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Manager des Jahres 2025Reinhard Nieper – Stratege für komplexe Aufgaben

Die Konzerngründung der BG Kliniken vor zehn Jahren war ein organisatorischer Kraftakt. Als Geschäftsführer prägte Reinhard Nieper diesen Prozess entscheidend. Bis heute treibt er den Klinikverbund mit strategischem Weitblick und klarer Vorstellung von Kooperationen voran.

Reinhard Nieper
Florian Selig/Thieme
Ausgezeichnet mit dem Thieme Management Award als Manager des Jahres 2025: Reinhard Nieper.

Mittelmäßigkeit, damit kann Reinhard Nieper nicht umgehen. Wenn etwas gemacht wird, dann sollte es auch so gut wie möglich geschehen. Diesen qualitativen Anspruch stellt der Vorsitzende der Geschäftsführung der BG Kliniken nicht nur an andere, es bestimmt auch sein eigenes Handeln. Nieper ist Experte für Fusions- und Kooperationsprojekte. Sein Arbeitsschwerpunkt ließe sich mit „Aufbauen und Ausbauen“ beschreiben. Gute Ideen, etwas Zukunftsweisendes umzusetzen, das findet der 66-Jährige hochspannend. Weil es dafür viel Grundgeschick brauche in juristischen, betriebswirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen, ebenso eine hohe Resilienz. 

Am Anfang gab es Wetten darauf, wie wenige Stunden ich das Ganze hier überleben würde.

„Man muss einmal mehr aufstehen, als man hinfällt. Und man fällt oft hin“, sagt Nieper und wiegt seinen Kopf. Er sitzt im Konferenzraum in der Berliner Unternehmenszentrale, spricht bedacht, konzentriert. Lässt auch mal eine Pause entstehen, in der das Brummen des dichten Stadtverkehrs draußen vom Leipziger Platz die einzige Geräuschkulisse bildet. Dann ergänzt er lächelnd: „Am Anfang gab es Wetten darauf, wie wenige Stunden ich das Ganze hier überleben würde.“ Letztendlich waren es fünf Jahre, die Nieper kämpfen musste. Dann hatte der Klinikmanager die größte Herausforderung seiner Karriere gemeistert, gegen viele Widerstände: Die Konzerngründung der BG Kliniken, eines der größten Klinikverbundprojekte in Deutschland.

Ab 2011 war Reinhard Nieper für dieses Vorhaben zuständig. Als Geschäftsführer des Klinikverbunds der gesetzlichen Unfallversicherung sollte er die Umwandlung von einem eingetragenen Verein zu einer gemeinnützigen Unternehmensgruppe mit Holdingstrukturen realisieren. Der Verein war ein Jahr zuvor von den Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und BG Kliniken gegründet worden. Das Ziel: Mit dem Zusammenschluss und der engeren Vernetzung der Kliniken wollte man besser auf die sich ändernden Bedürfnisse und Ansprüche an die Gesundheitsversorgung reagieren, mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit, Wissenstransfer und bessere Behandlungsergebnisse erreichen. 

In der Theorie ein nachvollziehbarer Schritt, um die Häuser fit für die Zukunft zu machen. In der Praxis waren erst noch enorme Hürden zu überwinden.

Klinikmanager mit Kommunikationstalent

Die Ausgangssituation war komplex. Es gab 13 Kliniken mit zwölf autonomen Klinikträgern in drei verschiedenen Rechtsformen, 30 Eigentümer und 39 Vereinsmitglieder, dafür aber keine gemeinsame Strategie. Einheitlichkeit in die Organisationsstruktur zu bringen, sich zu verschlanken war eine Mammutaufgabe. Nieper beschreibt diese Phase als die für ihn anstrengendste. Erschwerend kam hinzu, dass die Idee einer Konzernbildung anfangs vehement abgelehnt wurde – die Autonomie einzelner Häuser fand mehr Zuspruch.

Ich sehe Selbstzweifel oder Zweifel eher als Chance und nicht als Hürde.

