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NotstromversorgungWas tun bei Stromausfall im Krankenhaus?

Wie sehr Krankenhäuser auf elektrische Energie angewiesen sind, macht sich spätestens bei einem Stromausfall bemerkbar. kma hat mit Horst Träger und Thomas Flügel von der FKT über technische und organisatorische Vorkehrungen gesprochen.

Krankenzimmer
Robert Kneschke/stock.adobe.com
Symbolfoto

Kommt es oft vor, dass in einem deutschen Krankenhaus der Strom ausfällt, und wie lange dauert ein Stromausfall im Durchschnitt?

Horst Träger: Eine Übersicht zu den Versorgungsunterbrechungen Strom ist auf der Internetseite der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Aus meiner Erfahrung sind die wahrnehmbaren Stromausfälle selten, die Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalls stuft die Bundesnetzagentur ebenfalls als gering ein.

Thomas Flügel: Nach den letzten zugänglichen formalen Statistiken ist jeder deutsche Haushalt etwa 15 Minuten im Jahr von einem Stromausfall betroffen. Diese Zeitspanne nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Schon weil Krankenhäuser sehr oft in normale Wohngebiete eingebunden sind, kann man davon ausgehen, dass dieser statistische Wert auch für Krankenhäuser gilt. Obwohl Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn so groß und bevölkerungsreich ist, sind Stromausfälle hierzulande nicht häufig. In Frankreich sind die statistischen Stromausfälle je Haushalt fünfmal und in Polen sogar fünfzehnmal so hoch.

Diese Tatsache hat zweierlei Wirkung: Zum einen sind Stromausfälle in der deutschen Bevölkerung so gut wie nicht präsent. Zum anderen sind Unterstützungen mit EU-Mitteln, die der Angleichung der Lebensverhältnisse in Europa dienen sollen, auf andere EU-Länder fokussiert. Für Deutschland verlangsamt das dringende Investitionsmaßnahmen.

Nach meinen Beobachtungen kommen darüber hinaus Stromausfälle in Krankenhäusern nicht ausschließlich vor, weil ein flächendeckender Stromausfall vorliegt, sondern zunehmend auch deshalb, weil die Anforderung an die medizinische Technik in den letzten Jahrzehnten sprunghaft gestiegen ist. Krankenhäuser sind damit zu Einrichtungen mit technischer Hochtechnologie geworden, die den Vergleich mit Einrichtungen der Wirtschaft nicht zu scheuen brauchen. Da aber Krankenhäuser bezüglich des Ertragsergebnisses mit Wirtschaftsbetrieben nicht vergleichbar sind, sind sowohl die notwendige technische Ausrüstung als auch deren Betreuung eben nicht gleichzusetzen. So haben Stromausfälle in Gesundheitseinrichtungen ihre Ursache zunehmend entweder im Investitionsstau bezüglich der internen technischen Versorgung oder sind sogar Ursache für Auswirkungen in deren Umgebung. Weil medizinische High-Tech die oft veraltete und schlecht gewartete Elektrotechnik in den Krankenhäusern schlicht überlastet.

Im Zuge der Hochtechnisierung der Krankenhäuser spielt die Länge eines Stromausfalls zunächst gar nicht die entscheidende Rolle. Schon kurze und sogar sehr kurze Unterbrechungen können ein Krankenhaus bereits an die Grenze der Betriebsfähigkeit bringen, weil elektronische und rechnergestützte Geräte bekanntermaßen keinerlei Stromausfall tolerieren. Wiederum haben lange Stromunterbrechungen große Auswirkungen auf den Gesamtbetrieb und die Versorgung der Patienten.

