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Erwünschte KonzentrationImmer weniger Kliniken bieten komplexe OPs an

Bessere Ergebnisse, mehr Sicherheit: Wie der WIdO-Qualitätsmonitor zeigt, führen festgelegte OP-Mindestmengen tatsächlich zur gewollten Zentralisierung. Doch gibt es teils große regionale Unterschiede in der stationären Versorgung.

Ärzteteam in OP-Kleidung über einem OP-Tisch geneigt.
s_l/stock.adobe.com
Symbolfoto

Die Mindestmengen-Regelungen erfüllen ihren Zweck. Seit der Einführung und Anhebung von Untergrenzen für bestimmte Operationen konnten diese zu einer weiteren Reduzierung der an der Versorgung beteiligten Krankenhaus-Standorte und zu einer signifikanten Erhöhung der durchschnittlichen Fallzahlen in den versorgenden Kliniken beitragen. Dies belegt der Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), das jetzt mit Daten für das Jahr 2024 aktualisiert worden ist.

Nicht überall gleich starke Fortschritte

Nur kleine Fortschritte gab es dagegen bei der Steuerung von Krebs-Operationen in Kliniken, die von der Deutschen Krebsgesellschaft als Krebszentren zertifiziert worden sind. Der Qualitätsmonitor macht für insgesamt sechs Indikationen teilweise große regionale Unterschiede in der stationären Versorgung transparent.

Die Zahl der Krankenhäuser sinkt, während die Operationszahlen pro Standort steigen. Sie können damit die notwendige Erfahrung bei diesen hochkomplexen Leistungen sicherstellen.

„Die Einführung und Anhebung der Mindestmengen für Krankenhäuser, die lebensbedrohliche Erkrankungen von Patientinnen und Patienten mit komplexen Operationen behandeln, führen zu dringend notwendigen Effekten: die Zahl der Krankenhäuser sinkt, während die Operationszahlen pro Standort steigen. Sie können damit die notwendige Erfahrung bei diesen hochkomplexen Leistungen sicherstellen und das Risiko für die behandelten Patientinnen und Patienten minimieren“, so Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Dies zeige sich insbesondere bei operativen Behandlungen von vier Arten von Krebserkrankungen.

Konzentrationseffekte bei Krebs-Operationen

Eine deutliche Zentralisierung ist infolge der neuen Mindestmengen-Regelung bei den Brustkrebs-Operationen erkennbar: Während 2020 noch knapp 10.700 Frauen mit Brustkrebs (15,2 Prozent aller Fälle) in Kliniken mit weniger als 100 Fällen pro Jahr operiert wurden, waren es 2024 nur noch 7200 Frauen (9,6 Prozent aller Fälle). Die durchschnittliche jährliche Fallzahl je Klinik erhöhte sich von 122 im Jahr 2020 auf 166 im Jahr 2024. Die Zahl der an der Versorgung beteiligten Kliniken sank in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent (von 575 auf 449 Kliniken). Für Brustkrebs-Operationen ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) 2024 eine Mindestmenge von 50 Fällen pro Jahr eingeführt worden, die 2025 abermals auf 100 Fälle pro Jahr angehoben worden ist.

Bei Lungenkrebs-Operationen, für die seit 2024 eine Mindestmenge von 40 Fällen pro Jahr und seit 2025 von 75 Fällen pro Jahr gilt, war der Konzentrationsprozess noch stärker ausgeprägt als bei Brustkrebs. So wurden 2020 noch ein Drittel aller Fälle (rund 5500 Patientinnen und Patienten) an Klinik-Standorten operiert, die weniger als 75 Lungenkrebs-Fälle pro Jahr vorweisen konnten. 2024 waren es nur noch 12 Prozent (rund 2500 Patientinnen und Patienten). Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 2020 bis 2024 deutlich von 49 auf 71 Fälle pro Jahr. Die Zahl der operierenden Kliniken sank von 372 Standorten im Jahr 2020 auf 294 im Jahr 2024.

Die Datenreihen des Qualitätsmonitors zeigen eindrucksvoll, dass die Mindestmengen ein wirksames Instrument zur Bündelung von Krankenhaus-Leistungen an geeigneten Standorten sind.