Unter diesen Bedingungen zuversichtlich zu bleiben, war nicht einfach. Nieper spricht offen von Selbstzweifeln und Zweifeln am Projekterfolg, die er zeitweise empfunden habe. Verdrängen wollte er diese Gedanken nie: „Man denkt dadurch viel über das Projekt nach, justiert vielleicht noch einmal neu, korrigiert sich. Insofern sehe ich Selbstzweifel oder Zweifel eher als Chance und nicht als Hürde. Denn ich habe nie daran gezweifelt, dass ich die Fusion zum Erfolg bringen will. Ich war vom Projekt überzeugt und davon, dass wir es hinkriegen können.“ 

Um in den einzelnen Häusern die Akzeptanz für die Konzerngründung zu stärken, brauchte es vor allem eins: Kommunikation. Reinhard Nieper warb immer wieder für die Klinikfusion, fand Kompromisse, zeigte Wege auf. „Es gab viele Nackenschläge und Rückschläge“, sagt er. Doch am Ende geht der Klinikkonzern fristgerecht im Januar 2016 an den Start. 13 Einrichtungen – neun BG Unfallkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten sowie zwei Unfallbehandlungsstellen – wurden erfolgreich zu einem Klinikverbund zusammengeführt. In dieser Größenordnung gab es das zuvor in Deutschland noch nicht.

Wenn Reinhard Nieper von seiner Karriere erzählt, geschieht das fast beiläufig. So, als hätte er kaum etwas damit zu tun, was er als Führungsperson erreichen konnte. Er sagt nicht, dass ihm etwas gelungen ist, sondern dass er „sich bemüht habe, etwas gut zu machen“. Nieper selbst spricht von einem schmalen Grat zwischen Koketterie und Überheblichkeit, wird er nach seinen Stärken als Klinikmanager gefragt. Beides liegt ihm fern, hausieren geht er mit seiner Leistung nicht. 

Als er auf sein Bundesverdienstkreuz am Bande angesprochen wird und ob es dafür einen Ehrenplatz gibt, muss er laut lachen – es liegt in einer Schublade, zur Schau gestellt wird es nicht. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, aber ich muss damit nicht nach draußen gehen.“ Im Februar 2024 wurde es ihm für sein „langjähriges Wirken und seine außerordentlichen Erfolge auf dem Gebiet der landes- und bundesweiten medizinischen Versorgung“ verliehen. Die damalige Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, Ursula Nonnemacher, hob seine wirtschaftliche und soziale Kompetenz als Geschäftsführer der BG Kliniken hervor, dank derer der Klinikverbund zukunftsfest dastehe.

Jurist mit Liebe zu Zahlen

Heute kann Nieper sich kein Berufsfeld vorstellen, das ihn mehr erfüllen könnte: „Ich empfinde es als echtes Privileg, als kleines Zahnrädchen mitwirken, mit der richtigen Idee und den richtigen Leuten etwas im Gesundheitswesen bewirken zu können.“ Hätte ihm aber vor 30 Jahren jemand gesagt, dass er als Klinikmanager unter anderem die größte Klinikfusion Deutschlands organisieren würde, er hätte es nicht für möglich gehalten. „Das war blanker Zufall. Ich hatte vom Gesundheitswesen keinerlei Ahnung, war auch nicht familiär vorbelastet.”

Ich empfinde es als echtes Privileg, als kleines Zahnrädchen mitwirken, mit der richtigen Idee und den richtigen Leuten etwas im Gesundheitswesen bewirken zu können.

Als Student der Rechtswissenschaften hätte er sich für seine berufliche Zukunft vieles vorstellen können. Seine Liebe zu Zahlen war schließlich ausschlaggebend. Der Synästhetiker sieht Ziffern in verschiedenen Farben, die Acht ist blau, die Fünf ist rot. Er schreibt ihnen sogar unterschiedliche Charaktereigenschaften zu. Nennt die Vier zickig, die Sieben schwierig. 

Rechnen mochte er immer. Deshalb studierte Nieper neben Jura sowohl in seiner Heimatstadt Münster als auch in Berlin Mathematik. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen regte die ungewöhnliche Stellenanzeige eines Krankenhauses im Ruhrgebiet die Aufmerksamkeit des Uniabsolventen: Gesucht wurde ein Assistent, möglichst mit juristischer Ausbildung und einer Nähe zu Zahlen. Das sprach ihn direkt an. Also bewarb er sich 1988 im St. Marien Hospital Lünen. Es wurde seine erste Stelle nach Studium und Referendariat.

Dann fiel die Mauer. Und wieder bestimmte der Zufall den weiteren Weg von Reinhard Nieper. Er wurde 1991 angesprochen, ob er die Verantwortung für ein kleines Haus im ehemaligen Ostberlin, in Weißensee, übernehmen wollte. Es gehörte zur Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder, die allerdings von 1961 bis 1989 keinen Einfluss auf die Geschicke des Hauses hatten. Mit der Wiedervereinigung änderte sich das – und es wurde ein Geschäftsführer gesucht. 