Krankenhäuser sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen bis zu 24 Stunden dauernden Stromausfall zu überbrücken. Auf welche Zeitspanne ohne externen Strom sollten sich Kliniken einstellen?;

Flügel: Um die gesetzliche Verpflichtung zu verstehen, bedarf es eines Rückblicks auf ihre Entstehung. In der aktuell gültigen Norm ist eine Mindestbevorratung von Kraftstoff für 24 Stunden vorgeschrieben. Ursache für diese Zeitspanne ist, dass Planern und Betreibern eine pragmatische Bevorratung vorgegeben werden sollte. Einstmals orientierte sich die Bevorratung an einem „Viel hilft viel“. Beispielsweise wurden Berliner Krankenhäuser teilweise dazu verpflichtet, Kraftstoff für mehr als einen Monat vorzuhalten, falls sich eine Blockade wiederholen sollte. Im Ergebnis wurde der Kraftstoff selten gebraucht, manchmal auch noch unsachgemäß gelagert, was zu Eigenschaftsveränderungen und in der Folge zum Ausfall der Motoren führte.

Die nun angegebenen 24 Stunden sind nach langer Diskussion entstanden und basieren auf der Annahme, dass in Deutschland eine Nachbetankung in dieser Zeitspanne möglich sein sollte. Obwohl auch in einer Normenneuausgabe diese Zeitspanne wieder aufgeführt sein wird, gibt es in jüngster Zeit viele Diskussionen, ob eine zeitnahe Nachbetankung tatsächlich gewährleistet werden kann. Kliniken sollten deshalb mit Wissen um diese Problematik, dass bei einem flächendeckenden Stromausfall auch die Kraftstoffversorgung eingeschränkt sein könnte, schon jetzt ein Konzept mit den örtlichen Katastrophenschutzbehörden und gegebenenfalls auch den Mineralölhändlern erstellen. Dabei sollte beachtet werden, dass die 24 Stunden Bevorratung ein Mindestmaß darstellt.

Träger: Nach diversen Analysen käme es nach mehreren Stunden oder Tagen des Stromausfalls nicht nur zu massiven Infrastrukturproblemen. Durch den Ausfall von Telefon, Fernsehen, Internet und netzabhängigen Radioempfängern würde auch jegliche Kommunikation unterbrochen. Daher müssen die Nachbetankung der Notstromaggregate und viele andere logistische Vorgänge vorab organisiert sein.

Wie groß ist die Resonanz der Krankenhäuser auf Ihre Blackout-Vorsorge-Checkliste?

Flügel: Die Diskussion in Deutschland über Energieabhängigkeit und die Wende von der Stromerzeugung aus vorrangig russischem Erdgas hin zu mehr alternativer Energieerzeugung hat aufgerüttelt. Inzwischen ist die Sicherstellung unserer Stromversorgung überall Thema auch ohne, dass schon tatsächlich nennenswert größere Stromausfälle eingetreten sind. Diese Diskussion haben wir Techniker uns eigentlich auch immer gewünscht. Dabei zeigt sich ziemlich große Hilflosigkeit. Die Diskussionen offenbaren schon jetzt erschreckend deutlich, dass technische Allgemeinbildung auch in der Schulbildung arg vernachlässigt wurde.

Immerhin versuchen sich viele Landräte zunächst mit Bestandsaufnahmen. Auch bundesweit sind Auswertungen des Ist-Situation zu beobachten, insofern wird eine Resonanz schon deutlich. Auch Weiterbildungskurse für Krankenhausbetriebstechniker sind stark nachgefragt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass einmal mehr versucht wird, die Probleme deutschlandtypisch zu lösen, indem man sie verwaltet. Doch: Entscheidend sind ja die Konsequenzen, die sich aus den Bestandsaufnahmen ergeben. Da diese Konsequenzen letztlich ingenieurtechnisches Fachwissen und natürlich auch finanzielle Mittel erfordern, wird die Aufgabe darin bestehen, hier technisches Spezialwissen an Entscheidungsträger heranzubringen.

Das Informationsbedürfnis und die Unsicherheit sind groß.

