Georg Thieme Verlag KG

Diakonische UnternehmenKlima-Investitionsoffensive für die Sozialwirtschaft nötig

Die Diakonie Deutschland und der VdDD setzen sich dafür ein, die Refinanzierungsregeln sozialer Arbeit um das Kriterium der Nachhaltigkeit zu ergänzen. Der  Investitionsbedarf in der Sozialbranche läge bei mindestens 65 Milliarden Euro bis 2035.

Nachhaltigkeit Controlling
Robert Kneschke/stock.adobe.com

Symbolfoto

Diakonische Unternehmen wollen bis 2035 klimaneutral wirtschaften und in diesem Zuge Milliardensummen in Gebäude und Prozesse investieren. Vor diesem Hintergrund fordern der Verband der diakonischen Dienstgeber in Deutschland (VdDD) und die Diakonie Deutschland, das Kriterium der Nachhaltigkeit in den Refinanzierungsregeln der Sozialgesetzbücher zu verankern.

Auf der „Strategietagung Nachhaltigkeit“ vom 28. und 29. April 2022 berieten Akteurinnen und Akteure in Berlin zum zweiten mal, wie Klimaschutzziele und Nachhaltigkeit in der Diakonie umzusetzen sind. Erste Ansätze aus der Praxis wurden vorgestellt.

Hoher Investitionsbedarf

Diakonische Einrichtungen wie Pflegeheime, Krankenhäuser, Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder Kindergärten wollen bis 2035 die von der EU formulierten Ziele zur Klimaneutralität erreichen und hierfür unter anderem in Energieeffizienz investieren. Die Projektgruppe „Kamel und Nadelöhr“, die aus der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt entstanden ist, schätzt den entsprechenden Investitionsbedarf für ein durchschnittliches Pflegeheim auf 1,8 Millionen Euro. Um in der gesamten Sozialwirtschaft (den Krankenhausbereich ausgenommen) die Ziele der EU-Taxonomie bis zum Jahr 2035 tatsächlich zu erreichen und die Perspektive Klimaneutralität realisieren zu können, seien Investitionen von mindestens 65 Milliarden Euro notwendig, wie aus einer vorgestellten Pilotstudie hervorgeht.

Refinanzierung in Gesetzbüchern verankern

Der Verband der diakonischen Dienstgeber in Deutschland (VdDD) und die Diakonie Deutschland fordern deshalb eine Verankerung des Nachhaltigkeitskriteriums in den Refinanzierungsregeln der Sozialgesetzbücher. „Diakonische Unternehmen wollen in Nachhaltigkeit investieren, doch sie müssen es auch dürfen“, so Rolf Baumann, stellvertretender VdDD-Geschäftsführer. Bisher würden die Refinanzierungsregeln sozialer Arbeit vor allem auf die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit abzielen. Als Vorbild für eine Neuregelung könnten laut Baumann jedoch Nachhaltigkeitskriterien für öffentliche Aufträge des Bundes dienen. „Wir brauchen jetzt eine Klima-Investitionsoffensive für die Sozialwirtschaft“, so Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland.

Förderprogramme ausbauen

Zusätzlich zur Neuregelung in den Sozialgesetzbüchern fordert die Diakonie auch den kurzfristigen Ausbau von Förderprogrammen. Man wolle seinen Teil zum Klimaschutz leisten, könne als gemeinnützige Einrichtungen die erforderlichen Kosten für die klimaneutrale Gebäudesanierung jedoch nicht komplett selbst erwirtschaften. Die Eigenanteile für Förderprogramm müssten das berücksichtigen und daher niedrig ausfallen, so Lilie.

Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank), erklärt hierzu, man wolle die Kunden entsprechend unterstützen. Durch Nachhaltigkeit könnten sich mittel- und langfristig große Kosten einsparen lassen. Deshalb würde die Bank Förderkredite vermitteln, aber auch Beratungen zu energetischen Sanierungen, zur Umstellung auf regenerative Energien oder zum Einsatz eines Nachhaltigkeitsfilters anbieten.

Christian Kühn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, erklärte zudem, dass Sozial- und Wohlfahrtsverbände über ein großes Potenzial für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Vorsorge gegen künftige klimabedingte Belastungen verfügten. Eine entsprechende Unterstützung durch das Bundesumweltministerium sei daher gewährleistet, um die sozialen Einrichtungen in den Klimaanpassung zu unterstützen.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!