Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Clemens Tepel

Viele Regularien, schwieriger Zugang zu Startkapital und nicht immer offene Türen für neue Technologien machen es deutschen bzw. europäischen Startups zum Teil nicht leicht. Das weiß auch DeepSpin-Gründer und -CEO Clemens Tepel.

Clemens Tepel
DeepSpin/Composed by Thieme

Clemens Tepel, Co-Founder & CEO von DeepSpin, die mit KI-gestützten MRT-Bildgebungsgeräten den Medizintechnikmarkt aufmischen.

Was macht Ihren Beruf zu Ihrer Berufung?

Ich hatte schon immer großes Interesse daran, Technologien zu entwickeln, die einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft haben.
Bei DeepSpin machen wir genau das. Wir entwickeln portable und kostengünstige MRT-Systeme und versuchen dadurch diese lebensrettende Technologie universell zugänglich zu machen. Neben der Übereinstimmung von persönlicher Mission und Unternehmensmission ist es außerdem eine meiner Stärken, anderen komplexe Technologien näher zu bringen. Als CEO ist genau das eine meiner Kernaufgaben: Ärzten, Patienten und Investoren aufzeigen, wie Point-of-Care-MRT einen Quantensprung für die Patientenversorgung bedeuten kann.

Wann und wie wurde Ihr Interesse an der Gesundheitsbranche geweckt?

Neben meiner Begeisterung für Technologie hatte ich schon während meiner Schulzeit ein großes Interesse an Medizin, auch wenn ich mich letztlich zunächst für ein Maschinenbaustudium entschieden habe.
Als mein Mitgründer Pedro Silva mir dann vor zwei Jahren von seiner Idee erzählte, war ich sofort davon gepackt.

Was muss sich in der Gesundheitsbranche ändern und warum?

Zunächst will ich festhalten, dass wir in Deutschland und Europa viele Dinge richtig machen: Wir haben global führende Kliniken, einen hervorragenden Talentpool und in der Medizintechnik innovative etablierte Unternehmen.

Um allerdings auch beim Entwickeln und Überführen von neuen Innovationen in den klinischen Alltag führend zu werden, sollten wir speziell drei Themen angehen:
1. Regulatorische Eintrittshürden für neue Technologien reduzieren (Stichwort EU MDR)
2. Den Zugang zu (Risiko-) Kapital für Startups in der Frühphase verbessern. Amerikanische oder chinesische Medizintechnikneugründungen haben hier durch mehr risikoaffine Investoren und somit besseren Zugang zu Kapital immer noch einen Startvorteil.
3. Offenheit für neue Technologien und Innovation stärker als Wert verankern; also auch in der Breite, in allen Krankenhäusern und Arztpraxen, und nicht nur in der Forschung und an Unikliniken.

Wenn wir diese drei Themen angehen, stehen unsere Chancen nicht schlecht, dass die nächsten bedeutenden Innovationen in der Gesundheitsversorgung aus Europa kommen.

Wie stellen Sie sich Ihren Beruf in 20 Jahren vor?

Wenn wir bei DeepSpin erfolgreich sind, wird es in 20 Jahren in jedem Krankenhaus weltweit ein MRT-System geben und MRT kein Luxus ausschließlich für reiche Länder sein. Und auch in Ländern, in denen die Technologie bereits heute zugänglich ist, werden durch verkürzte Wartezeiten, geringere Kosten und neue Anwendung der MRT, z.B. in der Krebsvorsorge und der interventionellen Radiologie Millionen von Patienten von besseren Outcomes profitieren.

Meine Rolle ist dann wahrscheinlich deutlich strategischer und weniger operativ als heute. Außerdem habe ich vor etwas zurückzugeben und die nächste Generation an Unternehmern zu coachen und beim initialen Kapitalbedarf als Angelinvestor zu unterstützen. Denn auch wir wären ohne unsere Mentoren, Investoren und Unterstützer nicht da, wo wir sind. Und auch in 20 Jahren wird es Unternehmer brauchen, die das Potenzial neuer Technologien für das Lösen echter klinischer Bedarfe erkennen und die Technologien dann von einem frühen Forschungskonzept in den klinischen Alltag bringen können, wo sie Millionen von Menschenleben positiv beeinflussen.

Was darf für einen erfolgreichen Tag nicht fehlen?

Da bei uns als Startup jeder Tag anders aussieht, gibt es nicht das eine Element, das einen erfolgreichen Tag ausmacht. An einem Tag liegt mein Fokus auf der Unternehmensstrategie, an einem anderen auf Recruiting oder Finanzierung, am nächsten auf der Technologieentwicklung und an wieder einem anderen auf der klinischen Anwendung unseres Systems.

Was mir allerdings bei allen Themen wichtig ist, ist Austausch. Sei es mit klinischen Partnern, Ärzten, Patienten, Industrieexperten, Investoren, Bewerbern oder mit Kollegen. Denn nur im offenen Austausch finden wir die besten Lösungen, um unsere ambitionierte Mission Wirklichkeit werden zu lassen.

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