Träger: Unsere Vorsorge-Checkliste sorgte in den sozialen Medien für viele und sehr positive Resonanzen. Das Informationsbedürfnis und die Unsicherheit sind groß. Da hilft eine solche Liste nicht nur als Leitfaden, sondern auch als Argumentationsgrundlage für die Notwendigkeit der aufgeführten Maßnahmen.

Haben Sie den Eindruck, dass die meisten Krankenhäuser gut auf einen Stromausfall oder Blackout vorbereitet sind?

Flügel: Grundsätzlich kann man noch davon ausgehen, dass die überwiegende Zahl der deutschen Krankenhäuser einen Stromausfall parieren kann, weil sie das seit Jahren fast unverändert gesetzlich vorgeschriebene Equipment vorhalten. Doch diese Einschätzung ist trügerisch. Es fehlt nicht an Bemühungen, das jahrelange Erleben, dass ja nichts passiert, der Strom immer verfügbar ist, hat jedoch seine Spuren in Form eines verminderten Risikobewusstseins hinterlassen.

Ebenso spielt eine Unterfinanzierung und der damit verbundene Investitionsstau eine immer größere Rolle. Für Neuinvestitionen im Energiebereich gibt es zudem ein hohes Maß an Verunsicherung, da ökologische Auflagen häufig den Sicherheitsanforderungen zuwiderlaufen. So ist ein Dschungel an Vorschriften und Erlassen oft auch noch länderspezifisch entstanden, der Konzepterstellungen und Planungen zusätzlich erschwert.

Diese Schwierigkeit kulminiert nun auch noch damit, dass insbesondere im Elektroenergiesektor ein eklatanter Fachkräftemangel herrscht. Noch sind die Krankenhäuser relativ gut aufgestellt, aber wir befinden uns in einer Phase, in der Blackout-Prävention immer schlechter wird und das auch nicht zuletzt, weil verstärkt Nicht-Fachleute versuchen, Krankenhausbetreibern die Welt zu erklären.

Träger: Dazu kommt, dass in vielen Krankenhäusern wichtige Versorgungsbereiche wie Zentrallager, Küche oder Steri ausgelagert wurden und damit möglicherweise nicht mit Notstrom versorgt werden. Das abzuklären und Lösungen zu finden, die ein Weiterfunktionieren der Versorgungsstrukturen bei einem Stromausfall ermöglichen, sollte Bestandteil der erforderlichen Notfallplanung sein.

Welches sind die größten Defizite der Krankenhäuser bei einem Stromausfall?

Flügel: Natürlich sind die Investitionsstaus erheblich und dennoch halte ich für das größte Defizit die Konzeptlosigkeit. Gesetzliche Vorgaben und Normen können letztlich nur einen Rahmen vorgeben, der möglichst für alle deutschen Krankenhäuser gilt. Diesen Rahmen zu füllen, geht nur vor Ort. Das bedeutet, jedes Krankenhaus muss mit Hilfe des vorgegebenen Rahmens für sich entscheiden, was in einem Stromausfall notwendig ist und wie eine solche Störung ohne Schaden bewältigt werden kann. Dazu bedarf es kundiger Fachkräfte, vor allem auch solcher, die den technischen Betrieb überblicken und Entscheidungen treffen können. Ein rares Gut! Bedenkt man, dass der technische Betrieb eines Krankenhauses ja nicht das s.g. „Kerngeschäft“ ist, dass dann aber bei einem Stromausfall technisches Personal – in der Verfasstheit unserer Medizin-Elite – plötzlich das Sagen haben muss, zeigt sich auch die interdisziplinäre und zwischenmenschliche Problematik, die von der Lösung der Sachprobleme nicht zu trennen ist. Die größten Defizite sehe ich vor diesem Hintergrund aber tatsächlich in einer häufig anzutreffenden technischen und organisatorischen Konzeptlosigkeit, oft gepaart mit schlechter Gesamtpersonalführung.