Rückblickend erzählt Nieper amüsiert von einem doppelten Missverständnis: „Die Alexianer glaubten wohl, in mir jemanden gefunden zu haben, der an der kurzen Leine gesteuert werden könnte.“ Er hingegen war überzeugt davon, das Krankenhaus allein führen zu können. „Es hat sich dann ziemlich schnell herausgestellt, dass ich doch an meine Grenzen stoße. Aber am Ende ist es glücklich ausgegangen. Ich bin immerhin 20 Jahre bei den Alexianern geblieben und habe in den neuen Bundesländern eine Reihe von Häusern in diesen kleinen Konzern integriert und saniert“, erzählt der Jurist.

Dann fiel die Mauer. Und wieder bestimmte der Zufall den weiteren Weg von Reinhard Nieper. Er wurde 1991 angesprochen, ob er die Verantwortung für ein kleines Haus im ehemaligen Ostberlin, in Weißensee, übernehmen wollte. Es gehörte zur Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder, die allerdings von 1961 bis 1989 keinen Einfluss auf die Geschicke des Hauses hatten. Mit der Wiedervereinigung änderte sich das – und es wurde ein Geschäftsführer gesucht. 

Rückblickend erzählt Nieper amüsiert von einem doppelten Missverständnis: „Die Alexianer glaubten wohl, in mir jemanden gefunden zu haben, der an der kurzen Leine gesteuert werden könnte.“ Er hingegen war überzeugt davon, das Krankenhaus allein führen zu können. „Es hat sich dann ziemlich schnell herausgestellt, dass ich doch an meine Grenzen stoße. Aber am Ende ist es glücklich ausgegangen. Ich bin immerhin 20 Jahre bei den Alexianern geblieben und habe in den neuen Bundesländern eine Reihe von Häusern in diesen kleinen Konzern integriert und saniert“, erzählt der Jurist.

Sanierer mit Augenmaß 

Nachdem er das St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee auf Kurs gebracht hatte, wurde ihm nach und nach die Leitung weiterer Häuser wie das von der Schließung bedrohte St. Hedwig Krankenhaus in Berlin, das St. Josefs-Krankenhaus Potsdam und die Klinik Bosse Wittenberg anvertraut. Reinhard Nieper trug als Geschäftsführer der Alexianer dazu bei, das Unternehmen zu einem der größten katholischen Krankenhauskonzerne auszubauen – und dass die Alexianer bald den Ruf hatten, Krankenhäuser der katholischen Kirche wieder in Schwung bringen zu können.

Das Geleistete zu respektieren und dann in den Dialog mit den Beteiligten zu treten, wie bisher Erreichtes in die Zukunft überführt werden kann – damit hatte ich nie Schwierigkeiten.

Auf die Frage, ob Nieper als Mann aus dem Westen als Geschäftsführer oder auch privat – er lebt in Kleinmachnow, einer Gemeinde in Brandenburg – im Osten gewisse Vorbehalte entgegengebracht worden seien, zögert er zunächst mit einer Antwort. Sein „Nein“ erfolgt dafür mit Nachdruck. „Es gab eine Skepsis, die man verständlicherweise immer neuen Führungskräften entgegenbringt. Ich hatte aber nie den Eindruck, dass dies spezifisch mit meiner Westsozialisation zusammenhängt. Es ist mir aber auch nicht schwergefallen, in den jeweiligen Häusern den nötigen Respekt mitzubringen und anzuerkennen, was unter den damaligen Rahmenbedingungen dort geleistet worden ist“, sagt Nieper. 

Zwar entsprach vieles nach der Wende in den Krankenhäusern nicht dem Weststandard, sei aber mit sehr viel Engagement und Herzblut aufgebaut worden. „Das zu respektieren und dann in den Dialog mit den Beteiligten zu treten, wie bisher Erreichtes in die Zukunft überführt werden kann – damit hatte ich nie Schwierigkeiten.“ Er war beeindruckt von den Personen, die er nach der Wende in den katholischen Häusern der ehemaligen DDR kennengelernt hat. „Sie hatten eine große Bescheidenheit, große Integrität und sind unter schwierigsten Bedingungen ihrer Linie treu geblieben. Das hat mir sehr imponiert“, sagt Nieper. Das habe ihn – neben vielen anderen Begegnungen in seinem Berufsleben – als Klinikmanager geformt.

Zukunftssicher durch Kooperation

Die einzelnen BG Kliniken sind unter seiner Führung zu einem Klinikverbund zusammengewachsen, der wirtschaftlich gut dasteht. Das ist in der aktuell schwierigen Situation in der Krankenhauslandschaft eine Besonderheit. 1,7 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaften das Unternehmen. Mehr als 19.000 Beschäftigten arbeiten dort, mehr als 570.000 Patientinnen und Patienten werden jährlich behandelt. 