Ähnliche Effekte zeigen sich bei komplexen Operationen an der Bauchspeicheldrüse. Für diese Eingriffe galt bis 2023 eine Mindestmenge von zehn Eingriffen pro Jahr. Sie wurde 2024 auf 15 und 2025 auf 20 Operationen pro Jahr angehoben. Während im Jahr 2020 noch rund 2600 Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs (21,1 Prozent aller Fälle) in Kliniken mit weniger als 20 Fällen pro Jahr operiert wurden, waren es laut Qualitätsmonitor im Jahr 2024 noch rund 1200 (10,2 Prozent aller Fälle). Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 26 im Jahr 2020 auf 33 im Jahr 2024. Auch bei dieser Indikation sank die Zahl der an der Versorgung beteiligten Kliniken zuletzt deutlich um etwa ein Viertel (von 479 Standorten in 2020 auf 364 Standorte in 2024).

Bei komplexen Operationen an der Speiseröhre ist die langjährig geltende Mindestmenge von 10 Eingriffen pro Jahr bereits 2023 auf 26 Eingriffe pro Jahr angehoben worden. Hier sind die deutlichsten Veränderungen zu erkennen: 2020 fanden noch mehr als die Hälfte aller Eingriffe (rund 2400 Operationen und damit 54,4 Prozent aller Fälle) in Kliniken ohne Erfüllung der aktuell gültigen Mindestmenge von 26 statt. 2024 waren es nur noch 15 Prozent (rund 600 Operationen). Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik hat sich zwischen 2020 und 2024 fast verdoppelt (von 17 auf 31 Fälle pro Jahr). Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der an der Versorgung dieser komplexen Eingriffe beteiligten Krankenhäuser mehr als halbiert: Sie sank von 271 auf 134 Standorte. 

„Die Datenreihen des Qualitätsmonitors zeigen eindrucksvoll, dass die Mindestmengen ein wirksames Instrument zur Bündelung von Krankenhaus-Leistungen an geeigneten Standorten sind“, so Helmut Schröder. Er erwartet, dass sich durch die Erhöhung der bestehenden Mindestmengen in den nächsten Jahren weitere Konzentrationsprozesse manifestieren, die die Behandlungsergebnisse verbessern und die Patientensicherheit bei diesen komplexen Operationen erhöhen.

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Steuerung in zertifizierte Krebszentren ausbaufähig

Wenig Bewegung gibt es laut Qualitätsmonitor bei der Steuerung von Krebsfällen in Krankenhäuser, die als Krebszentren zertifiziert sind. Nachdem der Anteil der Brustkrebs-Operationen in nicht-zertifizierten Krankenhäusern in den Vorjahren noch deutlicher gesunken war, lag er 2024 – wie bereits im Vorjahr – bei 11 Prozent. 2024 wurden insgesamt 8255 Patientinnen mit Brustkrebs in nicht zertifizierten Zentren operiert. Ein Blick auf den Bundesland-Vergleich im Online-Portal zeigt, dass es in Sachsen-Anhalt einen besonders positiven Trend gab: Hier ging der Anteil der Operationen in nicht zertifizierten Zentren von 27 Prozent in 2023 auf 12 Prozent in 2024 zurück.

Bei den Lungenkrebs-Operationen liegt der Anteil der Fälle, die in Zentren operiert werden, deutlich niedriger als bei Brustkrebs. So wurden 2024 insgesamt 57 Prozent der Behandlungsfälle (11.800 Fälle) in Lungenkrebszentren operiert, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden sind. Im Vergleich zu 2020 (51 Prozent bzw. 9200 Fälle) ist nur ein leichter Trend nach oben zu verzeichnen. 

„Die Verantwortlichen in den Ländern sollten die Zentralisierung von Krebsbehandlungen in zertifizierten Kliniken weiter vorantreiben, denn die Behandlung in diesen Zentren bietet klar belegte Überlebensvorteile für die Patientinnen und Patienten“, so Helmut Schröder. Neben Fallzahlvorgaben müssen die zertifizierten Zentren zahlreiche weitere Kriterien zur Struktur- und Prozessqualität erfüllen und eine leitliniengerechte Behandlung gewährleisten.

Auswertungen zu sechs Indikationen möglich

Das Online-Portal „Qualitätsmonitor“ beleuchtet Struktur- und Qualitätsunterschiede in der Krankenhausversorgung. Es ermöglicht Auswertungen nach verschiedenen Qualitäts- und Strukturindikatoren zu den Indikationen:

  • Herzinfarkt
  • Brustkrebs
  • Lungenkrebs
  • Versorgung von Schenkelhalsbrüchen
  • komplexe chirurgische Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse
  • komplexe chirurgische Eingriffe an der Speiseröhre. 

In Zeitreihen lässt sich die Entwicklung bei verschiedenen Qualitätsthemen anzeigen. Zudem sind regionale Vergleiche zwischen den Bundesländern und Daten zu einzelnen Kliniken abrufbar.

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