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Kaufpreise im Gesundheitsmarkt steigen spürbar

Der Gesundheitssektor wächst – da ist es kein Wunder, dass das Interesse unterschiedlichster Anleger groß ist. Wir haben Michael Gabler, den Leiter Firmenkunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank gefragt, welche Entwicklungen er beobachtet.

Michael Gabler

Apo-Bank

Michael Gabler

„Gesundheitsanbieter im Visier der Anleger: Kapital entdeckt die Gesundheitswirtschaft“ ist Ihr Thema beim Hauptstadtkongress. Über wen sprechen wir hier? Wer ist das Kapital?

Die Investorenseite erscheint heute deutlich breiter gefächert als noch vor einiger Zeit. Nach wie vor sehen wir Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeunternehmen und die Gesundheitsindustrie – aber nicht nur. Wir erleben verstärkt, dass sich auch Finanzinvestoren oder Family Offices mit den Märkten beschäftigen und diese als Investitionsobjekt oder Anlageklasse für sich entdecken.

Wie kommt das?

Die Motivation ist sehr unterschiedlich. Wir stellen fest, dass der Markt ob seiner guten Wachstumsaussichten eine hohe Attraktivität für Anleger hat. Der Gesundheitsmarkt bietet die Möglichkeit, stabile Renditen zu generieren.

Wo liegen die Stolpersteine?

Nehmen wir beispielsweise den Pflegemarkt. Da hat jedes Bundesland eigene Regelungen, etwa was die Mindestanforderungen für die Gestaltung eines Pflegeheimes anbelangt. Zwischen den Bundesländern variiert zum Beispiel die Einzelzimmerquote. Ähnliches gibt es in fast jedem Teilbereich der Gesundheitswirtschaft. Da muss man sich auskennen, damit bei der Auswahl eines Übernahmeobjektes darauf geschaut wird, ob die Objekte alle notwendigen Bedingungen erfüllen und über eine zukunftsfähige bauliche Infrastruktur verfügen.

Wenn alles so speziell ist, warum drängen dann so viele Anleger in den Markt?

Bestimmend für die Motivation sind meist Stabilität und Langfristigkeit der Investitionen, die ich dort tätigen kann. Bei großen Verbünden, die sukzessive weitere Unternehmen und Einrichtungen übernehmen, besteht zudem die Hoffnung, dass sich Möglichkeiten ergeben, Synergien zu heben und die Konsolidierung voranzutreiben.

Geht es viel um Zusammenschlüsse?

Viele der genannten Märkte sind noch stark fragmentiert. Es gibt viele Einzelplayer und kleine Gruppen. Durch Bündelung hofft man, Größenvorteile zu nutzen. Etwa um in der Verwaltung gewisse Einsparungen vornehmen zu können oder bei einem gemeinsamen Personalmarketing. Es geht aber auch darum, die medizinische Qualität zu erhöhen und für den Patienten attraktiver zu werden.

Welche Rolle spielt dabei die Perspektive der Angestellten?

Wenn man sich Studien zu bestimmten Berufsbildern anschaut, etwa eine unserer Studien, die junge Heilberufler in den Blick nimmt, stellen wir fest, dass zunehmend der Wunsch nach Kooperation und Arbeit im Team genannt wird. In größeren Gebilden kann man diesen Wünschen eher entsprechen, weil es dort arbeitsteiliger zugeht und mehr Austausch stattfindet.

Welches Konfliktpotenzial ergibt sich aus dem steigenden Interesse?

Wir sehen einen deutlichen Anstieg von Kaufpreisen. Wenn sich mehr Interessenten um die gleichen Vorhaben bewerben, dann greifen klassische marktwirtschaftliche Regeln von Angebot und Nachfrage. Darin besteht mit Blick auf die Zukunft auch ein gewisses Gefahrenpotenzial. Die Beträge muss ich später durch Erträge refinanzieren können. Wir selbst begegnen dem dadurch, dass wir genau darauf achten, wie wahrscheinlich Wachstumsperspektiven sind.

Was bedeutet die Entwicklung für den Angestellten in der Pflege?

Das ist schwer zu beantworten. Man wird immer Positiv- und Negativbeispiele finden, egal ob ein Einzelhaus, eine Kette oder ein Investor ein Haus übernimmt. Ich kenne Beispiele, wo sich Veränderungen für Mitarbeiter positiv ausgewirkt haben. Oft gehen Zusammenschlüsse auch mit Personaleinsparungen einher. Auf der anderen Seite wissen wir alle, dass die Gesundheitsbranche sehr personalintensiv ist. Als Anleger würde ich im eigenen Interesse darauf achten, ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen. Wir sehen, dass in Verbünden durch Prozessoptimierungen gute Lösungen gefunden werden. Oft können Arbeitsplätze durch das Eingreifen eines Investors gesichert werden.

Dieses Interview ist ein Beitrag aus kma Klinik Management aktuell

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