Träger: Oft fehlt es dem nicht-technischen Personal schlicht am Bewusstsein, dass ohne Strom die gesamte Infrastruktur ausfällt. Bei vielen herrscht ein eklatanter Fantasie-Mangel in Bezug auf die dann eintretenden Situationen.

Mit welchen technischen Vorkehrungen kann eine Klinik bei einem Blackout die Patientenversorgung aufrechterhalten?

Flügel: Dazu ist es zunächst sehr sinnvoll, sich über die zwei vom Gesetzgeber vorgegeben Schutzziele klar zu werden. An aller erster Stelle steht naturgemäß die Lebensrettung. Sie muss immer Vorrang haben. Hier darf es keine Kompromisse, ja nicht mal ein Herumexperimentieren mit nicht erprobten und zugelassenen Alternativenergieversorgungen geben. Der zweite, ebenso wichtige, aber technisch völlig anders gelagerte Aspekt ist die Aufrechterhaltung eines Krankenhausnotbetriebs. Das Krankenhaus soll über einen längeren Zeitraum in seinen Grundfunktionen weiter handlungsfähig bleiben. Die vielen Diskussionen der letzten Jahre, falsche Forderungen der Industrie an die Infrastrukturvoraussetzungen und letztlich die oben genannte Konzeptlosigkeit haben dazu geführt, dass in sehr vielen Krankenhäusern eine Vermischung beider Schutzziele bis hin zu einer Übertechnisierung stattgefunden hat.

Aus dieser Erfahrung ist es aktuell besonders notwendig, die elektrischen Netzstrukturen vieler Krankenhäuser zu revidieren, zu ergänzen und manchmal auch von unnötigem Ballast zu befreien. Dabei muss die Umsetzung der beiden Schutzziele Richtschnur sein. Natürlich ist es dazu auch wichtig, bei dieser Gelegenheit den enorm gewachsenen Elektroenergiebedarf kritisch zu betrachten und gegebenenfalls Notstromquellen zu verstärken.

An aller erster Stelle steht die Lebensrettung.

Träger: Im Notstrombetrieb kann eine Versorgung nicht im bekannten Umfang gewährleistet werden. Nur ein eingeschränkter Bereich kann weiter betrieben werden.

Wie sinnvoll sind Schwarztests?

Flügel: Der Begriff „Schwarztest“ umschreibt griffig, dass ein realer Stromausfall in einem Krankenhaus getestet werden soll. Konkret bedeutet das, dass die Stromversorgung des örtlichen Energieversorgers beabsichtigt unterbrochen wird. In einem solchen Test zeigt sich, ob alle Notfallsysteme funktionieren und ob diese für das jeweilige Krankenhaus zuverlässig das versorgen, was wirklich gebraucht wird. Auch hierfür sind die gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen hilfreich, müssen aber den lokalen Gegebenheiten in jedem Fall angepasst sein.

Ein Nebeneffekt dieser Tests ist, dass mit dem gesamten Krankenhaus auch organisatorisch geübt werden kann, was bei einem Stromausfall notwendig ist. Erfahrungsgemäß werden viele Vorgänge identifiziert, für die eine Stromversorgung notwendig ist, die man jedoch trotz gesetzlicher Vorgaben gar nicht im Blick hatte. Dabei ist es mit einem Schwarztest im Jahr zunächst nicht unbedingt getan, denn viele Einschränkungen, die bei einem ersten Test erfasst werden, bedürfen anschließend einer konzeptionellen Neuordnung, die wiederum geübt werden muss. Folglich sind Schwarzschalttests ein Prozess, der von Mal zu Mal die Versorgungssicherheit stabilisieren hilft, bis es vielleicht irgendwann einmal genügt, nur noch einmal jährlich solch einen Test durchzuführen.