Dennoch musste im Juni 2020 die BG Klinik Falkenstein in Sachsen schließen, es wurde immer schwerer, Ärztinnen und Ärzte zu finden. Ein Prozess, mit dem Reinhard Nieper haderte: „Das kannte ich bis dahin nicht. Ich habe über die Jahre immer Häuser aufgebaut und jetzt musste ich die Entscheidung treffen, eins abzubauen – das fand ich überhaupt nicht passend.“ Wiederholen soll sich das nicht. 

Ich glaube, wir haben in den zehn Jahren vieles geschafft. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass einiges noch zu tun ist.

Bis Ende 2027 ist Reinhard Nieper bei den BG Kliniken der Vorsitzende der Geschäftsführung. Ob er dann in den Ruhestand geht oder neue Herausforderungen sucht, ist noch nicht klar. In jedem Fall möchte er bei den BG Kliniken noch einiges erreichen. „Ich glaube, wir haben in den zehn Jahren vieles geschafft. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass einiges noch zu tun ist.“

Für die Zukunft sieht er zwei wesentliche Punkte, auf die der Konzern reagieren muss. Beides verfolgt er seit Jahren, erste Erfolge sind bereits sichtbar. Verbindendes Element: der weit vorausschauende Blick über den konzerneigenen Tellerrand. Da ist zum einen die weltpolitische Sicherheitslage, die sich verändert hat und die eine verstärkte Krisenresilienz des Gesundheitswesens erforderlich macht. Als mögliches Szenario entwirft Nieper einen Konfliktfall an der NATO-Ostflanke, mit etwa 1000 Verletzten pro Tag, die in Deutschland versorgt werden müssten. Deutschland könnte zur Drehscheibe werden, was die Versorgungsstrukturen vieler Alliierten betrifft. 

BG Kliniken

Vor zehn Jahren gegründet, zählt die Unternehmensgruppe BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung zu den größten Klinikkonzernen in Deutschland. Die BG Kliniken arbeiten gemeinnützig und selbstverwaltet. Die Aufsichtsorgane werden von den Unfallversicherungsträgern paritätisch mit ehrenamtlichen Vertretern der Arbeitgeber- und Versichertenseite besetzt. Der Sitz der Zentrale ist in Berlin. In neun Akutkliniken, einer Klinik für Berufskrankheiten, einer Reha-Klinik und zwei ambulanten Einrichtungen werden bundesweit mehr als eine halbe Million Patienten pro Jahr versorgt, die schwerverletzt oder berufserkrankt sind.

Schwerpunkte der Kliniken liegen im Bereich der Unfallmedizin, Polytraumata, Rückenmarkverletzungen, Schwerbrandverletzungen, septischen Chirurgie, Handverletzungen und Berufserkrankungen. Dass überwiegend schwere Fälle behandelt werden, spiegelt auch der Case Mix Index mit 2.0 wider. Rehabilitations- und Akutmedizin werden in den BG Kliniken im Rahmen der medizinischen Betreuung miteinander verzahnt. Das stellt eine Ausnahme in der Krankenhauslandschaft dar, in der beides im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung sonst strikt über Sektorengrenzen voneinander getrennt ist. Investitionsmittel werden nicht von den Ländern gezahlt, sondern vollständig von den Unfallversicherungsträgern übernommen. Den Jahresumsatz gibt der Klinikverbund mit 1,7 Milliarden Euro an. Die Investitionssumme liegt bei 170 Millionen Euro.

Darauf ist das Gesundheitswesen längst nicht vorbereitet. Experten fordern deshalb mittlerweile, die Gesundheitsversorgung schnellstens in die nationale Sicherheitsstrategie zu integrieren und Mittel aus dem Infrastruktur- Sondervermögen dafür bereitzustellen. Schon deutlich früher, bereits 2018, noch vor dem endgültigen Bruch des Minsker Friedensabkommens durch den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, erkannte Nieper das Bedrohungspotential. Er suchte den Kontakt zur Bundeswehr, um die BG Kliniken als eine wesentliche Säule in der Versorgung von Schwerverletzten besser auf Krisensituationen vorzubereiten. 

Die Zusammenarbeit der Bundeswehrkrankenhäuser mit den BG Kliniken wurde 2019 durch einen Vertrag besiegelt. Seitdem wurde die Kooperation intensiviert, übergreifende Weiterbildungen für ärztliche Fachkräfte erarbeitet und 2021 initiierte Reinhard Nieper mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr eine Zusammenarbeit bei der Patientenversorgung. Verletzte Soldaten mit komplizierten und therapieintensiven Heilungsverläufen können in BG Kliniken nun die komplexe Stationäre Rehabilitation in Anspruch nehmen, was in dieser Form einmalig im Gesundheitswesen ist.

