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Gestaltung von Kinderstationen

Spagat zwischen medizinischer Qualität und Bedürfnissen

Knapp 70 Millionen Euro hat die neue Kinderklinik der Uniklinik Hamburg-Eppendorf gekostet. Entstanden ist ein Haus, das höchste medizinische Qualität bietet und gleichzeitig den Bedürfnissen der kleinen Patienten Rechnung trägt. Das unterstützt nicht nur den Genesungsprozess, sondern ist auch ein Wettbewerbsvorteil.

Kinderklinik des UKE

UKE

Im September 2017 wurde der Neubau des Kinder-UKE eröffnet.

Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger fürchten sich vor einem Krankenhausaufenthalt, jeder zehnte hat sogar große Angst davor, belegt eine Studie des Berliner Krankenhausbetreibers Vivantes. Wenn Eltern ihre eignen Kinder der oft auf bloße Funktionalität getrimmten Krankenhausatmosphäre überlassen müssen, verstärken sich diese Ängste sogar noch. Schließlich wissen sie, wie schwer es für ein Kind ist, die vertraute Umgebung des Elternhauses zu verlassen und sich in die fremden Händen des Klinikpersonals zu begeben. Der Neubau von Kinderstationen ist daher immer eine Herausforderung – denn wer für sein Kind einen Krankenhausaufenthalt plant, wählt dafür jene Einrichtung aus, in der es sich am besten aufgehoben fühlt. Betreiber sind deshalb gut beraten, in punkto Einrichtung und Ausstattung neben der medizinischen Qualität auch auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten einzugehen. Wie dieser Spagat gelingen kann, zeigt das neue Kinderkrankenhaus der Uniklinik Hamburg Eppendorf (UKE).

Das neue Kinder-UKE

Bereits der Weg zum Haupteingang des im September neu eröffneten „Kinder-UKE“ führt an einem kleinen See und großen Bäumen vorbei, denn das Gebäude liegt direkt gegenüber dem Eppendorfer Park. Auch auf dem für den Neubau vorgesehenen Gelände wuchsen viele große Bäume. Diesen Umstand haben die Planer des Architekturbüros Tönies, Schroeter & Jansen (TSJ) genutzt, um den Ausschreibungswettbewerb um das neue Haus für sich zu entscheiden. „Ein Baum ist etwas Beschützendes – Kinder spielen darunter und erleben dort den Wechsel der Jahreszeiten. Ich kenne das von unseren Kindern, wir haben zwei große Eichen auf unserem Grundstück – und dort saßen sie sehr oft drin und haben sich ganz geborgen gefühlt. Und aus diesem Gedanken heraus haben wir auch die Kinderklinik entwickelt: Dass der Baum der Mittelpunkt ist“, beschreibt Thomas Jansen, Geschäftsführer des Architekturbüros TSJ.

Der Baum als Spiel- und Rückzugsort

Von weitem merkt man dem Gebäude, das die Form von drei ineinander verschachtelten Rechtecken hat, diesen Umstand allerdings nicht an. Erst wer vor dem Haupteingang steht, kann durch die Fensterfront der Eingangshalle hindurch auf einen großzügig angelegten Innenhof schauen – in dessen Mitte eine kräftige Hainbuche steht. „Obwohl man eigentlich um den Baum herum gebaut hat und er daher nur von innen zu sehen wäre, kann man ihn Dank der bodennahen Fenster des Innenhofes auch von außen sehen. Das erzeugt ein sehr schönes Flair und vermittelt Besucher und Patienten den Eindruck eines Gebäudes, das sich der umgebenden Natur öffnet“, berichtet Sonja Spahl, Pflegerische Zentrumsleiterin des Kinder-UKE. Der Innenhof mit seinem Baum dient zunächst als Blickfang. Da er begehbar ist, lässt sich der Baum aber auch anfassen und ist so gleichzeitig ein Spiel- und Rückzugsort. „Der Baum steht im Mittelpunkt des neuen Hauses – die Kinderklinik wächst um ihn herum. Er ist gleichzeitig ihr Leitbild, Orientierungssystem und roter Faden“, ergänzt Thomas Jansen.

Viel Natur und Tageslicht

Der Weg durch das Haus, das 69,5 Millionen Euro gekostet hat, durch 23,5 Millionen Euro Spendengeldern und 20 Millionen Euro städtischen Fördermitteln finanziert wurde, wird von viel Tageslicht bestimmt. Die Eingangshalle ist in allen drei Stockwerken durch Foyers geöffnet. Auch in den Stationen und Patientenzimmern können die kleinen Patienten durch große, bodennahe Fenster nach draußen in die Natur und den Innenhof schauen. „Dieser Blick in die Natur beruhigt und gibt Hoffnung, wenn man etwa die Jahreszeiten oder auch die Vögel und Eichhörnchen im Baum beobachten kann. Man ist hier also trotz der Krankheit nicht abgeschnitten von der Welt, sondern sieht, dass das Leben auch weiter geht“, so Spahl. Damit Kinder sich auch innerhalb des Gebäudes freier bewegen können, gibt es hier – neben mit Holzfußböden ausgelegten Balkonen und Dachterrassen – auf allen Stationen außer der Intensivstation spezielle Spielzimmer, die ihrem Bewegungsdrang Rechnung tragen. „Bei der Konzeption des Gebäudes war uns sehr schnell klar, dass es nicht nur bloß ein Krankenhaus sein darf. Da wir viele Patienten haben, die über einen sehr langen Zeitraum bei uns sind, sollte es auch zu einem kleinen Stück Heimat oder eben einem zweiten Zuhause werden“, so Sonja Spahl. Deshalb wurden im Gebäudeentwurf insgesamt 23 besondere Räume eingeplant. Für deren Gestaltung hat das UKE nicht nur das Team der Kinderklinik eingebunden, sondern auch Ärzte und Erzieher aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE befragt. Selbst Expertenwissen von Reiseunternehmen und Museumspädagogen ist hier eingeflossen. Daraus sind Spielzimmer entstanden, deren Inneneinrichtung Kindergärten in nichts nachstehen und sogar unterschiedlichen Altersstufen gerecht werden.

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie ab 3. November 2017 in kma Ausgabe 11/17 oder digital auf der Thieme Zeitschriftenplattform Thieme Connect.

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  • UKE
  • Kinderklinik
  • Neubau
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