Kosten und Prozesse

Was Sie zur Sterilgutversorgung wissen sollten

In der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) werden wiederverwendbare Medizinprodukte für die gesamte Klinik aufbereitet. Doch welche Kosten entstehen eigentlich bei der Produktion einer Sterilguteinheit? Und welche Rolle spielt die Arbeitsintensität der Mitarbeiter?

Sterilgutversorgung

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ZSVA ist ein wichtiger und sensibler Bereich im Krankenhaus. Deshalb lohnt auch hier ein Blick auf die Prozesse und Kosten.

Bei zwei deutschen Krankenhäusern der Maximalversorgung wurden in einer Studie die Prozesse in der Sterilgutversorgungsabteilung sowie im Operationsbereich untersucht und mit Zeiten hinterlegt. Für das Umverpacken wurden dabei die beiden hauptsächlichen Methoden genutzt, nämlich Sterilisationscontainer und Sterilisationsvlies. Ein klares Ergebnis der Studie: Das definierte räumliche Maß einer Sterilguteinheit ist keine zielführende Größe als „Kostentreiber“. Nur weil eine Sterilguteinheit größer ist, ist die Aufbereitung nicht zwingend aufwendiger. Es ist eher die Komplexität der Arbeitsaufgabe, die kostentreibend wirkt – ein zeitbasierter Ansatz ist für die differenzierte Kalkulation von Kosten wesentlich zielführender. Also müssen Prozesszeiten ermittelt werden.

Einteilung des Sterilguts nach Komplexität

Es gibt zwei grundlegende Prozesse, die abhängig von der Komplexität der Arbeitsaufgabe sind und die wir hier der Einfachheit halber Prozess A und B nennen:

  • Prozess A: Instrumente sortieren, demontieren und vorbehandeln

  • Prozess B: Instrumente prüfen, scannen, nachlegen, warten, pflegen und zusammenbauen

Im Durchschnitt benötigten die beiden untersuchten Kliniken knapp 8 Minuten für infrastrukturbedingte aber komplexitäts-unabhängige Prozesse (wie z.B. Be- und Entladen der Sterilisatoren und Sterilgüter scannen). Die Ermittlung der Zeitdauer der abhängigen Prozesse gestaltet sich schwieriger, denn diese Prozesse sind stark von der Komplexität des Gutes abhängig. Beispielhaft wird in wenig, mittel und hoch komplexe Güter unterteilt. Die Einteilung erfolgt nach dem zeitlichen Aufwand der Aufbereitung. Jeder Leistungserbringer sollte seine eigene Methodik finden und weiter ausdifferenzieren, z. B. nach Siebarten, Fachbereichen usw. Die vorliegenden Prozesszeiten stellen Marginalzeiten dar und können somit nicht zur Planung der Mitarbeiteranzahl herangezogen werden.

Kostenkalkulation

Die aufgezeigte „Gesamtzeit“ kann nun als Gewichtungsfaktor genutzt werden. Aus der Division aller zuzurechnenden Kosten der Abteilung resultiert ein kalkulatorischer Minutensatz. Die durchschnittlichen Kosten ergeben sich aus dem Minutensatz und der Gesamtzeit zur Produktion eines Gutes.

Das Vorgehen ermöglicht innerhalb der Kapazitätsgrenzen der Abteilung eine detailliertere Kosten- und folglich auch Preiskalkulation. Eine reine Durchschnittskostenkalkulation über alle Güter kann bei sich veränderndem Leistungsspektrum (z. B. mehr komplexe Güter) für den Leistungsanbieter zu Nachteilen führen.

Je zeitaufwendiger, desto teurer

Die bisherige Analyse hat alle Kosten als Gemeinkosten betrachtet. Werden jedoch Kostenunterschiede zwischen Prozessoptionen untersucht (z. B. bei der Entscheidung zwischen Vlies oder Container), so muss die Analyse differenzierter erfolgen. Es ist unverzichtbar, neben den Anschaffungs-, Abschreibungs- und Wartungskosten (Container) sowie den Verbrauchsmaterialkosten (Vliesbögen usw.) auch die benötigte Arbeitszeit zu berücksichtigen. Zeitliche Unterschiede im Handling und zusätzlich resultierende Personalkosten können Kostenvorteile bei Anlage- und Verbrauchsgütern mehr als kompensieren. Die Entscheidungsfindung sollte immer Prozesszeiten einbeziehen, denn es gilt: Größer im Sinne von zeitlich aufwendiger bedeutet teuer!

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