Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Max Tischler

Max Tischler, Facharzt in Teilzeit, Medical Director eines Startups und Sprecher des Bündnisses Junger Ärzte, träumt von der Leitung einer digitalen Praxis, in der alle Mitarbeitenden unabhängig der Profession auf Augenhöhe miteinander arbeiten, sich gegenseitig fortbilden und Wissen weitergeben.

Max Tischler
Daniel Wocinski/Composed by Thieme

Max Tischler, Facharzt für Dermatologie, Medical Director bei „Online Doctor“ und Sprecher des Bündnisses Junger Ärzte.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Aktuell bin ich als angestellter Facharzt für Dermatologie in einer großen Hautarztpraxis in Dortmund tätig, den „Hautärzten am Markt“. Hier arbeite ich in Teilzeit sowohl in der Sprechstunde als auch im operativen Bereich. Die operative Dermatologie mit onkologischen, lasertherapeutischen- und ästhetischen Eingriffen stellt einen meiner Schwerpunkte neben den Systemtherapien z.B. bei Schuppenflechte oder Neurodermitis und der Berufsdermatologie dar. Der Alltag gestaltet sich durch die unterschiedlichen Patienten jeden Alters und vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern sehr abwechslungsreich. Zusätzlich bin ich als Medical Director bei „OnlineDoctor“, dem größten Anbieter für Teledermatologie in Deutschland mit über 600 erreichbaren Hautärztinnen und Hautärzten, tätig. Hier bin ich für die Weiterentwicklung der Plattform verantwortlich, die Tätigkeit erfolgt 100 Prozent remote (im Gegensatz zu der Tätigkeit in der Praxis). Diese Abwechslung aus analoger und digitaler Tätigkeit, aus etablierter Hautarztpraxis und modernem Start-Up motiviert mich jeden Tag aufs Neue!

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Insbesondere im Bereich der Digitalisierung: Im Privatleben ist unser Alltag bereits hoch digitalisiert und die Durchdringung in der Gesellschaft hoch. Schaut man auf das deutsche Gesundheitswesen, sieht dies anders aus. Hier sehe ich meine Aufgabe und meine Ziele in der Vermittlung von digitalen Kompetenzen. Dies gilt genauso für „digital natives“, als auch für bereits lang etablierte Fachärzte. Gremien- und Verbandsstrukturen müssen sich stärker mit der Zukunft auseinandersetzen, junge Ärztinnen und Ärzte müssen an Prozessen und Entscheidungen beteiligt werden. Hierfür braucht es eine stärke Mitsprache nachfolgender Ärztegenerationen, aber auch Interesse an Mitwirkung der jungen Generation. Mein persönliches Ziel ist die Leitung einer modernen, digitalen Praxis, in der alle Mitarbeitenden unabhängig der Profession auf Augenhöhe miteinander arbeiten, sich gegenseitig fortbilden und Wissen weitergeben und so die bestmögliche Therapie für die Patientinnen und Patienten ermöglichen.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Die Rolle der Patientinnen und Patienten wird bei nahezu jedem Thema vernachlässigt. Egal ob beim Blockbuster-Thema digitale Transformation, der Interprofessionalität oder der gemeinsamen Versorgung zwischen ambulantem und stationärem Sektor. Eine große Rolle aktuell spielt auch das Thema Nachhaltigkeit, welches bisher nur vereinzelt angegangen wird. Zu wenig Beachtung und zu wenig praktischen Umsetzungswille auf der Lösungsseite erhalten die Themen Aus- und Weiterbildung, um eine gute Grundlage für die ärztliche Tätigkeit zu schaffen sowie die zunehmende Kommerzialisierung, die eine hohe Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen bewirkt.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

Das Thema Kooperation insgesamt sollte größer geschrieben werden und dies unabhängig eines Fachbereiches oder einer Einrichtung: Durch zunehmendes Wissen, bessere Verfügbarkeit von Informationen und dem Anspruch der Patienten auf eine ganzheitliche Versorgung verschwimmen die Fachgebietsgrenzen insb. im ambulanten Bereich, während stationär es zu einer stärkeren Spezialisierung kommt. Die Kooperation und der „Blick über den Tellerrand“ wird somit in Zukunft wichtiger werden.

Kooperationen im Bereich der Weiterbildung in Form von z.B. Weiterbildungsverbünden sehe ich positiv: Hier wird es den Assistenzärzten ermöglicht, ohne Vertragswechsel in unterschiedlichen Einrichtungen Erfahrungen zu sammeln.

Haben Sie ein Vorbild?

Es fällt mir schwer, eine einzelne Person als Vorbild zu bezeichnen: Angefangen bei meinen Eltern, die mir durch ihre eigene Tätigkeit in der Arztpraxis bereits früh medizinisches Wissen vermittelt haben, habe ich auch in verschiedenen Verbänden, zuallererst im Hartmannbund, viel Unterstützung und Aufklärung erfahren. Entscheidender ist für mich gewesen, anfangs viel zuzuhören und Vorstellungen, Sichtweisen und Einschätzungen verschiedener Meinungsbildner zu sammeln, für mich selber zu sortieren und in den Kontext zur eigenen Meinungsäußerung zu setzen.

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