Ideal ist es, wenn das gesamte Personal in einem Krankenhaus das Bewusstsein bekommt, dass der Strom nun mal ausfallen kann und dann die Grundfunktionen sofort oder in angemessener Zeit wieder in Betrieb gehen. Das minimiert Panikreaktionen, hilft auch Fehlfunktionen zu identifizieren und fördert ein Gefühl von Sicherheit. Schwarztests sind demzufolge vergleichbar mit einer Feuerwehrübung. Natürlich sollen sie nicht dem Selbstzweck dienen und materiell und vor allem personell gut vorbereitet sein.

Ebenso sollte auf medizinisch heikle Vorgänge Rücksicht genommen werden. Allerdings muss man sich immer bewusst sein, dass die Elektroenergieversorgung auf solche Vorgänge auch keine Rücksicht nimmt. Der weit verbreiteten Ansicht, dass man solche Schwarztests im Krankenhaus nicht machen kann oder nicht machen dürfe, sollte vehement widersprochen werden. Im Hinblick auf die erforderliche Resilienz in Bezug auf einen Stromausfall bewirkt das Weglassen solcher Übungen genau das Gegenteil. Auch große Krankenhäuser mit universitärem Charakter üben Stromausfälle, und es gibt keine medizinische Begründung, einen Schwarzschalttest abzulehnen.

Träger: Gut vorbereitet sind Schwarzschalttests nicht nur überaus sinnvoll, sondern nebenbei bemerkt auch mindestens einmal im Jahr normativ vorgeschrieben.

Allgemein ist davon auszugehen, dass im Krankenhaus im Modus eines Notbetriebs etwa noch ein Drittel der sonstigen Verbraucher an der Stromversorgung angeschlossen ist.

Wie verändern sich die Arbeitsabläufe im Krankenhaus bei einem mehrtägigen Blackout?

Flügel: Bei einem mehrtägigen Stromausfall liegt der Fokus auf dem Schutzziel Krankenhausnotbetrieb. Dazu wird eine lokale, verlässliche und unabhängige Stromversorgungsquelle benötigt, die einen mehrtägigen Stromausfall auch beherrschen kann. Mit Blick auf die Technik verändern sich die Arbeitsabläufe dahingehend, dass während des Ausfalls möglichst kompetentes Fachpersonal vor Ort verbleibt, das auch das Netzmanagement der Elektroversorgung übernehmen kann. Zudem muss die Kraftstoffversorgung beobachtet und ggf. mit Hilfe von vorher ausgearbeiteten Plänen organisiert werden.

Allgemein ist davon auszugehen, dass im Krankenhaus im Modus eines Notbetriebs etwa noch ein Drittel der sonstigen Verbraucher an der Stromversorgung angeschlossen ist. Bei den Arbeitsabläufen muss also auch tatsächlich auf diesen Notbetrieb umgeschwenkt werden. Dazu sind eine Vielzahl von Ablaufänderungen zu organisieren. Das geht mit einer allgemeinen Zugangsbeschränkung zum Krankenhaus los, bedarf einer Abschätzung der medizinisch Verantwortlichen zum Weiterbetrieb von medizinischen Einrichtungen, erfordert eine Einschränkung von nicht unbedingt notwendigen Leistungen und wirkt sich nicht zuletzt in der Reduzierung von sonst gewohnten Wahlmöglichkeiten in der Patienten- und Mitarbeiterversorgung aus. Wie schon erwähnt, muss hier jedes Krankenhaus seine individuellen Gegebenheiten ausloten.

Träger: Dazu kommt erschwerend: Der Zustrom neuer Patienten wird bei einem Stromausfall enorm zunehmen, da Arztpraxen und Apotheken, Altenheime und Dialysezentren nur selten über eine Notstromversorgung verfügen und deren Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssten, wenn diese genannten Einrichtungen schließen.

Mit welchen organisatorischen Maßnahmen können temperaturempfindliche Stoffe wie Medikamente oder Blutkonserven einen Blackout überstehen?