Durch intelligente Kooperationen mit Universitätsklinika wollen wir die Verfügbarkeit dieser Medizin sichern.

Zum anderen setzt Reinhard Nieper auf Kooperationen mit Universitätskliniken. Die BG Kliniken haben den gesetzlichen Auftrag, Versicherte mit Arbeits- und Unfallverletzungen oder Berufserkrankungen mit allen geeigneten Mitteln zu versorgen. In den dafür notwendigen Fachbereichen wie plastischer Chirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie besteht in den Kliniken eine hohe Expertise. „Wir stellen aber fest, dass es zunehmend den Bedarf für medizinische Leistungen gibt, die außerhalb unseres Kernleistungsbereichs liegen, wie die Innere Medizin. Durch intelligente Kooperationen mit Universitätsklinika wollen wir die Verfügbarkeit dieser Medizin sichern“, so Reinhard Nieper. 

Dieser Wandel erklärt sich unter anderem durch medizinischen Fortschritt: Menschen werden älter, können länger arbeiten. Dadurch verändern sich die Krankheitsbilder bei Patienten. Zudem steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Laufe eines längeren Lebens ein oder mehrere chronische Erkrankungen entwickeln. Das alles macht eine andere medizinische Versorgung in BG Kliniken notwendig, als es bislang der Fall war. Statt eigene Expertise in neuen Fachbereichen aufzubauen und so für Parallelstrukturen und mehr Konkurrenz um Fachkräfte an den BG-Standorten zu sorgen, wollen der Klinikverbund lieber bereits existierende Strukturen von Partnern zum beiderseitigen Vorteil nutzen.

Vorliebe für komplexe Themen

Mit dieser Grundidee stoße er auf Interesse bei potenziellen Partnern. Doch wenn es um die Umsetzung geht, wird es kompliziert. „Was das Krankenhausrecht betrifft, ist das Gesundheitswesen immer noch sehr altmodisch. Es gibt dieses Bild: Ein Krankenhaus, ein Standort, ein Träger. Von der Politik wird zurecht gefordert – und das haben wir 2018 auch in unserer Strategie formuliert: Schließt euch zusammen, stimmt euch ab, versucht Kompetenzen vernünftig komplementär aufzubauen.“ 

Schließt euch zusammen, stimmt euch ab, versucht Kompetenzen vernünftig komplementär aufzubauen.

In der Realität stoße das aber im Rechtlichen und Betriebswirtschaftlichen auf viele Hindernisse. Zwei Träger auf einem Campus, von denen sinnvollerweise nur noch einer z. B. die Unfallchirurgie vorhält? Das ließe sich möglicherweise nicht als gemeinsame Leistung abbilden und könnte zu Schwierigkeiten bei der Zuweisung bestimmter Leistungsgruppen führen. Trotzdem: Um weiter bestehen und die beste medizinische Versorgung bieten zu können, will Reinhard Nieper diesen Ansatz mit Nachdruck verfolgen.

Neubauprojekte von BG Kliniken in Halle, Hamburg und Frankfurt am Main direkt auf dem jeweiligen Unicampus sind bereits in Abstimmung. Die Diskussionen mit den beteiligten Universitätskliniken nimmt Nieper als sehr konstruktiv wahr: „An allen drei Standorten sind wir jetzt in der kritischen Phase, in der wir uns mit den potenziellen Partnern darüber verständigen, ob und unter welchen Rahmenbedingungen das funktionieren kann.“ 

Er weiß, dass es sich um ein komplexes Thema handelt. Etwas, das einen langen Atem erfordert, um es ins Ziel zu schaffen. Genau das Richtige für Reinhard Nieper, dessen Ehrgeiz geweckt ist: „Es ist ein Projekt, das ich gern noch in meiner beruflichen Laufbahn zumindest auf vertraglicher Ebene auf den Weg bringen möchte.“ Kann das in den kommenden zwei Jahren gelingen? Reinhard Nieper lehnt sich entspannt in seinem Stuhl zurück. Er ist zuversichtlich.

Das sagt die Jury

Reinhard Nieper überzeugt durch strategischen Weitblick und den konsequenten Ausbau krisenrelevanter Netzwerke. Unter seiner Führung vertieften die BG Kliniken die Kooperation mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und etablierten gemeinsame Übungen, Versorgungskonzepte und Fortbildungen. Die stationäre Rehabilitation in BG Kliniken ist für verletzte Soldaten und weitere Einsatzkräfte ein zentraler Baustein einer robusten Versorgungskette von der Akutmedizin bis zur Rehabilitation.

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