Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Dr. Ruth Hecker

Zentral für eine gute Gesundheitsversorgung ist die Sicherheit von Patientinnen und Patienten. Für ihre Belange setzt sich Dr. Ruth Hecker, Chief Patient Safety Officer (CPSO) am Universitätsklinikum Essen und Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit (ASP), ein.

Dr. Ruth Hecker
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Dr. Ruth Hecker, Chief Patient Safety Officer am Universitätsklinikum Essen und Vorsitzende Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Zur Zeit arbeite ich natürlich viel im Homeoffice. Wenn ich ins Büro fahre nutze ich die Zeit und telefoniere auf der Autofahrt schon mit der Geschäftsführerin des Aktionsbündnis Patientensicherheit. Wir stimmen den Tag und am Montag auch die laufende Woche ab. Im Büro an der Uniklinik Essen angekommen, gehe ich in der Regel erst einmal bei allen anwesenden Mitarbeitenden vorbei. Bei dieser Gelegenheit gibt es auch schon den ersten Austausch zu den dringend zu erledigenden Arbeiten oder ein gegenseitiges Update zum Stand der Dinge der verschiedenen Themen. Dieser enge Kontakt mit den Mitarbeitenden ist mir sehr wichtig.

Im Moment sitze ich viel in Videomeetings, erledige Emails und führe Telefonate. Ich versuche mir zwischendurch immer eine Pause zu nehmen. Mein Büro liegt direkt am Gruga Park, eine tolle Gelegenheit für einen Spaziergang. Nach dem Abendessen gibt es in der Regel noch einmal eine intensive Zeit für das APS.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Meine Stärke ist das Handeln. Ich diskutiere auch sehr gerne Inhalte aus, ich werde aber unglaublich ungeduldig, wenn die Argumente sich wiederholen und keine Bereitschaft vorhanden ist einer Lösung näher zu kommen. Der wertschätzende Umgang mit meinen Kollegen ist mir sehr sehr wichtig. Wertschätzung wird auch gezeigt, wenn die Sichtweisen und Erfahrungen anderer gehört und beachtet werden. Das ist in der eigenen Familie wichtig, gleichermaßen im Berufsleben. Das Netzwerk des Aktionsbündnis Patientensicherheit lebt von dem wertschätzenden Miteinander und der Idee, dass wir alle voneinander lernen können. Das Vorleben von Kooperation statt Konkurrenz im Kleinen weist den Weg für größere Netzwerke.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Die Machtverhältnisse im Gesundheitswesen sind verteilt und alle haben sich auf den Plätzen gut eingerichtet. Auf diesen Plätzen gibt es zu viele Bewahrer und zu wenig mutige Entwickler. Mir fehlt es an Ehrlichkeit in der Gesundheitsbranche, Dinge zum Wohle der Patienten wirklich ändern zu wollen. Die Zukunft ist eine wertorientierte und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung mit mehr Wertschöpfung für die Patienten.

Die Regionalität wird hierbei eine große Rolle spielen. Dazu gehört es auch die Dinge ehrlich anzusprechen, die nicht funktionieren. Sehr schnell sind wir dann auch beim Thema Über- und Unterversorgung. Wenn Patientensicherheit und Patientenorientierung die leitenden Ziele und Entscheidungskriterien wären, dann würden wir zum einen die Bedarfe und Belange der Patienten und zum anderen auch die der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen sehr viel ernster nehmen. Wir brauchen einen transparenten Qualitätswettbewerb statt Preiswettbewerb. Das erfordert sehr viel Mut und Ehrlichkeit.

So sind zum Beispiel Patient Reported Outcomes Measures und Patient Reported Experience Measures geeignete Instrumente, die gut neben anderen Kriterien bundesweit einheitlich genutzt werden könnten.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Ich glaube, dass wir in Deutschland mit der Bildung von Zentren und den dort arbeitenden multiprofessionellen und interdisziplinären Teams einen guten und erfolgreichen Weg gegangen sind. Die Gesundheitsbranche könnte aber noch sehr viel mehr von anderen Branchen lernen, zum Beispiel was Mitarbeiterführung und Entwicklung anbetrifft oder die "Kundenorientierung", ebenso auch die Integration von digitalen Tools und künstlicher Intelligenz. Hier ist auch die Industrie gefragt, die bei der Produktentwicklung viel viel früher die direkten Anwender mit einbeziehen sollte.

Haben Sie ein Vorbild?

Nein, eigentlich nicht. In meinen unterschiedlichen Lebensphasen habe ich immer wieder beeindruckende Frauen kennen gelernt, von denen ich menschlich und fachlich eine Menge gelernt habe. Die Vorbilder sind überall, man muss nur mutig und ehrlich sich selbst gegenüber sein.

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