RSNA

Tanz der Giganten

Was für Romantiker Venedig, ist für Radiologen Chicago: Sie müssen den Kongress der Radiological Society of North America gesehen haben, zumindest einmal im Leben – die monumentalen Ausstellungshallen, die riesigen, weit oben in der Luft schwebenden Logos der Unternehmen, die uferlosen, dicht gedrängten Stände, das internationale Publikum.

GE Healthcare

Weltgrößter Radiologie-Kongress: Die Stände von GE Healthcare und Siemens Healthineers sind an die 90 Meter lang. GE Healthcare hat 25 neue Produkte, Dienstleistungen und digitale Lösungen vorgestellt.

Siemens

Siemens erstmals mit Healthineers-Logo und -Farben: Zur Standfläche (rund 2.000 Quadratmeter) kommt ein Upper-Deck mit 400 Quadratmetern hinzu. 39 Workstations gab es am Stand und 16 Systeme, darunter der Somaton Drive und der Artis pheno.

Beim Vergleich der Besucherzahlen liegt die Medica mit 130.000 Besuchern eindeutig vor dem RSNA, welcher nach der sie ausrichtenden Fachgesellschaft benannt ist, der Radiological Society of North America. Allerdings ist die Bildgebung auf der Medica nur Teil eines riesigen Portfolios: Von Endoskopen über Betten bis zu Prothesen und Nahtmaterial ist hier die gesamte Medizintechnik vertreten. Die Radiologie scheint auf der weltgrößten Medizintechnik-Messe nun immer mehr zum Nebendarsteller zu werden. Siemens Healthineers war Mitte November 2016 nicht mehr mit einem eigenen Stand, sondern mit einer Lounge vertreten; dort und am Fachhandelspartnerstand von Sonowied präsentierten sie ihre Ultraschallsysteme. GE Healthcare verzichtete komplett auf einen Auftritt (nur GE Lifescience war mit einem kleinen Stand präsent).

 

2.000 Quadratmeter große Stände

Dafür lassen sie es auf dem RSNA Ende November krachen: Fast 90 Meter sind ihre Stände dort lang und an die 2.000 Quadratmeter groß, sie wirken wie Schlachtschiffe in der gewaltigen Halle 1, besonders der Siemens-Stand, auf dessen raumgreifenden Rumpf ein 400 Quadratmeter großes Deck ruht. Alle anderen Stände um sie herum sind merklich kleiner, an die Größe von Siemens und GE Healthcare heran reichen nur noch die Stände von Philips (circa 80 Meter) und Toshiba (circa 70 Meter) in Halle 2. Es ist ein enormes Kräftemessen der großen Vier, was sich auch daran zeigt, dass der Veranstalter Siemens und GE Healthcare jedes Jahr den Standort in Halle 1 miteinander tauschen lässt, damit sich nicht irgendwann einer der beiden beschwert, dass der Konkurrent eine vermeintlich oder tatsächlich bessere Lage genießt.

 

Schon mal von Shimadzu gehört?

Die großen Vier sind die großen Vier, weil sie Computertomografen (CT) und Magnetresonanztomografen (MRT) produzieren. Auf diesem Feld sind sie absolut führend, ein anderer Name kommt beim Thema CT und MRT fast nie ins Spiel. Auf dem RSNA wird der Besucher aber auch daran erinnert, dass es daneben noch das gute alte Röntgen gibt. Gleich gegenüber vom Siemens-Stand befindet sich der Stand von Shimadzu, einem 140 Jahre alten japanischen Unternehmen, das nach eigenen Aussagen recht gut davon lebt. Der orthopädische Markt sei nicht zu unterschätzen, würde sogar wachsen, erzählt Mitarbeiter Ryan Whitney am Stand auf Nachfrage. Auch C-Bögen, Angiografie- und Fluoroskopie-Systeme verkauften sich nicht schlecht. Wenn man die Standgröße auf dem RSNA als Indikator für die Machtfülle der Unternehmen im Radiologie-Markt nimmt, ergibt sich für Shimadzu Interessantes: Obgleich das Unternehmen in Deutschland selbst Kennern der Gesundheitsbranche kaum ein Begriff ist und insgesamt nur 10.000 Mitarbeiter hat (von denen sogar einige in Duisburg in der deutschen Dependance arbeiten), kann Shimadzu es hier auf dem RSNA mit dem großen Koreaner aufnehmen. Sein Stand ist mit rund 700 Quadratmetern einen kleinen Tick größer als der von Samsung, ein Unternehmen, das mit 489.000 fast eine halbe Million Mitarbeiter hat und sich – frustriert vom Konsumartikelgeschäft – seit einiger Zeit im Healthcare-Markt zu etablieren versucht.

 

Geschäftsführer im Speed-Dating-Stress

Insgesamt gibt es auf dem RSNA 659 Aussteller. Neben Siemens hat es auch Agfa Healthcare aus Deutschland hierher gezogen – der Stand des PACS-RIS-Herstellers ist nur etwas kleiner als der von Shimadzu und Samsung. Auch das Unternehmen Tomtec (20 Millionen Euro Jahresumsatz) aus Unterschleißheim bei München, das Software für die Hersteller radiologischer Geräte produziert, ist mit einem 20 Quadratmeter großen Stand dabei. „Die Messe ist für Tomtec relevant aufgrund der hohen Zielgruppendichte an Business- und Endkunden“, sagt Marketingchef Gregor Malischnig. Hier wird nicht nur geschaut, hier werden auch Geschäfte abgeschlossen. Die Geschäftsführer sind extrem gefordert auf dem RSNA, so hat der Vizepräsident von GE Healthcare Jörg Debatin an vier Tagen über fünfzig Gespräche geführt – kein Wunder, dass mancher im Zusammenhang mit dem RSNA von Speed-Dating spricht

Dieser Artikel ist auch in der kma-Januarausgabe 2017 erschienen.

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