Krankenhäusern. Erstmals schuf das Projektteam ein Netzwerk von Renal Pharmacists in Deutschland, die sich gegenseitig fachlich und organisatorisch unterstützen.

Die Einzelprojekte sind klinikspezifisch nach dem individuellen Bedarf konzipiert worden. Durch die engmaschig vorgenommenen, strukturierten pharmazeutischen Medikationsanalysen von Risikopatienten mit Niereninsuffizienz wird ein wesentlicher Beitrag zu einer höheren patientenindividualisierten AMTS geleistet, der durch die Übernahme in Entlassbriefe sektorenübergreifend wirksam wird. Das Projekt ist ein gelebtes Beispiel enger interprofessioneller Zusammenarbeit mit dem Ziel die Patientensicherheit in dieser vulnerablen Patientengruppe zu erhöhen.

2. Platz für Dr. Winfried Alsdorf (UKE)

Die „Wissenschaftliche Arbeit: Etablierung und Validierung einer standardisierten Dokumentation der Supportivtherapie bei Chemotherapie mit hochdosiertem Methotrexat“ von Dr. Alsdorf zeigt, dass jene Chemotherapie einen wichtigen Bestandteil der Behandlung bei akuten Leukämien, Lymphdrüsenkrebs und Osteosarkomen darstellt. HD-MTX kann schwerwiegende, lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen, insbesondere wenn die notwendige Begleittherapie nicht optimal vorgenommen wird. Die Anwendung von Hilfsmitteln wie einer Checkliste und eine standardisierte Dokumentation konnten die Sicherheit medikamentöser Tumortherapien deutlich verbessern. Das überzeugte die Jury.

3. Platz für Dr. Oliver Keil, Katja Brunsmann und Dr. Christiane Beck (MHH)

Das Team von der MHH hatte sich mit der „Verbesserung der Patientensicherheit durch die Einführung eines strukturierten Team-Briefings unmittelbar vor der Einleitung einer Kinderanästhesie“ beworben. Mit dem etablierten präoperativen Anästhesiebriefing schufen sie eine Sicherheitskultur in der Abteilung, um Komplikationen zu vermeiden, die bei der Kinderanästhesie bekanntermaßen häufig durch verbale Fehlkommunikation entstehen.

Sonderpreis (Kantonsspital Baden)

Mit einer Untersuchung zu den „Auswirkungen eines 22-monatigen, mehrstufigen Implementierungsprogramms auf das Speaking-up-Verhalten in einer akademischen Anästhesieabteilung“ hatte sich das Team aus Dr. Carl Schick, Fabio Walther und Prof. Dr. Michael Heesen vom Kantonsspital Baden (Schweiz) sowie Prof. Dr. David Schwappach, Dr. Evgeniya Kornilov, Dr. Sharon Orbach-Zinger, Dr. Daniel Katz beworben. Speaking-up – also auf drohende Fehler während eines Eingriffs oder einer Behandlung aufmerksam zu machen – ist aufgrund zwischenmenschlicher und organisationaler Hürden immer noch gar nicht so einfach und wird häufig unterlassen. Im Departement Anästhesie am Kantonsspital Baden startete das Projektteam ein 22 Monate langes multimodales Programm zur Etablierung und Stärkung von Speaking-up, das im Ergebnis eine klare Verbesserung in der Einstellung zu Speaking-up und im Sicherheitsklima erbrachte.

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