Georg Thieme Verlag KG

Serie5 Fragen an Pia Graß

Pia Graß, Managerin Public Affairs Medizintechnik beim ZVEI, hält nicht nur die Verzahnung von Medizin- und Informationstechnik für unerlässlich, sondern auch die „Health In All Policies“ Strategie der WHO.

Pia Graß
ZVEI/Composed by Thieme

Pia Graß, Mangerin Public Affairs Medizintechnik beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI).

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Den gibt es eigentlich nicht. Meine Arbeit ist sehr vielfältig und häufig passieren auch Dinge unerwartet oder kurzfristig. An einigen Tagen habe ich viele Gremien- und Arbeitsgruppensitzungen mit den Mitgliedern unseres ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik oder externen Partner, zu den unterschiedlichsten Themen. An anderen Tagen lese ich vielleicht einen neuen gesundheitspolitischen Gesetzentwurf und bespreche mit meinem Team unsere Kommentierung. Besonders mag ich aber, dass ich ­– wenn nicht gerade Pandemie ist – nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern auch viel unterwegs sein kann, z.B. bei Netzwerk-Treffen oder Branchen-Veranstaltungen. Ich mag es, wenn die Zeit es erlaubt, morgens eher ruhig in den Tag zu starten mit den aktuellen Nachrichten aus Deutschland und der Welt, einem Kaffee und kurzen Plausch mit Kolleginnen und Kollegen. So tanke ich am besten Energie und Gelassenheit für den Tag – das ist eine Angewohnheit, die ich wahrscheinlich auch aus meiner Masterarbeitszeit in Nepal mitgenommen habe.

Wo wachsen Ihre persönlichen mit gesellschaftlichen Zielen zusammen?

Ein gesellschaftliches Ziel, das mir auch privat sehr am Herzen liegt ist die Nachhaltigkeit – und das meine ich zum einen im Sinne der Umwelt: Ich bin in der Nähe des berühmten Braunkohle-Tagebaus Hambacher Forst aufgewachsen und hatte dadurch früh Berührungspunkte mit der Thematik. Aber ich meine das auch in Bezug auf die Entwicklung nachhaltiger Prozesse und Lösungen z.B. in der Politik oder im Arbeitsumfeld. Ich finde es wichtig, den Blick immer in die Zukunft zu richten und zu überlegen: Wie wollen wir in Zukunft leben und welche Veränderungen braucht es dafür jetzt, und was kann ich persönlich dazu beitragen? Zum Beispiel: Wie schaffen wir es, dass mehr Frauen in Führungspositionen im Gesundheitsbereich und in Speakerrollen aktiv sind? Das fängt ganz simpel damit an, dass ich mir, wenn ich mal von einer Expertin innerhalb meiner Branche lese, die ich noch nicht kannte, den Namen notiere und diesen für den Fall eines Events parat habe oder anderen weitergeben kann.

Welches Thema erhält zu wenig Beachtung in der Gesundheitsbranche?

Auch wenn das Thema „Digitalisierung“ wohl das Buzzword schlechthin bei allen Gesundheitsevents ist und in den vergangenen Jahren hier schon einiges passiert ist, denke ich, dass dieses Thema dennoch zu wenig Beachtung findet. Und zwar in dem Sinne, das wir uns meiner Meinung nach noch zu häufig auf „Mini-Nischendigitalisierung“ in einzelnen Bereichen fokussieren, aber die große ganzheitliche digitale Transformation in der Gesundheitsversorgung, die auch alle Akteure mitnimmt, ausbleibt. Klar, irgendwo müssen wir anfangen und das ist gut so. Doch am Ende hat das Thema Digitalisierung für mich erst „genug“ Beachtung gefunden, wenn es kein Buzzword mehr auf Panels ist. Erst dann, wenn es einfach Normalität ist und z.B. unnötige Doppeluntersuchungen oder Vielfachanamnesen zur Seltenheit gehören, die Potenziale der Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung vollumfänglich ausgeschöpft werden und wenn Telemonitoring in der Regelversorgung ganz selbstverständlich ist. In der E-Health-Allianz bestehend aus acht Verbänden der industriellen Gesundheitswirtschaft setzten wir uns genau dafür ein - für ein nationales E-Health-Zielbild.

Gibt es Fachbereiche, die stärker kooperieren sollten?

In meiner Arbeit im ZVEI erlebe ich, wie wichtig es ist, dass die Bereiche Medizintechnik und Informationstechnik noch stärker organisatorisch zusammenwachsen, damit sinnvolle Digitalisierung möglich ist. In vielen Krankenhäusern besteht hier noch eine klassische Trennung. Es ist mir aber auch generell ein großes Anliegen, dass das Thema Gesundheit mehr im Fokus aller politischen Entscheidungen steht (nach dem Ansatz der WHO „Health In All Policies“) und mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit stattfindet. Deshalb bin ich auch Mitglied bei den beiden interdisziplinären Netzwerken Hashtag Gesundheit und dem Global Health Hub Germany.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe kein direktes Vorbild im klassischen Sinne, es gibt aber einzelne Personen, die ich für bestimmte Eigenschaften oder Taten bewundere: Das sind zum Beispiel Menschen wie Melanie Brinkmann oder Mai Thi Nguyen-Kim, die in der Pandemie wissenschaftliche Aufklärungsarbeit leisten und sich dabei nicht von Hass und Hetze einschüchtern lassen. Aber auch meine Schwester: Sie ist Assistenzärztin in der Anästhesie und bemüht sich außerordentlich, dass ihre Patientinnen und Patienten sich vor Behandlugen immer gut aufgeklärt fühlen.

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