Fragwürdige Therapien für Todkranke

Palliativmediziner wirft Ärzten Geldgier vor

Der Wittener Palliativmediziner Matthias Thöns prangert im "Spiegel" die Geldgier vieler Ärzte an. Sie würden am Sterben verdienen, sagt der 49-Jährige. Todkranke würden therapiert, obwohl es kein Therapieziel mehr gebe.

"Für die Ärzte ist das ein Geschäft, bei dem sie verdienen", sagt Thöns in dem "Spiegel"-Interview. Aus seiner Sicht sei es "eher die Regel", dass Ärzte Patienten falsche Hoffnungen machten, um am Sterben zu verdienen. "Ich erlebe Todkranke, denen eine bestimmte Chemotherapie verordnet wird, obwohl statistisch erwiesen ist, dass sich ihre Lebenszeit nur von 5,93 Monaten auf 6,34 Monate erhöht", sagt der Palliativmediziner, der bei der Debatte um die Sterbehilfe Sachverständiger im Rechtsausschuss des Bundestags war.

 

"Die Pharmaindustrie beteiligt uns am Umsatz"

Hintergrund sei die Gier vieler Ärzte, so Thöns. Durch einen geschickten Schachzug der Hersteller würden sie an Therapien verdienen. "Die Pharmaindustrie beteiligt uns Ärzte quasi am Umsatz." Würden bestimmte teure Medikamente verschrieben, sei der Patient oft Teilnehmer einer Studie der Firma, sagt Thöns in dem Interview. Dafür bekomme der Arzt im Durchschnitt 670 Euro pro Patient. Für einige Therapien würden auch 7.000 Euro bezahlt. "Wenn Sie als Arzt zehn solcher Patienten haben, bekommen Sie eine kleine Wohnung dafür", sagt Thöns. Aus seiner Sicht müsse das eine Straftat sein "das ist Bestechung".

Thöns geht noch weiter und kritisiert, Chefärzte würden finanziell an Eingriffen, Herzoperationen und Dialysen beteiligt. "Etwa 40 Prozent von ihnen geben sogar zu, hier und da mal zu operieren, wo es gar nicht nötig ist", behauptet der 49-Jährige. Die Hälfte der Gesundheitskosten falle im letzten Lebensjahr der Menschen an: "Da machen alle den besten Umsatz."

Zwar müsse jedem, dem wirklich geholfen werden kann auch geholfen werden "egal, was es kostet", betont Thöns: "Was in der modernen Medizin geschieht, ist aber oft eher unmenschlich. Es hilft den Sterbenden nicht, bringt weder Zeit noch Lebensqualität. Es bringt nur Leid."

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