Flügel: Nicht zuletzt gehört zur vorbereitenden Organisation für einem drohenden Stromausfall in Bezug auf temperaturempfindliche Stoffe ein Krankenhausgesamtkonzept. Der oft nahezu ausschließlich auf finanzielle Gegebenheiten achtende Einkauf muss von vornherein auf die Anforderungen zu einer Notversorgung achten. Erfahrungsgemäß lässt sich das organisieren, wenn für einen Stromausfall im Krankenhaus bekannt ist, wo Lagermöglichkeiten bestehen, in denen auch temperaturhochempfindliche Stoffe und Proben gelagert werden können. Dafür gibt es spezielle Lagerkühlschränke, für die garantiert wird, dass deren Innentemperatur auch bei einem Stromausfall über mehr als 24 Stunden nicht abweicht, wenn sie ungeöffnet bleiben. Selbst bei einer einmaligen kurzen Öffnung sind Erwärmungen von unter einem Kelvin möglich. Darüber hinaus können Lagerkühlschränke mit einer lokalen Versorgung versehen werden, die bei einem Überschreiten der Toleranzinnentemperatur auf einen Gasbetrieb umschalten, der mit einer zugeordneten Gaskartusche bewerkstelligt wird.

Schon schwieriger wird die Versorgung von größeren Kälteanlagen. Sie gehören zu den sogenannten „trägen Medien“, also Medien, die nicht unbedingt zeitkritisch versorgt werden müssen, sondern für die Lücken genutzt werden können, in denen die Notstromversorgung Kapazitäten frei hat. Typisches Beispiel dafür sind Aufbewahrungsräume für Verstorbene. Dazu ist es aber erforderlich, dass ein fachkundiger Betriebstechniker nach festgelegten Kriterien (zum Beispiel Belegung oder Jahreszeit) diese Anlagen zeitweise in Betrieb setzen kann. Auch das muss geübt sein und ggf. durch Handlungsanweisungen vorbereitet werden.

Mit welchen baulichen Maßnahmen können sich Krankenhäuser resilienter gegen einen längeren Stromausfall machen?

Flügel: Bauliche Maßnahmen ergeben sich aus der individuellen Konzeption, die ein Krankenhaus für einen längeren Stromausfall erstellt. Hierbei ist es vorrangig, dass der Krankenhausnotbetrieb ungestört weiterlaufen kann. Es hat sich bei einer solchen Konzepterstellung bewährt, dass die Möglichkeiten der Zugangsbeschränkung auch durch bauliche Maßnahmen schnell umgesetzt werden können. Dem Bedürfnis von Angehörigen und Presse nach Information sollte dennoch entsprochen werden und dafür extra ein vom öffentlichen Raum zugänglicher Bereich eingerichtet werden, in dem kompetente Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Sicherheitstechnische Anlagen sollten gut gesichert sein durch Barrieren (Zäune) und ggf. auch mit Alarmanlagen, um unbefugtes Eindringen oder gar Manipulationen zu verhindern. Räume und Anlagen für die Notstromversorgung sollten so dicht wie möglich am zu schützenden Krankenhaus stehen, auch bei Dunkelheit gut zugänglich sein, nicht fremd genutzt werden (zum Beispiel Lagerfläche) und auch von Lieferfahrzeugen (Tankfahrzeugen) problemlos erreicht werden können. Bei einer infrastrukturellen Neukonzeption ist konsequent auf eine komplett unabhängige Zwei-System-Struktur zu achten, damit bei einem Fehler in einem Versorgungsnetz durch die Umschaltung auf das zweite Versorgungsnetz eine Grundsicherung vorhanden ist.

Träger: Grundsätzliche macht es Sinn, weitere essenzielle Abnehmer wie Rechenzentren mit Notstrom zu versorgen und die Kapazität der Notstromaggregate sowie die Tankvorräte entsprechend zu erhöhen.

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