
Wie programmieren aggressive Hirntumoren bei Kindern ihren Stoffwechsel um, um zu wachsen und zu überleben? Dieser Frage geht Dr. Sina Neyazi am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg nach. Mit ihrer neuen Arbeitsgruppe zu pädiatrischen hochgradigen Gliomen will sie die metabolischen Schwachstellen dieser Tumoren finden und daraus gezieltere Therapieansätze entwickeln. Die Arbeitsgruppe startete am 1. Juli.
Hirntumoren bei Kindern sind ein Bereich, in dem wir noch sehr viel erreichen müssen.
Hochgradige Gliome zählen zu den schwer behandelbaren Krebserkrankungen im Kindesalter. Trotz großer Fortschritte beim Verständnis der molekularen Veränderungen dieser Tumoren gibt es bisher nur wenige wirksame Behandlungsoptionen. Viele klassische Therapien helfen bei diesen Hirntumoren nur begrenzt oder gar nicht. Für betroffene Kinder und ihre Familien bedeutet die Diagnose deshalb eine enorme Belastung.
Den Tumorzellen die Energie rauben
„Hirntumoren bei Kindern sind ein Bereich, in dem wir noch sehr viel erreichen müssen“, sagt Neyazi. „Mein Ziel ist es, diese aggressiven Tumoren besser zu verstehen – und daraus Grundlagen für wirksamere und individuellere Therapien zu entwickeln.“
Krebszellen nutzen Stoffwechselwege häufig anders als gesunde Zellen, um sich die Energie für ihr schnelles Wachstum zu sichern. Neyazi will herausfinden, welche dieser veränderten Prozesse für das Überleben der Tumorzellen besonders wichtig sind und damit als neue Angriffspunkte für Behandlungen dienen könnten.
Landkarte, Genschere, bekannte Wirkstoffe
Dafür verfolgt die neue Arbeitsgruppe drei eng miteinander verbundene Ansätze. Zunächst will sie eine Art Stoffwechsel-Landkarte der Tumoren erstellen. Im zweiten Schritt nutzt das Team die sogenannte CRISPR-Technologie, mit der einzelne Gene gezielt ausgeschaltet werden können. Der dritte Baustein testet, ob bereits bekannte Wirkstoffe, etwa aus der Behandlung von Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch gegen Stoffwechselprozesse in Hirntumorzellen wirken könnten.
Vielversprechende Ansätze sollen zunächst im Labor an Zelllinien aus Tumorproben und später in präklinischen Modellen weiter untersucht werden. Auch der Einfluss bestimmter Nährstoffe soll dabei geprüft werden.
„Die eine Therapie für alle wird es bei diesen Tumoren wahrscheinlich nicht geben“, sagt Neyazi. „Dafür sind sie zu unterschiedlich und biologisch zu komplex. Aber wenn wir besser verstehen, welche Stoffwechselwege ein Tumor wirklich braucht, können wir künftig gezielter nach passenden Behandlungsstrategien suchen.“
Forscherin mit Harvard-Erfahrung
Sina Neyazi ist Kinderärztin in der Facharztweiterbildung mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen. Ihre grundlagenwissenschaftliche Ausbildung vertiefte sie während eines dreijährigen Forschungsaufenthalts am Dana-Farber Cancer Institute der Harvard University in Boston.
„Mit Dr. Neyazis Arbeitsgruppe stärken wir gezielt die translationale Forschung zu pädiatrischen Hirntumoren. Die Frage, wie diese Tumoren ihren Stoffwechsel nutzen, ist wissenschaftlich hochrelevant – und bisher am Kinderkrebs-Zentrum Hamburg noch nicht systematisch bearbeitet worden. Ich freue mich sehr, dass wir diese Lücke nun schließen", sagt Prof. Ulrich Schüller, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts.
Über das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg
Das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg ist eine gemeinnützige GmbH, alleiniger Gesellschafter ist die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e. V. Neben Spenden bilden kompetitiv eingeworbene Drittmittel die wichtigste finanzielle Grundlage – allein in den vergangenen drei Jahren wurden nach eigenen Angaben 27 Drittmittelprojekte eingeworben, unter anderem von der Europäischen Union, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Krebshilfe.
Über Kooperationsverträge mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Leibniz-Institut für Virologie (LIV) ist das Institut in ein etabliertes Forschungsumfeld eingebunden. Die enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKE soll dazu beitragen, Erkenntnisse aus dem Labor schnell in die klinische Behandlung zu übertragen und Fragen aus dem Klinikalltag direkt in neue Forschungsansätze aufzunehmen.







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