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MaßnahmenprogrammMedizintechnik in Deutschland muss gestärkt werden

Der ZVEI hat zusammen mit deutschen Medizintechnik-Verbänden das „Zielbild Medizintechnik 2025“ formuliert. Zwei konkrete Maßnahmen werden von der neuen Bundesregierung gefordert.

Medizintechnik
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Über 100 000 Beschäftigte zählt die Medizintechnikbranche in Deutschland und erzielt mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes im Exportgeschäft. Deutschland gehört damit zu den weltweit führenden Anbietern. Um diese Position beibehalten zu können, wird eine deutliche Stärkung gefordert.

Der ZVEI hat in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden der Medizintechnikindustrie in Deutschland ein „Zielbild Medizintechnik 2025“ ausgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen zwei Herausforderungen, die von der neuen Bundesregierung gezielt angegangen werden sollen:

  1. Die Entwicklung und Fertigung von Medizintechnik in Deutschland und Europa muss gestärkt und mit der digitalen Transformation der Gesundheitsversorgung verbunden werden.

    Ein wichtiger Schritt sind klare und verbindliche Regeln zur Nutzung von Gesundheitsdaten für die industrielle Forschung und Entwicklung im Bereich Gesundheit. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen in Deutschland erfolgreich innovative digitale Anwendungen für die Gesundheitsversorgung entwickeln. Dabei muss die Beachtung des Datenschutzes und der Anforderungen der DSGVO auch in Deutschland kein Hindernis für die Arbeit mit Gesundheitsdaten sein. Andere Mitgliedstaaten der EU zeigen, dass beides miteinander vereinbar ist.

    Ergänzend dazu braucht es neue Wege und Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Industrie und medizinischer Forschung. Denn für Medizinprodukte müssen in immer größerem Umfang klinische Daten aus der medizinischen Anwendung erhoben und bewertet werden. Das gilt insbesondere für innovative digitale Produkte und Anwendungen. Damit diese Daten begleitend zur Entwicklung gesammelt und ausgewertet werden können, müssen in der Industrie und der medizinischen Forschung Fähigkeiten entwickelt und rechtssichere Finanzierungswege gefunden werden.

  2. Bei neuen regulatorischen Herausforderungen muss die Medizintechnikbranche wirkungsvoll unterstützt werden.

    Der Geltungsbeginn der neuen EU-Verordnung für Medizinprodukte (MDR) stellt die gesamte Branche in allen Mitgliedstaaten der EU vor große Herausforderungen. Alle Bestandsprodukte müssen einer neuen Konformitätsbewertung nach den Anforderungen der MDR unterzogen werden. Das gilt auch für Produkte, die sich in der medizinischen Anwendung bereits seit vielen Jahren bewährt haben. Dabei sind viele praktische Fragen zur Anwendung der neuen Verordnung noch unklar. Neben dem zusätzlichen Bedarf an Zeit und Personal müssen die Hersteller auch hier neue Fähigkeiten für die Umsetzung der neuen Forderungen aufbauen. Die Medizintechnikbranche braucht deshalb pragmatische Regelungen zum Umgang mit den Anforderungen der MDR und Unterstützung bei der Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter für die zusätzlichen Aufgaben.

Um diese beiden zentralen Herausforderungen zu meistern, müsse die nächste Bundesregierung koordiniert und ressortübergreifend handeln, heißt es in der Mitteilung des ZVEI. Nur gemeinsam könnten die Ressorts für Wirtschaft, Forschung und Gesundheit darauf hinwirken, dass Deutschland weiterhin zu den international attraktivsten Standorten für die Medizintechnikbranche zählt, sowie seine Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit erhält und ausbauen kann.

Nur so könne es im Jahr 2025 in Deutschland eine forschungsstarke, leistungsfähige, wirtschaftlich gesunde und international wettbewerbsfähige Medizintechnikbranche geben, deren Unternehmen innovative Produkte entwickeln und produzieren sowie auf dem Heimatmarkt und international erfolgreich vermarkten, weil in Deutschland und der EU die richtigen Rahmenbedingungen herrschen.

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