Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Lucas Thieme

Stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit könnte mehr junge Ärztinnen und Ärzte für ländliche Gebiete begeistern, sagt der amtierende Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (Bvmd), Lucas Thieme.

Lucas Thieme
Tim Schwarz/Composed by Thieme

Lucas Thieme, Präsident 2021 der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Da ich nebenbei im Gesundheitsamt angestellt bin, bin ich den Tag über entweder in der Universität/in Online-Vorlesungen oder im Gesundheitsamt bei der Arbeit. Ich komme anschließend nachmittags bis abends nach Hause und habe dann noch einige online Meetings. Nebenher erledige ich außerdem meine E-Mails.
Natürlich gibt es ab und zu auch weniger stressige bzw. freie Tage, an denen ich gerne zum Ausgleich spazieren gehe, Sport mache, Schach spiele oder Klavier übe.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Viele meiner persönlichen Ziele haben Auswirkungen, die mich selbst nicht mehr betreffen werden. Ein Beispiel dafür ist die neue Ärztliche Approbationsordnung, die nach ihrem Beschluss die meisten Veränderungen erst zum Jahr 2025 einführt. Mein Studium werde ich bis dahin längst beendet haben. Ich setze mich dafür ein, das Medizinstudium und die Gesundheitsversorgung der Zukunft zu gestalten - nicht nur für mich selbst, sondern für jeden Menschen in Deutschland!

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Viele Themen haben momentan nicht ausreichend Präsenz in der öffentlichen Diskussion, die aber letztendlich für die Patientenversorgung essenziell sind. Dazu gehört insbesondere die interprofessionelle Lehre und Zusammenarbeit, die unsere Patientinnen und Patienten stärker in den Mittelpunkt der Versorgung rücken. Darüber hinaus lehrt uns die Pandemie, dass trotz unseres gut ausgebauten Gesundheitssystems unser Land sowie die Strukturen der Öffentlichen Gesundheit größere Beachtung benötigen.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Ich sehe einen sehr großen Vorteil in der stärkeren Verknüpfung der ambulanten und stationären Versorgung. Das aktuelle Defizit an Landärztinnen und Landärzten zeigt, dass es an struktureller Attraktivität mangelt. In Strukturen wie Medizinischen Versorgungszentren, die auch in ländlichen Gebieten eine zentrale Anlaufstelle für Gesundheit wie Krankheit darstellen, kann durch interprofessionelle Zusammenarbeit und eine neue Perspektive ambulanter Versorgung mit der Integration klinischer Aspekte eine spannende Perspektive für junge Ärztinnen und Ärzte geschaffen werden.

Haben Sie ein Vorbild?

Ja, nur ist es keine bestimmte Person. Sowohl auf meiner Arbeit, als auch im Alltag gibt es viele Menschen, von denen ich eine Menge lernen kann und zu denen ich deshalb auch aufsehe. Am Ende jedes Tages reflektiere ich, was an diesem Tag passiert ist und ein Aspekt der Reflektion ist „Etwas, das ich heute gelernt habe - und von wem“. Dadurch habe ich gemerkt, wie viele Vorbilder mit verschiedenen Eigenschaften mir tagtäglich begegnen und für jede dieser Begegnungen bin ich sehr dankbar!

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