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Hauptstadtkongress 2022Keine Einzelinteressen sondern gemeinsames Agieren

Zur Eröffnung des Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit unter dem Motto „Ein resilientes Gesundheitssystem – Mythos oder Möglichkeit?“ sprach Gesundheitsminister Lauterbach in seiner Videobotschaft die größten Baustellen an und forderte stärkere Kooperation.

Hauptstadtkongress 2022
Schmidt-Dominé/WISO

Kongresspräsident Prof. Dr. Karl Max Einhäupl und Moderatorin Sandra Berndt bei der Eröffnung des HSK 2022.

Am 22. Juni 2022 wurde der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit (HSK) unter dem Motto „Ein resilientes Gesundheitssystem – Mythos oder Möglichkeit?“ im hub27 der Messe Berlin eröffnet.

Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach hat die Verantwortlichen der deutschen Gesundheitsbranche dazu aufgerufen, stärker zu kooperieren, um auch künftig eine hochwertige Gesundheitsversorgung garantieren zu können. Es sei wichtig, nicht nach Einzelinteressen, sondern gemeinsam zu agieren, so Lauterbach in seiner kurzen Videobotschaft. Außerdem müssten wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in der Politik gehört werden. Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung sei ein Beispiel dafür.  

Der Minister kündigte zudem an, die Krankenhausversorgung künftig bedarfsgerechter zu gestalten, „indem wir Leistungen womöglich stärker ambulant einbringen“. Außerdem werde eine praxistaugliche elektronische Patientenakte „fester Bestandteil einer neuen Digitalisierungsstrategie“ sein. Nicht zuletzt gehe es auch um „langfristig attraktive Arbeitsbedingungen in den Gesundheitsberufen, vor allem in der Pflege, und es geht um die nachhaltige Finanzierung der Sozialversicherungen.“ Lauterbach: „Für die GKV-Finanzierung erarbeiten wir in der Ampel-Koalition derzeit ein Maßnahmenpaket.“

Verbesserung des Infektionsschutzgesetzes

Kongresspräsident Prof. Dr. Karl M. Einhäupl stimmte zu Beginn auf das Thema Krise als inhaltlichen Schwerpunkt der Eröffnungsveranstaltung ein: „Wir haben momentan drei Krisen zu bewältigen: Die Corona-Krise, die Klima-Krise und den Krieg in der Ukraine.  Alle drei fordern unser Gesundheitssystem auf besondere Weise heraus.“

Dr. Thomas Götz, Staatssekretär für Gesundheit und Pflege in der Berliner Senatsverwaltung, setzt auf eine Verbesserung des Infektionsschutzgesetzes: „Das Gesetz sollte ein Repertoire darstellen, um flexibel reagieren zu können, wenn das System wieder an die Belastungsgrenzen kommt“, so Götz. Dafür brauche es ein gutes Monitoring, sowie „Indikatoren wie die Hospitalisierung, die 7-Tage-Inzidenz und die ITS-Belegung“. Zudem sollten Maßnahmen wie zum Beispiel die Anweisung in Innenräumen Masken zu tragen, zumindest möglich sein. Götz: „So wie das Infektionsschutzgesetz jetzt gestrickt ist, sind wir zu sehr eingeengt.“

Weiterhin die Ukraine unterstützen

Zu der Krise in der Ukraine äußerte sich der ukrainische Gesundheitsminister Viktor Liashko in einer bewegenden Videobotschaft: „Mehr als 700 medizinische Einrichtungen wurden bis heute in der Ukraine angegriffen, davon 115 komplett zerstört. In vielen Gebieten gibt es keinen Zugang zu medizinischer Versorgung“, so der Minister. Deutschland sei bereits sehr engagiert, und könne der Ukraine weiterhelfen, etwa durch Material oder durch Zugang zu Technologie. Die Ukraine sei offen für jegliche Form der Kooperation – sei es, um das Gesundheitssystem insgesamt wiederherzustellen, oder auch im Kleinen, etwa durch „Coaching“ einzelner Krankenhäuser oder deren Abteilungen.

Dr. Amy Neumann-Volmer, Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, berichtete über ihren Einsatz in der Ukraine. So werde vor allem „Nachschub an Medikamenten und OP-Material“ gebraucht. Gleichzeitig würden sich die Mitarbeitenden vor Ort um viele Menschen kümmern, die zu alt oder zu krank seien, um aus dem Land zu fliehen, und die unter chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes leiden würden.

Gaß zur geplanten Krankenhausreform

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sprach auf dem Stand der Alexianer zum Thema „Was die geplante Reform der Bundesregierung von Krankenhausstrukturen und -vergütung für die Krankenhäuser bedeutet“. Aus seiner Sicht werde die Politik dem Ernst der Lage nicht gerecht. Die Krankenhäuser bräuchten Liquidität und Budgetsicherheit. „Da stehen viele Häuser im Moment blank da“, sagte Gaß. Die verschiedenen Wellen der Pandemie und jüngst die anziehende Inflation, die enorme Kostensteigerungen für die Krankenhäuser mit sich bringt, hätten laut Gaß in die jetzige Situation geführt. Diese sei „extrem herausfordernd“. „Die Krankenhäuser benötigen eine Perspektive, wie sie künftig versorgen sollen.“

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