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HIV-positive Kollegen willkommenDiversität ist am Klinikum Stuttgart Chefsache

Das Klinikum Stuttgart hat die Charta der Vielfalt und die Deklaration #positivarbeiten unterzeichnet. Für den Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen ist das Thema Diversity Aufgabe des obersten Managements. kma hat er erzählt, wie Wertschätzung im Krankenhaus-Alltag gelebt wird.

Vielfalt im Klinikum Stuttgart
Klinikum Stuttgart

Vielfältig erfolgreich: Mitarbeitende des Klinikums Stuttgart mit Klinikums-Vorstand Prof. Jan Steffen Jürgensen (hintere Reihe rechts), dem Leiter der Vertrauensstelle Diversity, Volker J. Schmidt (hintere Reihe, 6. v. r.), und der Personalratsvorsitzenden Beate Vacano (hintere Reihe, 5. v. l.).

Es ist erst einmal nur eine Unterschrift, gleichzeitig jedoch auch eine starke Botschaft: „Vorurteile haben hier keinen Platz“, betonte Volker J. Schmidt, nachdem Ende Juli auch das Klinikum Stuttgart offiziell die Charta der Vielfalt unterzeichnet hatte. Schmidt leitet die Vertrauensstelle Diversity am größten Krankenhaus Baden-Württembergs und sieht in der Unterzeichnung „ein gutes Signal“. Das Klinikum sei schon heute bunt und vielfältig, sagt Schmidt, „alle Mitarbeitenden verdienen gleichermaßen Wertschätzung und Anerkennung“.

In Vorstandschef Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen hat er einen Unterstützer an oberster Stelle. „Wir leben Vielfalt ganz selbstverständlich“, sagt Jürgensen im Gespräch mit kma. Das Bekenntnis zur Charta sei ein Anlass, das Thema noch einmal intensiv in den Fokus zu rücken, sich auch an anderen zu orientieren und neue Impulse aufzunehmen. Derzeit arbeiten rund 7000 Menschen aus 98 Ländern im Klinikum, sagt Jürgensen: „Das ist natürlich eine Stärke und ein riesiges Potenzial. Was uns in aller Vielfalt eint, sind Respekt, Toleranz und Teamwork für gute Medizin.“

Feier unter dem Regenbogen

Zuletzt war das Thema auch bei der großen Mitarbeiterveranstaltung, die als Dankeschön für die Arbeit für das jetzt geschlossene Impfzentrum stattfand, unübersehbar. Eine überdimensionale Regenbogenfahne war ein klares Zeichen. Genauso werde Vielfalt im Klinikalltag immer wieder thematisiert, etwa bei der Begrüßung von Auszubildenden oder bei Examensfeiern, betont Jürgensen. Auch Schmidts Vertrauensstelle werde regelmäßig vorgestellt. Zudem beteilige sich das Klinikum am Christopher Street Day (CSD) und zeige die Vielfalt des Teams in seinen Imagefilmen – „die auch einen großen Effekt nach innen haben“, so Jürgensen. Demnächst sollen bei der Mitarbeiterverpflegung zudem Rezeptideen von Beschäftigten aus unterschiedlichsten Kulturen aufgegriffen und dann entsprechend präsentiert werden.

Klare Grenzen gegen Intoleranz

Die Vertrauensstelle Diversity habe bislang „nicht viel zu tun“, versichert der Vorstandschef. Und wenn es doch zu einem Fall von Intoleranz und Diskriminierung komme, werde „relativ kompromisslos“ gehandelt, „um die Grenzen zu zeigen“ – etwa wenn ein Patient in der Notaufnahme eine schwarze Pflegerin beleidigt oder am Mittagstisch ein homophober Witz für Unmut sorgt. Die Stelle sei ein „diskreter Erstanlaufpunkt mit juristischer Kompetenz für alles, das nicht gleich beim Vorstand landen soll“, sagt Jürgensen.

Botschaft an HIV-positive Beschäftigte

Mit der Charta der Vielfalt hat das Klinikum zusätzlich die Deklaration #positivarbeiten der Deutschen Aids-Hilfe unterzeichnet. Sie setzt ein Statement für Respekt und Selbstverständlichkeit und fördert einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben. Betroffene sollen wissen, dass sie im Klinikum willkommen sind, betont Jürgensen: „Im Gesundheitswesen arbeiten einige Tausend HIV-positive Menschen. Sie werden antiviral therapiert, haben eine normale Lebenserwartung und stellen für niemanden eine Gefahr dar.“

Im Alltag habe sich der Umgang mit dem Thema normalisiert, und genau so solle es sein, sagt Jürgensen. Er nutzt die Deklaration jetzt, „um zwei, drei Formulare der Personalabteilung im Wording anzupassen“. Und wenn im Kollegenkreis doch einmal über eine vermeintliche Gefahr durch HIV-positive Menschen diskutiert wird, „ist das ein willkommener Anlass zur Aufklärung über diesen Irrglauben“.

Das Klinikum Stuttgart umfasst das Katharinenhospital, das Krankenhaus Bad Cannstatt und Deutschlands größte Kinderklinik, das Olgahospital. Die 7000 Beschäftigten, darunter 3000 Pflegekräfte und mehr als 1000 Ärztinnen und Ärzte, versorgen jährlich rund 90 000 Patienten stationär und fast 600 000 ambulant, einschließlich 100 000 Notfällen.

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