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HerausgebersichtReformjahr 2026 – Transformation ohne Verzahnung scheitert

Die Gesundheitsversorgung im Land ist auf dem Prüfstand: Nur die Verzahnung von Reformen, eine klare Steuerung und konsequente Umsetzung können die Versorgungsqualität und Krisenfestigkeit sichern. Ein Kommentar von Prof. Jens Scholz.

Prof. Dr. Jens Scholz
UKSH
Prof. Jens Scholz ist Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Herausgeber der kma.

Die Gesundheitsversorgung in diesem Land steht unter Druck – und 2026 wird zum Prüfjahr. Nur wenn Reformen endlich gemeinsam gedacht und konsequent umgesetzt werden, kann das Gesundheitssystem stabil bleiben. Jetzt entscheidet sich, ob der Wendepunkt gelingt: Dabei geht es nicht nur um Strukturmaßnahmen, sondern um die systematische Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung und – vor dem Hintergrund der angespannten GKV-Finanzen – um die langfristige Stabilität.

Viel Geld – wenig Gesundheit

Es ist allgemein bekannt, dass wir viel Geld für Gesundheitsversorgung ausgeben, im internationalen Vergleich aber nur ein mittelmäßiges Outcome haben. Deshalb sind künftig klare Strukturen, gezielte Steuerung und Versorgungspfade ein zentraler Ansatz, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie das Gesamtsystem weiterzuentwickeln und auszurichten. Doch es gibt weiterhin Klärungsbedarf zu vielen Fragen rund um Krankenhaus-, Notfallreform oder Primärversorgung.

Die derzeit laufenden Reformvorhaben sollten systematisch verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Die Krankenhausreform kann ihre Wirkung im Zusammenspiel mit der Notfallreform noch deutlich verstärken, wenn Versorgungsaufträge an der Schnittstelle ambulant und stationär klar definiert, Zuständigkeiten geregelt und dadurch Patientinnen und Patienten besser, am besten digital gesteuert werden. Integrierte Notfallzentren, vernetzte Rettungsstellen und Ersteinschätzungsverfahren können dabei zu effizienteren Abläufen und passgenauerer Versorgung beitragen.

Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV ist ohne solcherlei Strukturreformen nicht erreichbar. Wer notwendige Reformen heute scheut, erzwingt weitere Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen.

Politischer Wille gefragt

Ein fragmentiertes System bindet personelle und finanzielle Ressourcen, die im Ernstfall dringend an anderer Stelle benötigt werden. Wir wollen eine hohe Qualität und Versorgungssicherheit – dazu braucht es den politischen Willen, Strukturen zu gestalten. Auch mit Blick auf das Gesundheitssicherstellungsgesetz, das die Resilienz des Systems stärken, es besser auf Krisenlagen vorbereiten und auch unter akuten langanhaltenden Belastungen Gesundheitsversorgung gewährleisten soll.

Reformen wirken nur, wenn Umsetzung und Verzahnung Hand in Hand gehen – für effiziente, hochwertige und krisenfeste Versorgung.

Die zentrale Herausforderung besteht also darin, Qualität und Krisenfestigkeit durch verbesserte Steuerung, engere Koordination und Spezialisierung gemeinsam weiterzuentwickeln. Wenn Reformen also jetzt konsequent umgesetzt, sinnvoll verzahnt und strategisch aufeinander abgestimmt werden, kann die Versorgung in Zukunft effizient und nachhaltig gestaltet werden – und damit zugleich widerstandsfähiger gegenüber Krisen werden. Die Krankenhausreform kann hierfür den Kern einer umfassenden Transformation darstellen. Ihr Erfolg entscheidet sich in der konsequenten Umsetzung auf Landesebene. 2026 muss zu einem Wendepunkt werden.

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