Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Joachim Prölß

Exzellenz in der Pflege und exzellente Patientenversorgung gehören für Joachim Prölß, Vorstand und Direktor für Patienten- und Pflegemanagement am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), zusammen. Auch sein aktuelles Projekt am UKE „journey to magnet“ soll diese Agenda voranbringen.

Joachim Prölß
UKE/Composed by Thieme

Joachim Prölß, Direktor für Patienten- und Pflegemanagement sowie Vorstand am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

 

Was macht Ihren Beruf zu Ihrer Berufung?

Berufung ist ja vielleicht ein zu großes Wort. Ich mache meine Arbeit im UKE mit viel Leidenschaft. Das Miteinander in einem tollen Team, in dem jeder unglaublich engagiert Vollgas gibt, begeistert mich jeden Tag neu. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel: die exzellente Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Dabei müssen wir auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die Ökonomie in eine gute Balance bringen. Das ausgewogen hinzubekommen treibt mich an.

Wann und wie wurde Ihr Interesse an der Gesundheitsbranche geweckt?

Schon während der Schulzeit bin ich mit einer sehr engagierten ehrenamtlichen Gruppe in Kontakt gekommen. Wir haben geistig behinderte Erwachsene betreut. Das hat mein Interesse für die Krankenpflegeausbildung geweckt und ich bin dann mit sehr hoher Motivation und viel Empathie in den Beruf gestartet. Die Branche Gesundheit beziehungsweise Krankenhaus hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich Verantwortung übernehmen möchte und Gestaltungsspielraum brauche.

Was muss sich in der Gesundheitsbranche ändern und warum? 

„Gesundheit“ ist als wesentliche öffentliche Daseinsvorsorge eine tragende Säule unseres Sozialstaates. Soziale Faktoren und Effizienz beziehungsweise Effektivität dürfen sich nicht ausschließen, müssen aber in ein funktionierendes Gleichgewicht gebracht werden. Aus meiner Sicht müssen der Qualitätsgedanke und der Wettbewerb um Qualität deutlich an Zuwachs gewinnen. Wir brauchen mehr valide Qualitätsfaktoren, die aus der Sicht der Patient:innen gedacht sind.

Ein aktuelles Thema besorgt mich: Der Leiharbeitnehmermarkt wächst und wir werden als Klinik zunehmend erpressbar, teilweise astronomische Kosten zu zahlen. Es gibt in Deutschland im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz den sinnvollen „Equal Pay“-Grundsatz, der muss unbedingt in beide Richtungen gelten.

Wie stellen Sie sich Ihren Beruf in 20 Jahren vor?

Wenn ich die Frage auf alle Berufe im Krankenhaus beziehen darf, stelle ich mir gerne vor, dass in 20 Jahren die Teams sehr respektvoll, hierarchie-arm und konsequent patienten-orientiert zusammenarbeiten. Die Digitalisierung ist weit entwickelt und fördert optimale Prozesse und schafft damit Spielräume für ausreichend Zeit für die Patientenversorgung. Die Berufe im Krankenhaus werden zu den sichersten und beliebtesten überhaupt gehören.

Was darf für einen erfolgreichen Tag nicht fehlen?

Für einen erfolgreichen Tag brauche ich viele Begegnungen mit Austausch, Diskussionen und Ringen um gute Ergebnisse. Die Corona-Pandemie hat mehr denn je gezeigt: es gibt für jedes Problem eine gute Lösung, aber es geht nur, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen und sich jeder auch mal zurücknimmt. Wenn wir das hinbekommen, sind alle Tage erfolgreich.

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