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kma im InterviewWie Healing Architecture im Krankenhaus Ärzte unterstützen kann

Wie offen sind die Klinikbetreiber dafür?

Meinen Sie in der Theorie oder in der Praxis? Aber mal im Ernst, ich bin überzeugt, dass sich jeder Betreiber für sein Personal und seine Patienten die beste räumliche Lösung wünscht. Doch in der praktischen Umsetzung führen dann diverse Zwänge oft zu der zweitbesten Lösung. Wenn wir zum Beispiel sagen, dass durchgängig Einbettzimmer geplant werden sollten, da so Infektionsrisiken vermieden werden können, Schlafverhalten verbessert wird, Genesungsprozesse somit schneller verlaufen und so unterm Strich auch finanziell ein besseres Versorgungsergebnis erzielt wird, so leuchtet das in der Theorie zwar ein. Die notwendige Mehrinvestition in eine größere Bausumme wird aber dennoch nicht gerne geleistet oder kann nicht geleistet werden.

Wie geht es weiter? Bleibt Healing Architecture ein Nischenbereich?

Wir brauchen mehr Forschung in dem Bereich. Je besser wir Erkenntnisse über Wechselwirkung zwischen Raum und Gesundheit mit Daten und Zahlen untermauern können, desto mehr Gewicht bekommen sie in der Auseinandersetzung mit Bauherren und Behörden.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Mit unserem Büro planen und realisieren wir derzeit mehrere große Projekte in Deutschland, Europa und Asien. Am schon erwähnten Kantonsspital in Baden (CH) haben wir vor einigen Monaten den Spatenstich gefeiert. In Hamburg planen wir derzeit auf dem UKE-Campus das neue Herzzentrum und am Uniklinikum München die Haunersche Kinderklinik. In China entsteht das Shenzhen Nr.2 Children’s Hospital, ein Haus mit tausend Betten, also etwas anderen Dimensionen als denen, die wir in Deutschland gewohnt sind. Und wir entwickeln in Indonesien in Kooperation mit privaten Investoren ein neues Konzept für modulare Krankenhäuser der Minimalversorgung. Das ist ein Projekt, von dem ich mir viel Input für die Zukunft verspreche. Da ich mich auch weiter in Forschung und Lehre im Bereich Architektur im Gesundheitswesen engagieren möchte, habe ich das European Network Architecture for Health, kurz ENAH, gegründet. Derzeit bereiten wir eine Summer School an der TU Berlin vor und planen das 8. Symposium in der Reihe Health Care der Zukunft. Es findet am 6. März 2020 in Berlin statt und bringt Architekten, Mediziner und Entscheider im Gesundheitswesen an einen Tisch.

Wie sieht Ihr Krankenhaus der Zukunft aus?

Das Krankenhaus der Zukunft ist modular und flexibel, patienten- und mitarbeiterfreundlich und digital vernetzt. Nicht alle dieser Kriterien können von der Architektur beeinflusst werden, doch als Architekt sollte man sich ihrer stets bewusst sein.        

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