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BuchtippGreen Hospital – vom Reden ins Tun kommen

„Green Hospital“ soll als Kompendium Mut machen und den Weg in eine nachhaltige Medizin bereiten. Am Ende steht die Überzeugung, dass nachhaltige Krankenhäuser nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich besser aufgestellt sind.

Cover Green Hospital
MWV

Das Führungsteam der Universitätsmedizin Essen, das sich bislang die Digitalisierung auf ihre Fahnen geschrieben hat, geht das nächste große Thema an: Nachhaltigkeit. Dem von Prof. Jochen A. Werner, Thorsten Kaatze und Andrea Schmidt-Rumposch herausgegebenen Buch ist deutlich der Anspruch anzumerken, als Standardwerk einen Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion zum Klimaschutz in der Medizin zu geben. Im Großen und Ganzen hält das Buch was es verspricht. Es ist ein gutes Kompendium für alle Verantwortlichen im Krankenhaus, die sich einen Überblick verschaffen und das Thema Nachhaltigkeit endlich anpacken wollen.

Wo ein Wille ist, ist ein Weg

Das Buch gliedert sich in drei große Kernkapitel: eins zu Klimawandel und Gesundheit aus globaler Sicht, ein zweites – das umfangreichste – zu Handlungsfeldern und Lösungen und ein drittes zum Essener Weg. Schaut man aus dem globalen Blickwinkel, ist die Erkenntnislage klar. Das macht auch Klimaforscher Mojib Latif deutlich, Professor an der Universität Kiel: „Einen Mangel an Wissen über die Ursachen des Klimawandels und seine möglichen Folgen gibt es in keiner Weise.“ Warum das auch für das Gesundheitswesen sehr relevant ist, zeigt ein Blick nach Portugal: Dort starben infolge der Hitze bis 18. Juli nach offiziellen Angaben 1063 Menschen. Wozu das in größerem Maßstab führen kann, verdeutlichen Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Chefärztin am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Universität Augsburg und ihre Kolleginnen im Buch: „Ein globaler Temperaturanstieg nur um einen Grad könnte dazu führen, dass bis zu sechs Prozent mehr Menschen aufgrund von Hitze sterben“. Die Liste der durch den Klimawandel verursachten Krankheiten ist lang und ließe sich leider problemlos ergänzen: Allergien durch neue und hochallergene Pflanzen wie Ambrosia, Infektionskrankheiten durch mehr Zecken und Aedes-Mücken, Asthma und COPD durch Luftverschmutzung und Waldbrände...

Das zweite Kapitel widmet sich konkret den Handlungsebenen: nachhaltigen Mobilitäts- und Logistiklösungen, Energie- und Beschaffungsmanagement, Bauen, Textilien u.v.m. Im Beitrag über Ernährung arbeiten die Autoren gut heraus, wie die Verpflegung in vielen deutschen Krankenhäusern im Gegensatz zu dem steht, was nachhaltig und gesund ist. Dabei belegt ungesunde Ernährung hierzulande Platz vier der Hauptrisikofaktoren für einen frühzeitigen Tod. Wie groß die Stellschraube Klinikverpflegung ist, wird klar, wenn man liest, dass sie für 17 Prozent der Umweltwirkung eines Krankenhauses verantwortlich ist – Platz zwei hinter Wärme.

Die Leser erhalten Ideen und Tipps für die Klinikküche: vom teilweisen Austausch des Hackfleisches in der Bolognese-Sauce durch Möhren und Nüsse bis hin zur positiven Vermarktung. Als Idee im Buch: „Was spricht Sie mehr an: Veganes Gulasch oder Rauchiges Seitling-Gulasch mit Semmelknödeln und frischen Kräutern?“. Konkret sind auch die Vorschläge von Thomas Voß von den LWL-Kliniken Münster im Kapitel Erfolgsnachweise eines grünen Krankenhauses. Da entstehen Bilder im Kopf: von insektenfreundlicher Außenbeleuchtung, Solarplatten auf dem Dach, Gräserwiesen und Plätzen, an denen man sein Fahrrad oder E-Bike sicher anschließen kann.

Fazit: Die im doppelten Sinne schwere Urlaubslektüre – das Buch wiegt ein gutes Kilo – bildet alle wichtigen Aspekte ab und führt sie zusammen. An einigen Stellen wären neben den schon länger bekannten Zahlen mehr konkrete Beispiele schön gewesen, wie „Best Practices“ und originelle Ideen, die schon in der Umsetzung sind. Dennoch ist es ein gutes Buch für Führungskräfte, die noch nicht tief im Thema sind, die Zeichen der Zeit aber erkannt haben. Denn eins ist klar: Viele Kliniken müssen sich mit dem Thema dringend beschäftigen. Denn wie Prof. Dr. Eckart v. Hirschhausen es im Vorwort ausdrückt: Das Teuerste, was wir jetzt tun können, ist nichts zu tun!

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