Ausgleich beim Spiel mit der Tochter
Dafür hat er sich ein Team „mit echten Mitstreitern“ aufgebaut, an allen bisherigen Arbeitsstätten war das so: „Die hier in Augsburg sind aber schon extrem handverlesen.“ Schmidtke fordert sie so hart wie sich selbst. „Ich unterstütze und stütze sie und qualifiziere sie, aber ich erwarte auch sehr viel. Und wenn etwas nicht so läuft, rede ich Tacheles.“ Dabei sei er „null Choleriker“, versichert Schmidtke, der am besten bei Spaziergängen und mit seiner Familie entspannt. Im Gegenteil. „Viele sagen, je größer die Krise, desto gelassener wirke ich. Selbst wenn ich extrem angespannt bin, sehe ich nach außen offenbar ruhig aus.“Was ihn erdet, ist auch seine kleine Tochter, die er mit seiner zweiten Frau Gertrud Beck-Schmidtke hat. Die dreijährige Marie-Luisa ist sein Ausgleich zu Stress und Druck im Job – und es gehört für ihn zu einem erfolgreichen Tag „dass ich meine Tochter pünktlich ins Bett bringen kann“. Er genieße das jetzt bewusster als bei seinen ersten beiden Kindern.
„Wenn Marie-Luisa strahlend auf mich zurennt, wir mit Puppen spielen und ich ihre unzähligen Warums beantworte, merke ich, was wirklich wichtig ist.“ Deshalb gelte bei ihr auch die Regel „Keine Arbeit. Kein Handy.“ Die Frage, ob die Tochter getauft werden solle, habe ihn, der vor vielen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten war, auch wieder etwas gläubiger werden lassen. Heute gehört die Familie einer freien evangelischen Kirche an, und Schmidtke hilft der Glaube an eine höhere Instanz. „Wenn ich bei einem großen Thema mal fürchte, die Kontrolle zu verlieren, weiß ich doch, es wird funktionieren.“ Sein Leitsatz: „Es gibt für jedes Problem eine Lösung, wenn ich auch noch nicht weiß welche.“ Dieses innere Vertrauen gebe ihm eine gewisse Ruhe, habe ihn gelassener gemacht und auch nahbarer und authentischer.
In der Vergangeneheit die eine oder andere Belastungsprobe erlebt
Dabei hat ihm das Klinikum schon manch besondere Erfahrung beschert. Er war gerade ein halbes Jahr im Dienst, als in einem anonymen Drohbrief eine Bombenexplosion angekündigt wurde. Und weil nicht auszuschließen war, dass das mit dem neuen Sanierer im Haus zu tun hatte, stand Schmidtke zwei Tage lang unter Polizeischutz. Die Ermittler nahmen unzählige Fingerabdrücke und veranlassten sogar Speichelproben für DNS-Tests, auch von Chefärzten. Das war eine Belastungsprobe – gleich in mehrfacher Hinsicht.
Die hat Schmidtke auch erlebt, als er 2014, nach fünf Jahren als Alleinvorstand, entschied, ein Führungstrio zu installieren. Seitdem war er Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Finanzen und Strategie. Seit 2017 gehört auch Gründungsdekanin Martina Kadmon zur Führungsspitze. „Das hatte ich mir einfacher vorgestellt“, erinnert sich der Macher, der gerne „voran marschiert“, statt erst lange zu analysieren, und sagt, „wo es lang geht“. Plötzlich war mehr Abstimmung nötig, andere entschieden mit, das war neu. „Ich musste lernen, in einem Kollegialorgan zu arbeiten, das war ein schwieriger Prozess. Auf jeden Fall ist es richtig, ein Haus dieser Größenordnung arbeitsteilig zu organisieren.“ Dabei setzt er auf Ehrlichkeit und Transparenz, will „kein Sprücheklopfer“, sondern authentisch sein: „Ich sage immer die Wahrheit, nur manchmal sage ich nicht alles, was ich weiß.“
„Vier Prozent Rendite sind genug“
Damit ist er gut gefahren. Auch im Zusammenspiel mit den politischen Gremien, die in kommunalen Kliniken das Sagen haben. Schmidtke weiß, wie er mit Politikern umgehen muss. Er war selbst einer, saß für die CSU in Franken im Gesundheitsausschuss, und in Hessen wurde er für die CDU in den Kreistag gewählt. Ganz bewusst sei er nie zu einem privaten Träger gewechselt. „Das Kommunale passt besser zu meinem Typ, hier gibt es mehr Gestaltungsspielraum“, sagt der 53-Jährige. Bei den Privaten stehe ganz klar das Betriebsergebnis im Vordergrund, und das gehe auf Kosten der Qualität und der Menschen. „Ein Haus kann sehr wohl wirtschaftlich geführt werden, aber es muss nicht gleich eine Umsatzrendite von zehn, elf Prozent sein – im kommunalen Umfeld kann man mit drei bis vier Prozent zufrieden sein.“
Jetzt, da sein Haus als Uniklinik firmiert, ist Schmidtke auf dem Absprung. Er wechselt nach Coburg, wird spätestens zum 1. Januar 2020 Hauptgeschäftsführer des Regiomed-Konzerns, eines kommunalen Klinikverbunds, der in zwei Bundesländern agiert. Für Schmidtke, der in seiner Freizeit gerne Golf spielt und wandert, ist das „eines der spannendsten Gesundheitsprojekte in Deutschland“ – erneut mit diversen Herausforderungen. Neben der wirtschaftlichen Konsolidierung zählen dazu, „die Medical School zu etablieren und einen Gesundheitscampus in Coburg zu errichten“, sagt er. Außerdem auf der Agenda: ein medizinisches Gesamtkonzept und die Vernetzung der insgesamt 18 Regiomed-Einrichtungen.


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