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Neonatologie am UKBDas „Baby-MRT“ kommt auf Rollen auf die Station

Die Neonatologie des Universitätsklinikums Bonn setzt zur Diagnostik bei Früh- und Neugeborenen neuerdings ein mobiles MRT ein. Es macht dringend notwendige Untersuchungen direkt auf der Station möglich.

Mobiles MRT, UKB, Dr. Hemmen Sabir
J. F. Saba/Universitätsklinikum Bonn

PD Dr. Hemmen Sabir (r.) untersucht ein Neugeborenes mit dem mobilen MRT und erhält die Bilder über ein Tablet.

Der erste Patient war ein Neugeborener, bei dem nach der Geburt eine Hirnblutung aufgetreten war. Für seine Untersuchung nutzte PD Dr. Hemmen Sabir Anfang August ein mobiles MRT-Gerät (Magnetresonanztomographie). Der Einsatz war nicht nur für den Oberarzt der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) und sein Team eine Premiere – laut UKB wird das mobile MRT bislang an keiner anderen deutschen Klinik und europaweit nur noch in London eingesetzt.

„Wir untersuchen damit extreme Frühgeborene, Frühgeborene und Neugeborene nach Sauerstoffmangel bei der Geburt sowie Kinder mit Hirnschädigungen und Fehlbildungen“, erklärt Sabir. Auch eine Tumordiagnostik sei möglich.

Bill-Gates-Stiftung finanziert das Projekt

Durch seine Forschungsarbeit hat der Bonner Oberarzt Kontakte zur Bill-Gates-Stiftung, die das Projekt finanziert und diese Diagnostik derzeit in Bonn und London klinisch erproben lässt. Am Markt sei das Gerät noch nicht verfügbar, sagte eine UKB-Sprecherin auf Anfrage von kma. Für die Zukunft plane die Stiftung die Förderung mobiler MRTs für den Einsatz in Entwicklungsländern, um dort medizinische Standards zu erhöhen.

Die mobile Bildgebung ist speziell für die Arbeit mit Kindern konzipiert, die vor der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen und als extreme Frühgeborene gelten. Manchmal wiegen sie nur wenige Hundert Gramm und sind extrem schwach. Doch bei optimaler Versorgung überleben mittlerweile viele von ihnen.

Transport zum festen MRT birgt Risiken

Besonders die Entwicklung des Gehirns müsse dabei regelmäßig mittels medizinischer Bildgebung beobachtet werden, betont Dr. Sabir: „Gerade bei Frühgeborenen oder Neugeborenen mit gesundheitlichen Auffälligkeiten ist eine engmaschige Überwachung für die richtige Therapiefindung und ein rechtzeitiges Eingreifen entscheidend.“

Der Transport zu einem festen MRT sei bei dieser sensiblen Patientengruppe allerdings mit einem hohen Aufwand und nicht selten Risiken verbunden, sagt Sabir. Trotzdem war das bislang notwendig, da alle Patienten – auch die jüngsten – zur MRT-Diagnostik im Magnetresonanztomographen der radiologischen Abteilung gescannt werden mussten.

Sehr klein und über Rollen beweglich

Mit dem mobilen MRT könnten die hochsensiblen jüngsten Patienten des UKB „die dringend notwendige MRT-Diagnostik des Gehirns nun jederzeit, unkompliziert und ohne Risiken direkt auf unseren Stationen erhalten“, erklärt Prof. Andreas Müller, Direktor der Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am UKB. Es sei Dr. Sabir ein Herzensanliegen gewesen, „das weltweit neuartige mobile MRT über eine Förderung der Bill-Gates-Stiftung in unsere Neonatologie zu bringen“.

Im Vergleich zu den ansonsten fest installierten Geräten ist das mobile MRT sehr klein und über Rollen beweglich. Der Geräuschpegel ist leiser, und die Ergebnisse können umgehend über ein Tablet abgerufen werden. Perspektivisch, so das UKB, könne es durch eine Krankenliege erweitert werden, sodass auch bei Erwachsenen ein Scan des Gehirns durchgeführt werden kann.

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