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Schwere COVID-19-VerläufeFachgesellschaft fordert Erstattung von Remdesivir

Die deutschen Kliniken könnten im kommenden Winter mit einer geringeren Auslastung mit Corona-Patienten rechnen, wenn der Bund die Finanzierung der Behandlung mit Remdesivir sichert. Derzeit bleiben viele Kliniken auf den Beiträgen für die Behandlung sitzen.

Infusion
Anna Jurkovska/stock.adobe.com

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„Antivirale Medikamente wie Ritonavir (Paxlovid®) oder Remdesivir (Veklury®)“, sagt Torsten Bauer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), „bilden die Firewall zur Intensivstation“. Die Auslastung mit Corona-Patienten in deutschen Kliniken könne im kommenden Winter sehr deutlich reduziert werden, wenn der Bund die Finanzierung der Behandlung mit dem Medikament Remdesivir sichere: „Das Mittel Remdesivir – das schwere COVID-19-Verläufe nachweislich deutlich reduziert – würde in allen Kliniken leitliniengerecht eingesetzt werden können“, so die Fachgesellschaft. „Das führt zu weniger COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen und so zu mehr Kapazitäten für andere notwendige Behandlungen“.

Die Kosten für eine frühzeitige Behandlung mit Remdesivir lägen zwischen 2000 und 3000 Euro – je nach Therapiedauer. Auf diesen Beträgen blieben viele Kliniken derzeit allerdings sitzen, sagt Bauer.

Grund: der Wirkstoff sei als neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode noch nicht in das Pauschalabrechnungssystem der Krankenhäuser eingegangen. Deshalb müssen die Kliniken für die Erstattung einen so genannten NUB-Antrag auf zeitlich befristete Vergütung stellen. Die Bearbeitung könne dauern und sei nicht garantiert, sagt Bauer.

Remdesivir ist in Europa seit dem Sommer 2020 für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren zur Behandlung (COVID-19) zugelassen, sofern sie keine invasive Beatmung benötigen. Die Vergütung von Remdesivir über ein NUB-Entgelt entspricht dem Verfahren zur Einführung neuer Arzneimittel in der stationären Versorgung. Die Höhe des NUB-Entgeltes muss zwischen den Krankenhäusern und den Krankenkassen individuell vereinbart werden.

Erst 675 Kliniken haben einen Antrag gestellt

Allerdings hat bislang erst etwas über ein Drittel aller deutschen Kliniken einen Antrag für die Sondervergütung von Remdesivir gestellt. Laut Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) waren es für das laufende Jahr 675 Krankenhäuser. Das NUB-Verfahren für 2023 sei gerade erst am 1. September 2022 gestartet. Bis Ende Oktober befinde man sich in einem laufenden Verfahren, teilt das InEK mit.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft will sich zu dem Thema nicht äußern. Dass die Krankenkassen mit jedem der noch ausstehenden Krankenhäuser eine zeitnahe Vereinbarung treffen können, gilt aber offenbar als unwahrscheinlich. Die DKG hatte verschiedentlich vorgeschlagen, die „NUB-Lücke“ durch die Aufnahme eines Zusatzentgeltes in die Entgeltkataloge zu schließen.

„Wird die Finanzierung von antiviralen Mitteln wie Remdesivir nicht schnellstmöglich zum Beispiel durch Aufnahme eines Zusatzentgeltes in den Entgeltkatalog zugesichert, werden es immer weniger Kliniken einsetzen. Das führt wieder zu mehr schwerwiegenden Coronafällen und mehr Patienten, die wesentlich länger im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das belastet wiederum zwangsläufig die Intensivstationen“, sagt DGP-Präsident Bauer.

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